IFRS 18 & MPM: Die neue Architektur der Unternehmenssteuerung (NextLevel Manifest) Was CFOs, Controller:innen und Studierende jetzt wirklich umsetzen müssen
- NextLevel

- 27. Jan.
- 7 Min. Lesezeit
Inhaltsverzeichnis

TL;DR – in 60 Sekunden
IFRS 18 (International Financial Reporting Standards – internationale Rechnungslegung) ordnet die GuV neu in Operating/Investing/Financing und macht MPM (Management‑defined Performance Measures – vom Management definierte Leistungskennzahlen) prüfbar – inklusive verbindlicher Überleitung auf IFRS‑Zwischensummen.
KPI‑Kosmetik war gestern. Wer konsistent steuert und berichtet, senkt Risikoprämien, drückt den WACC (Weighted Average Cost of Capital – gewichtete durchschnittliche Kapitalkosten) und hebt den Unternehmenswert.
Inkonsistenz erzeugt den ICG (IFRS‑18 Consistency Gap – Konsistenzlücke) → Spreads rauf, WACC rauf, Enterprise Value runter.
Gewinner:innen integrieren IFRS 18 + IFRS 15 (Umsatz mit Substanz; Fünf‑Schritte‑Modell) + WCM/CCC (Working‑Capital‑Management / Cash Conversion Cycle) + IFRS 9 ECL/SICR (Expected Credit Loss / Significant Increase in Credit Risk) + ESG/CSRD (Environmental, Social, Governance / EU‑Nachhaltigkeitsberichtspflicht) zu einem Steuerungssystem: prüfbar, maschinell lesbar, kapitalmarktfähig.
1) Der Erdstoß: IFRS 18 ist kein „Kennzahlen‑Make‑over“, sondern ein Führungs‑Update
Operating (Kernleistung), Investing (Wachstum/Portfolio), Financing (Kapitalstruktur) – diese Trennung ist strategisch, nicht dekorativ. MPM werden „auditable“: Jede bereinigte Kennzahl (Adjusted EBITDA, Adjusted EBIT, Free Cash Flow etc.) muss definiert, berechnet, übergeleitet, stabil berichtet und Governance‑gesichert geändert werden.
Kantige Wahrheit: Wer Kennzahlen erklären kann, muss sie nicht verteidigen.
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Glossar: IFRS → [Link einfügen] · MPM → [Link einfügen] · EBITDA
2) MPM werden prüfbar – oder sie sind keine MPM, sondern Märchen mehr
Prüfbarkeit heißt: Definition → Berechnung → Überleitung → Konstanz → Änderungs‑Governance.
Positiv‑Beispiel: „Adjusted EBITDA“ mit klaren Adjustments, Thresholds, Überleitung auf Operating Result, über Perioden stabil; Änderungen vorher angekündigt und begründet.
Negativ‑Beispiel: „Was nicht passt, wird ‘adjusted’“ → Jedes Jahr andere Bereinigung, keine Überleitung → Vertrauen weg, Spread hoch.
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Glossar: IFRS 13 – Fair Value Measurement
3) ICG – die teuerste Kennzahl, die nicht im Reporting steht
ICG (IFRS‑18 Consistency Gap) = Bruch zwischen interner Steuerung (KPI, Bonus, Invest‑Gate) und externer Darstellung (IFRS 18).
Folge: Unsicherheit ↑ → Risikoprämie ↑ → WACC ↑ → Bewertung ↓.
Typische Auslöser:
MPM intern genutzt, extern anders/inkonsistent.
Operating intern ≠ extern.
IFRS 15 (Leistung/Fortschritt) passt nicht zur Umsatz/KPI‑Logik → Abnahmen verzögert → DSO/DIO/DPO entgleisen → CCC explodiert.
Weiterlesen intern:
Glossar: ICG → [Link einfügen] · IFRS 15
4) Kapitalmarkteffekt in 5 Schritten: Wie IFRS 18 den WACC drückt
IFRS‑18‑Konformität + prüfbare MPM‑Überleitung
Earnings‑Quality ↑, Analysten‑Modellqualität ↑
Credit‑Spread ↓ (Cost of Debt), Equity‑Risk‑Premium ↓ (Cost of Equity)
WACC ↓
Mehr Projekte über der Hurdle Rate → Enterprise Value ↑
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Glossar: WACC → [Link einfügen] · FCF (Free Cash Flow) → [Link einfügen] · CAPM (Capital Asset Pricing Model) → [Link einfügen]
5) „Show me the Cash“: IFRS 18 trifft IFRS 15 und WCM/CCC
IFRS 15 bestimmt wann Leistung (und damit Umsatz) entsteht; CCC (Cash Conversion Cycle) misst wie lange Geld im System gefangen bleibt.
Negativ‑Case (Projektgeschäft):POs (Performance Obligations – Leistungsverpflichtungen) unsauber, Fortschritt nicht belegbar → Abnahmen verzögert → DSO 90+, CCC hoch → Not‑Linien, Spread↑.
Positiv‑Case:Saubere PO‑Definition, Evidenz‑Katalog, Agentic‑AI erinnert Teams an Nachweise → DSO −12 Tage, CCC −18 Tage, Kontokorrent −20 %.
Weiterlesen intern:
Glossar: IFRS 15, CCC, WCM, CVL (Cash‑to‑Value Loop) → [Links einfügen]
6) Banken & IFRS 9: ECL/SICR als versteckte Zinsformel
IFRS 9 ECL (Expected Credit Loss) & SICR (Significant Increase in Credit Risk) spiegeln, was Banken sowieso tun: Risiken bepreisen. Volatile KPIs, Dispute‑Quoten, schwaches IKS (Internes Kontrollsystem), inkonsistente MPM → Spread hoch.
Weiterlesen intern:
Glossar: ECL, SICR, IKS → [Links einfügen]
7) ESG/CSRD: Kein Feigenblatt, sondern WACC‑Hebel
ESG & CSRD werden prüfbar (ESRS‑Standards).Prüfungsfähige ESG‑Daten → Trust ↑ → Risikoprämie ↓ → WACC ↓.Greenwashing → umgekehrt.
Weiterlesen intern:
Glossar: ESG‑Reporting, ESRS E1, Double Materiality, DNSH
8) Wertorientierte Unternehmensführung (VBM): Vom KPI‑Zoo zur Kapitallogik
VBM (Value‑Based Management) heißt: Rendite > Kapitalkosten – jederzeit, prüfbar.
Die Big‑6 (Priorisierung):
WACC – Hurdle/Discount‑Rate; über Transparenz, Governance, ESG aktiv senkbar.
FCF – wahrer Werttreiber; CCC/DSO/DIO/DPO sind die Hebel.
ROIC (Return on Invested Capital) vs. WACC – Value‑Spread.
EVA (Economic Value Added) = NOPAT − WACC×Capital.
CCC (Cash Conversion Cycle) inkl. DSO/DIO/DPO – Geschwindigkeit des Geldes.
MPM‑Set (3–5 Kennzahlen) – überleitbar & stabil, sonst lassen.
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9) Investor‑Brille: Buchwert je Aktie, Kurs, Intrinsic Value
Buchwert je Aktie (Book Value per Share) = Substanzindikator, nicht der Unternehmenswert.
Kurs (Marktpreis) = Laune + Liquidität + Zinsumfeld.
Intrinsic Value (innerer Wert) = DCF (Discounted‑Cash‑Flow) mit WACC als Zins.
IFRS‑18‑Effekt: Bessere Überleitbarkeit, konsistente MPM, weniger ICG → Discount‑Rate plausibler, Forecasts stabiler → Bewertung robuster.
10) IFRS vs. Swiss GAAP FER vs. US‑GAAP – der praxisrelevante Kurz‑Kontrast
10.1 Vorräte (Inventories) – LIFO/FIFO & Wertaufholung
IFRS (IAS 2): LIFO (Last‑in‑First‑out) verboten; erlaubt sind u. a. FIFO und gewogener Durchschnitt. Wertaufholungen (Reversal) zulässig, wenn Gründe entfallen – bis max. zu den fortgeführten Anschaffungskosten.
US‑GAAP (ASC 330): LIFO erlaubt (steuerliche/volatilitäts‑bedingte Nutzung in den USA verbreitet). Wertaufholungen von Vorräten grundsätzlich verboten.
Swiss GAAP FER (FER 17 Vorräte): LIFO nicht zulässig; FIFO/gewogener Durchschnitt üblich. Wertberichtigungen können bei Wegfall der Gründe rückgängig gemacht werden.
Steuerungsfolge: LIFO (US‑GAAP) kann in Inflation höhere COGS → niedrigerer Gewinn/Steuer produzieren; IFRS/FER sind näher an ökonomischer Flusslogik und reduzieren Kennzahlen‑„Gestaltung“.
10.2 Goodwill & Immaterielle Werte
IFRS (IAS 36/38): Goodwill keine planmäßige Abschreibung, jährlicher Impairment‑Test. Entwicklungskosten können unter Bedingungen aktiviert werden.
US‑GAAP (ASC 350): Goodwill aktuell Impairment‑only (FASB‑Diskussionen zur Amortisation im Fluss); Entwicklungskosten häufig Aufwand (stringenter).
Swiss GAAP FER (FER 30/FER 10): Goodwill wahlweise aktivieren und über 5–20 Jahre abschreiben oder direkt gegen Eigenkapital verrechnen; Entwicklungskosten in der Praxis zurückhaltender aktiviert.
Steuerungsfolge: FER bietet mehr Ermessensspielraum (Amortisation/Off‑Set), IFRS/US‑GAAP setzen stärker auf Impairment‑Disziplin.
10.3 Leasing
IFRS 16: Ein‑Modell‑Ansatz für Leasingnehmer – praktisch alle Leasingverhältnisse on‑balance (ROU‑Vermögenswert + Leasingverbindlichkeit), front‑loaded Aufwand.
US‑GAAP (ASC 842): Ebenfalls ROU‑Vermögenswert/Verbindlichkeit, aber Operating‑Lease‑Expense bleibt linearisierter Aufwand in der GuV – Ergebnisverlauf unterscheidet sich.
Swiss GAAP FER: weniger strikt; Operating Leases können off‑balance verbleiben (je nach Auslegung) – Vergleichbarkeit eingeschränkt.
Steuerungsfolge: IFRS/US‑GAAP forcieren Transparenz über Verschuldung; FER kann scheinbar „leichtere“ Bilanz zeigen – Risikomodelle der Banken korrigieren das.
10.4 Revenue Recognition (Umsatz)
IFRS 15 vs. US‑GAAP (ASC 606): weitgehend konvergiert (PO‑Logik, Fortschritt vs. Zeitpunkt).
Swiss GAAP FER: prinzipienbasiert, mit weniger Detailtiefe; mehr Ermessensspielraum, höhere Heterogenität in der Praxis.
Steuerungsfolge: IFRS/US‑GAAP begünstigen prüfbare Fortschrittslogik; FER erfordert saubere interne Richtlinien, sonst Vergleichbarkeitsrisiko.
10.5 Nicht‑GAAP‑Kennzahlen / MPM
IFRS 18/MPM: Überleitungspflicht, Prüfbarkeit, Konstanz.
US‑GAAP: Non‑GAAP‑Measures unterliegen SEC‑Regeln (Reg G/Item 10(e)) – strenge Disclosure, aber keine IFRS‑18‑Kategorie‑Logik.
Swiss GAAP FER: weniger formal geregelt; Transparenz abhängig von Hausstandards.
Steuerungsfolge: IFRS 18 setzt deutlich höhere Disziplin – WACC‑Hebel über Vertrauenswirkung.
Kurzfazit: IFRS 18 liefert Kategorien + Prüfbarkeit genau dort, wo Wertsteuerung wirkt. US‑GAAP ist in Einzelthemen (LIFO etc.) anders, aber disclosure‑stark; FER ist leichter, dafür vergleichbarkeitskritisch. Für kapitalmarktfähige DACH‑Unternehmen bleibt IFRS die präziseste „Kapital‑Sprache“.
11) Praxis‑Check: Fehlerbilder (mit Schweißperlen) & Gegenbeispiele
Fehler #1 – KPI‑Kosmetik „Adj. KPI“ ohne Überleitung. ICG, Spread↑, WACC↑, Multiple↓.
Fehler #2 – IFRS 15 unterschätzt Leistung ≠ Rechnung. Abnahmen spät, DSO↑, CCC↑, Linien teurer.
Fehler #3 – Silo‑Denken Controlling rechnet, Operative lebt was anderes. KPI ohne Cash‑Backbone.
Fehler #5 – ESG als Marketing Keine Data Lineage, „Hübschreden“. Risikoprämie↑ sicher.
Gegenbeispiel (Best‑Practice): DDG + saubere MPM‑Überleitungen + IFRS‑15‑Evidenzen + Agentic‑AI im WCM → Volatilität↓, Spreads↓, WACC↓, EV↑.
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12) Das 6‑Punkte‑Playbook (umsetzen statt abwarten)
IFRS‑18‑Blueprint (4–6 Wochen): Definitionen, MPM‑Katalog, Überleitungen, Änderungs‑Governance.
ICG‑Detektor (2–3 Wochen): Gap‑Analyse intern vs. extern; Bonus‑Logik synchronisieren.
IFRS‑15‑Konvergenz (4–8 Wochen): PO‑Design, Evidenz‑Katalog, Fakturierung am Fortschritt.
WCM/CCC‑Programm (laufend): DSO/DIO/DPO‑Workstreams; Agentic‑AI gegen Disputes.
IFRS‑9‑Dialog (laufend): ECL‑Story gegenüber Banken; Spread‑Case faktenbasiert.
ESG/CSRD‑Festigkeit (laufend): Data Lineage, Controls; DNSH‑Fallstricke vermeiden.
13) Vorteile & Nachteile
Vorteile:
WACC↓ durch Transparenz/Disziplin
Analysten‑Vertrauen↑, Rating→ besser
Projekt‑Qualität↑ (Hurdle‑Disziplin)
Liquidität stabiler (CCC)
Prüfungsfestigkeit statt Überraschungen
Nachteile / Aufwand:
Initiale Definition/Schulung
Change bei Kultur & Bonus
Tooling/Reporting anpassen
14) FAQ
Ab wann gilt IFRS 18?
Für Berichtsperioden ab 1. Januar 2027. Vorbereitung (Definitionen, MPM‑Überleitungen, Systemlogik) jetzt starten. Mehr: Glossar IFRS, MPM
Was macht MPM „prüfbar“?
Definition, Berechnung, Überleitung auf IFRS‑Zwischensummen, Konstanz und eine klare Änderungs‑Governance. Mehr: Glossar MPM, EBITDA
Was ist der ICG (IFRS‑18 Consistency Gap)?
Inkonsistenz zwischen interner Steuerung und externer Darstellung, die Risikoprämien und damit WACC erhöht. Mehr: Glossar ICG, WACC
Wie hängen IFRS 18 und IFRS 15 zusammen?
IFRS 18 strukturiert die GuV; IFRS 15 steuert Leistung/Umsatz. Fehlende IFRS‑15‑Disziplin treibt DSO/CCC – und damit Spreads.
IFRS vs. US‑GAAP vs. Swiss GAAP FER – was ändert sich praktisch?
Vorräte (LIFO nur unter US‑GAAP), Goodwill/Leasing/Non‑GAAP/MPM unterscheiden sich – IFRS 18 bringt restriktive Prüfbarkeit (WACC‑Hebel). Mehr: Abschnitt 10 in diesem Artikel.
15) NextLevel‑Statement
„IFRS 18 ist kein Reporting‑Update – es ist ein Führungs‑Update. Wer Cash stabilisiert, Governance stärkt und Working Capital beherrscht, senkt den Preis des Kapitals – und schafft echten Unternehmenswert.“
16) Weiterbildungen
Up-to-Date zu sein ist kein Zufall - sondern das Ergebnis erstklassiger Weiterbildung wie z.B. mit unser international ausgerichteten Diplom Betriebswirtschafterin HF / ACCA (Global Finance) - Weiterbildung mit der in DEUTSCH die ganzen Grundlagen in IFRS, Accounting, Finance und mehr erlernt und zugänglich gemacht werden. Mit dieser Kombination studieren Schweizer, Deutsche und Österreicher und eröffnen sich Zugang zu internationalen Karrieren auf EQR 7 Stufe und zusätzlich einem Bachelor of Professional (durch das HF-Diplom)! Jetzt Karriere machen! Denn it's time for Your NextLevel









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