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Free Cash Flow (FCF; freier Cashflow)

Von der Ergebniszahl zum prüfbaren Führungsinstrument in der IFRS‑18‑Welt


Warum der Free Cash Flow die härteste Währung ist

Der Free Cash Flow (FCF; freier Cashflow) beantwortet die zentrale Frage jedes Finanzentscheiders: Wie viel frei verfügbares Geld bleibt nach operativem Geschäft und notwendigen Investitionen tatsächlich übrig? 


Während der Periodengewinn durch Bilanzierungsregeln, Bewertungsmodelle und Zeitabgrenzungen geprägt ist, misst der freie Cashflow die reale Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens und damit die Substanz, aus der Wachstum, Schuldendienst, Dividenden, Rückkäufe und strategische Optionen finanziert werden. Im Corporate‑Finance‑Kontext betrachten wir zwei Perspektiven: den Free Cash Flow to the Firm (FCFF; freier Cashflow für alle Kapitalgeber) und den Free Cash Flow to Equity (FCFE; freier Cashflow für Eigenkapitalgeber).


In der Discounted‑Cash‑Flow‑Bewertung (DCF; Barwert künftiger Cashflows) dient der FCFF als Grundlage für den Enterprise Value (Unternehmenswert) mittels Abzinsung mit dem Weighted Average Cost of Capital (WACC; gewichtete durchschnittliche Kapitalkosten); der FCFE wird mit den Eigenkapitalkosten (Cost of Equity) diskontiert und führt zum Equity Value (Eigenkapitalwert).


Kurz: Unternehmenswert ist der Barwert künftiger freier Cashflows.


Von der Ergebniszahl zum Cash: die Herleitung über NOPAT, Working Capital und Investitionen

Die Herleitung des freien Cashflows beginnt operativ. Ausgangspunkt ist der Net Operating Profit After Taxes (NOPAT; operativer Gewinn nach Steuern), der sich aus dem Earnings Before Interest and Taxes (EBIT; operatives Ergebnis) nach Steuern ergibt. Dieser NOPAT beschreibt, was das Kerngeschäft nach Abzug der Ertragsteuern erwirtschaftet, bevor die Finanzierungsstruktur berücksichtigt wird. Anschließend werden nicht‑zahlungswirksame Aufwendungen (Non‑Cash‑Items) wieder hinzugerechnet—typischerweise Abschreibungen, Wertminderungen (Impairments) sowie Effekte aus dem International Financial Reporting Standard 9 – Financial Instruments (IFRS 9; Finanzinstrumente), insbesondere der Expected Credit Loss (ECL; erwarteter Kreditverlust), soweit er zwar erfolgswirksam, jedoch nicht zahlungswirksam ist.


Der stärkste kurzfristige Cash‑Hebel liegt in der Veränderung des Net Working Capital (ΔNWC; Veränderung des betriebsnotwendigen Umlaufvermögens). Hier werden die operativen Zeitmechaniken sichtbar: Forderungen aus Lieferungen und Leistungen (Trade Receivables), Contract Assets (Vertragsvermögen) nach International Financial Reporting Standard 15 – Revenue from Contracts with Customers (IFRS 15; Umsatzerfassung aus Kundenverträgen), Vorräte (Inventories) und Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen (Trade Payables). Steigt das Working Capital, bindet das Geschäft Cash; sinkt es, wird Cash freigesetzt. Hinter dieser Dynamik steht die Cash Conversion Cycle (CCC; Geldumschlagsdauer) als Taktgeber der Liquidität, operationalisiert über Days Sales Outstanding (DSO; Debitorenlaufzeit), Days Inventory Outstanding (DIO; Lagerdauer) und Days Payables Outstanding (DPO; Kreditorenlaufzeit).


Nach der Working‑Capital‑Korrektur folgt der Abzug der Capital Expenditures (CAPEX; Investitionsausgaben). Für Management, Prüfung und Kapitalmarkt sollte stets zwischen Erhaltungsinvestitionen (Maintenance CAPEX), die die bestehende Leistungskapazität sichern, und Wachstumsinvestitionen (Growth CAPEX) unterschieden werden. Aus NOPAT, den Non‑Cash‑Items, ΔNWC und CAPEX entsteht der FCFF, also die Cash‑Leistung der gesamten Unternehmung. Vom FCFF zum FCFE gelangen wir, indem Zinszahlungen (nach Steuern) abgezogen und Veränderungen der Netto‑Verschuldung (Net Debt) berücksichtigt werden. Das Ergebnis repräsentiert den frei verfügbaren Cash für die Eigenkapitalgeber.



Beispielrechnung als Brücke vom Ergebnis zum FCFF

Die folgende, bewusst einfache Brücke zeigt die Logik auf einen Blick und hilft, typische Schwachstellen schnell zu identifizieren.

Komponente

Betrag

Erläuterung

EBIT (operatives Ergebnis)

10 Mio.

Ausgangspunkt der Herleitung

Steuern (25 %)

–2,5 Mio.

Ableitung NOPAT

= NOPAT

7,5 Mio.

Operativer Gewinn nach Steuern

+ Abschreibungen

+3 Mio.

Nicht‑cash, daher addiert

– ΔWorking Capital

–2 Mio.

Cashbindender Anstieg (z. B. höhere DIO/DSO)

– CAPEX

–4 Mio.

Investitionen (Maintenance + Growth)

= FCFF

4,5 Mio.

Freier Cashflow für alle Kapitalgeber

Die nüchterne Quintessenz: Ein solides EBIT garantiert keinen starken Free Cash Flow—ΔNWC und CAPEX entscheiden über die verfügbare Liquidität.



Die IFRS‑18‑Wende: vom individuellen Rechenweg zur prüfbaren Überleitung

Mit International Financial Reporting Standard 18 – Presentation and Disclosure in Financial Statements (IFRS 18; Darstellung und Angaben im Abschluss) beginnt eine neue Epoche der Berichterstattung. Zuvor leiteten viele Unternehmen ihren Free Cash Flow unterschiedlich ab - teils vom Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization (EBITDA; Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen), teils vom EBIT, gelegentlich mit heterogenen „Adjustments“. IFRS 18 rückt die Operating Category (operative Kategorie) als Anker der Erfolgsrechnung ins Zentrum und verlangt, dass Management‑defined Performance Measures (MPM; vom Management definierte Leistungskennzahlen) - zu denen faktisch auch ein FCF‑MPM zählt - vollständig aus IFRS‑Zahlen übergeleitet (reconciled) und transparent offengelegt werden.


Konkret wird Operating Profit (operatives Ergebnis) der Startpunkt der FCF‑Brücke. Von dort werden nicht‑zahlungswirksame Effekte (Abschreibungen, Impairments, ECL nach IFRS 9, Effekte aus International Financial Reporting Standard 16 – Leases (IFRS 16; Leasingverhältnisse), soweit non‑cash) explizit ergänzt. Im nächsten Schritt werden operative Working‑Capital‑Bewegungen ausgewiesen—mit klarer Aufschlüsselung nach Forderungen, Contract Assets, Vorräten und Verbindlichkeiten. Es folgt der Abzug der Investitionen aus der Investing‑Kategorie, was zu einem MPM‑fähigen FCFF führt. Unter Einbezug der Finanzierungs‑Cashflows (Zinsen, Veränderungen der Netto‑Verschuldung) lässt sich daraus ein FCFE ableiten. Diese Überleitungspflicht erhöht Vergleichbarkeit, Prüfbarkeit und interne Disziplin—und macht zugleich sichtbar, wo Free Cash Flow entsteht oder verloren geht.



Gegenüberstellung: FCF „vor IFRS 18“ vs. FCF „nach IFRS 18“

Bereich

Pre‑IFRS 18

IFRS 18

Startpunkt

Häufig EBITDA/EBIT, firmenspezifisch angepasst

Operating Profit (klar definiert)

Transparenz

Heterogen, oft nicht einheitlich

Verpflichtende und vollständige Überleitung

Working Capital

Oft zusammengefasst

Explizit: Forderungen, Contract Assets, Vorräte, Verbindlichkeiten

IFRS‑Einbindung

Implizit/uneinheitlich

Explizit: IFRS 15, IFRS 9 (ECL/SICR), IFRS 16

Kategorien

Keine feste Struktur

Operating / Investing / Financing verpflichtend

Prüfbarkeit

Stark variierend

MPM‑fähig, prüfbar, konsistent

Vergleichbarkeit

Eingeschränkt

Deutlich verbessert



Was IFRS 15, IFRS 16 und IFRS 9 konkret am FCF verändern

Die Wirkung der großen Standards auf Free Cash Flow ist direkt und messbar. International Financial Reporting Standard 15 (IFRS 15; Umsatzerfassung aus Kundenverträgen) steuert über Performance Obligations (Leistungsverpflichtungen), Fortschrittsmessung und Contract Assets (Vertragsvermögen) den Zeitpunkt, wann Leistung als Umsatz und fakturierbar gilt—und damit, wann Cash zufließt. International Financial Reporting Standard 16 (IFRS 16; Leasingverhältnisse) schafft Transparenz, indem Leasingzahlungen zwischen operativem und finanzierungsbezogenem Cashflow sauber zugeordnet werden; das ist insbesondere für den Free Cash Flow to Equity (FCFE) relevant.


International Financial Reporting Standard 9 (IFRS 9; Finanzinstrumente) führt mit Expected Credit Loss (ECL; erwarteter Kreditverlust) und Significant Increase in Credit Risk (SICR; signifikante Erhöhung des Kreditrisikos) eine prospektive Risikologik ein, die Ergebnis, Bilanzqualität und Einzugsfähigkeit von Forderungen verbindet—und so den Free Cash Flow über die Forderungsqualität beeinflusst.



Einflussmatrix: IFRS 9, IFRS 15, IFRS 16 auf den Free Cash Flow

Standard

Mechanismus

Auswirkung auf FCF

IFRS 15 – Revenue from Contracts with Customers (Umsatzerfassung)

Vertragsvermögen entstehen, wenn Leistung vor Fakturierung/Bezahlung erbracht wird

Bindet Cash → FCF sinkt trotz steigenden Umsatzertrags

IFRS 9 – Financial Instruments (Finanzinstrumente)

Prospektive Risikovorsorge (ECL) und SICR‑Schwellen

ECL ist nicht‑cash, wirkt aber über Forderungsqualität und Kreditkonditionen indirekt auf FCF

IFRS 16 – Leases (Leasingverhältnisse)

Trennung von Zins/Tilgung, Verschiebung vom Operating in Financing

Relevanter für FCFE (Cash an Eigenkapital), verbessert Transparenz der zahlungswirksamen Leasingströme



FCFF oder FCFE? Die richtige Perspektive für Bewertung und Steuerung

In der Kommunikation mit Kapitalgebern lohnt eine saubere Trennung zwischen Free Cash Flow to the Firm (FCFF) und Free Cash Flow to Equity (FCFE). Der FCFF abstrahiert von der konkreten Kapitalstruktur und ist daher ideal für die Unternehmensbewertung auf Basis des WACC. Der FCFE rückt die Perspektive der Eigenkapitalgeber in den Vordergrund und spiegelt Zinsabflüsse sowie Netto‑Verschuldungsänderungen wider. Die Wahl hängt vom Anwendungsfall ab:


M&A‑/PE‑Modelle nutzen primär den FCFF; Equity‑Stories und Ausschüttungspolitiken argumentieren häufig mit dem FCFE.



Gegenüberstellung: FCFF und FCFE

Aspekt

FCFF (Freier Cashflow für alle Kapitalgeber)

FCFE (Freier Cashflow für Eigenkapitalgeber)

Kapitalgeber‑Sicht

Eigenkapital und Fremdkapital

Nur Eigenkapital

Diskontierung

WACC (gewichtete durchschnittliche Kapitalkosten)

Cost of Equity (Eigenkapitalkosten)

Bewertungsziel

Enterprise Value (Unternehmenswert)

Equity Value (Eigenkapitalwert)

Kapitalstruktur‑Einfluss

Neutral

Explizit (Zinsen, Net Debt)

Formel (vereinfacht)

NOPAT + Non‑Cash – ΔNWC – CAPEX

FCFF – Zinsen (nach Steuern) ± ΔNetto‑Verschuldung

Typische Anwendung

DCF‑Unternehmensbewertung, M&A, PE

Aktionärssicht, Ausschüttungen, Levered‑Modelle



Der Value‑Stack: wie ROIC, WACC und FCF Unternehmenswert erzeugen

Free Cash Flow ist das Scharnier zwischen operativer Leistung und Kapitalmarktlogik. Die Return on Invested Capital (ROIC; Rendite auf eingesetztes Kapital) misst, wie effizient das Unternehmen sein Capital Employed (CE; eingesetztes Kapital) in operativen Gewinn umwandelt. Der Weighted Average Cost of Capital (WACC) spiegelt die Renditeerwartungen der Kapitalgeber wider. Entsteht ein positiver Spread aus ROIC minus WACC, wächst der Free Cash Flow und damit—über die Discounted‑Cash‑Flow‑Bewertung—der Enterprise Value. Dieses Zusammenspiel legt die Agenda des CFO fest: Prozesse stabilisieren, Working‑Capital‑Zeiten verkürzen, Investitionen disziplinieren, Kapitalkosten senken.



Mini‑Übersicht: Der Value‑Stack auf einen Blick

Komponente

Definition

Rolle

ROIC

Rendite auf das eingesetzte Kapital

Effizienzmaß für Wertschöpfung

WACC

Gewichtete durchschnittliche Kapitalkosten

Hürde (Mindestverzinsung)

Spread (ROIC – WACC)

Wertschaffungsdifferenz

Positiv = Wertaufbau

FCF

Freier Cashflow (FCFF/FCFE)

Monetarisierung des Spreads

Enterprise Value

Barwert zukünftiger FCFF

Ergebnis der DCF‑Bewertung



DACH‑Kontext: worauf Kapitalgeber besonders achten

Im DACH‑Mittelstand dominieren Zinsdeckung (Interest Coverage; Zinsdeckungsgrad), Verschuldungsfähigkeit und Qualität der Cash‑Konversion die Gespräche mit Banken und Investoren. In CAPEX‑intensiven Industrien (Maschinen‑/Anlagenbau, Automotive‑Zulieferer) unterschätzt man häufig, wie stark ΔNWC den freien Cashflow bremst - etwa durch steigende Days Inventory Outstanding in volatilen Lieferketten oder wachsende Contract Assets, wenn Projektabnahmen verspätet erfolgen. IFRS 18 verändert hier die Erwartungshaltung:


Analysten wollen MPM‑fähige FCF‑Brücken, in denen Operating Profit, Non‑Cash‑Bestandteile, Working‑Capital‑Bewegungen, CAPEX und Finanzierungs‑Cashflows einheitlich und prüfbar abgeleitet sind. Wer diese Transparenz liefert, verbessert Rating‑Eindruck und Konditionen.



Häufige Fehlinterpretationen - und wie man sie vermeidet

Die verbreitetste Fehlannahme ist die Gleichsetzung von EBITDA mit Cash. Das Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization ist ein Leistungsindikator, blendet aber gerade jene Größen aus, die den Free Cash Flow bestimmen: ΔNWC und CAPEX. Ebenso trügerisch ist der Glaube, Umsatzwachstum erhöhe automatisch den freien Cashflow. In der Realität steigt zunächst das Working Capital - die DSO verlängern sich, DIO nimmt zu, Contract Assets wachsen—sodass der Free Cash Flow kurzfristig sinkt, bevor Skaleneffekte wirken. Schließlich führt die fehlende Trennung von Maintenance‑ und Growth‑CAPEX zu Fehlbewertungen, weil sie sehr unterschiedliche Signale an Kapitalgeber senden.



Fazit: Free Cash Flow als Führungsgröße—und IFRS 18 als Beschleuniger

Der Free Cash Flow ist mehr als eine Kennzahl: Er ist die operative Wahrheit in Geld. IFRS 18 standardisiert den Weg dorthin—vom Operating Profit über Nicht‑Cash‑Bestandteile, Working‑Capital‑Bewegungen und Investitionen bis zum FCFF, aus dem sich bei Bedarf der FCFE ableiten lässt. In Verbindung mit ROIC und WACC entsteht so der Value‑Creation‑Stack, mit dem Unternehmen ihren Unternehmenswert aktiv gestalten. Wer diese Mechanik beherrscht, steuert Kapitalkosten, trifft bessere Investitionsentscheidungen und baut nachhaltigen Wert auf.


NextLevel‑Statement

„Free Cash Flow ist die härteste Währung im Corporate Finance. IFRS 18 macht ihn zum prüfbaren Führungsinstrument. Wer FCF beherrscht, steuert Kapitalkosten, investiert klüger und maximiert nachhaltigen Unternehmenswert.“



FAQ – Free Cash Flow (Whitepaper‑Ergänzung)

1) Was ist der Unterschied zwischen Free Cash Flow to the Firm (FCFF; freier Cashflow für alle Kapitalgeber) und Free Cash Flow to Equity (FCFE; freier Cashflow für Eigenkapitalgeber)?

FCFF zeigt den freien Cash, der Eigen‑ und Fremdkapitalgebern gemeinsam zusteht (kapitalstrukturneutral, diskontiert mit Weighted Average Cost of Capital – WACC; gewichtete durchschnittliche Kapitalkosten). FCFE zeigt den freien Cash nur für die Eigenkapitalgeber (diskontiert mit Cost of Equity; Eigenkapitalkosten) und berücksichtigt Zinszahlungen sowie Veränderungen der Netto‑Verschuldung.


2) Wie berechne ich FCFF Schritt für Schritt nach der IFRS 18‑Logik?

Startpunkt ist der Operating Profit (operatives Ergebnis). Addiere nicht‑cash‑wirksame Aufwendungen (Abschreibungen, Wertminderungen, Expected Credit Loss – ECL; erwarteter Kreditverlust), korrigiere um die Veränderung des Operating Working Capital (Forderungen, Contract Assets – Vertragsvermögen nach IFRS 15, Vorräte, Verbindlichkeiten) und ziehe Capital Expenditures – CAPEX; Investitionsausgaben ab. Das Ergebnis ist ein MPM‑fähiger FCFF.


3) Warum ist Free Cash Flow (FCF; freier Cashflow) wichtiger als der Gewinn?

Gewinn ist periodisiert und von Bilanzierungsregeln geprägt. FCF misst zahlungswirksame Überschüsse nach Investitionen und zeigt damit, was finanziell wirklich möglich ist (Tilgung, Dividenden, Wachstum). Für Discounted‑Cash‑Flow‑Bewertungen (DCF; Barwertmodell) ist nur FCF entscheidend.


4) Wie hängt Free Cash Flow mit Return on Invested Capital (ROIC; Rendite auf eingesetztes Kapital) und WACC zusammen?

Wenn ROIC > WACC, entsteht ein positiver Spread. Dieser Spread monetarisiert sich in zukünftigem Free Cash Flow, der beim DCF den Enterprise Value steigert. ROIC (Effizienz) und WACC (Preis des Kapitals) bestimmen also die Höhe und Nachhaltigkeit des FCF.


5) Welche Rolle spielt das Working Capital (betriebsnotwendiges Umlaufvermögen) für den Free Cash Flow?

ΔNWC ist der größte kurzfriste Hebel. Steigt das Working Capital (z. B. längere Days Sales Outstanding – DSO; Debitorenlaufzeit oder höhere Days Inventory Outstanding – DIO; Lagerdauer), verbraucht das Cash. Sinkt es (bessere Fakturierung, schnellere Abnahmen, stabilere Lieferketten), entsteht Cash.


6) Wie beeinflusst International Financial Reporting Standard 15 (IFRS 15; Umsatzerfassung aus Kundenverträgen) den Free Cash Flow?

Über Performance Obligations (Leistungsverpflichtungen), Fortschrittsmessung und Contract Assets (Vertragsvermögen). Werden Leistungen vor Fakturierung/Bezahlung erfüllt, steigen Contract Assets—Umsatz wächst, aber Cash fehlt. Das bindet Free Cash Flow und wird unter IFRS 18 transparent übergeleitet.


7) Was ändert International Financial Reporting Standard 18 (IFRS 18; Darstellung und Angaben im Abschluss) konkret am FCF‑Reporting?

IFRS 18 verlangt einheitliche, prüfbare Überleitungen: Operating Profit → Non‑Cash → ΔOperating Working Capital → CAPEX → FCFF. Dadurch wird FCF vergleichbarer, MPM‑fähig und testierbar—ein Plus für Analysten, Banken und CFOs.


8) Wie fließen Leasingverhältnisse nach International Financial Reporting Standard 16 (IFRS 16) in den Free Cash Flow to Equity (FCFE) ein?

IFRS 16 trennt Zins und Tilgung. Für den FCFE sind die zahlungswirksamen Leasing‑Cashflows relevant (i. d. R. in der Financing‑Kategorie), die zeigen, welcher Cash tatsächlich den Eigenkapitalgebern zur Verfügung steht.


9) Welche typischen Fehler führen in der Praxis zu einer Überschätzung des Free Cash Flow?

(1) EBITDA = Cash setzen (ignoriert ΔNWC und CAPEX),

(2) Umsatzwachstum mit FCF‑Wachstum verwechseln (Working‑Capital‑Bindung steigt oft zuerst),

(3) Maintenance‑ und Growth‑CAPEX nicht trennen,

(4) Contract‑Assets‑Wachstum übersehen (IFRS 15),

(5) ECL‑Effekte (IFRS 9) und Zahlungsmoral unterschätzen.


10) Wann nutze ich in der Bewertung FCFF und wann FCFE?

Nutze FCFF für die unternehmensweite Perspektive (DCF mit WACC → Enterprise Value). Verwende FCFE für die Equity‑Perspektive (Diskontierung mit Cost of Equity → Equity Value), insbesondere wenn Verschuldungsgrad und Zinsstruktur im Fokus stehen.


11) Wie kann ich den Free Cash Flow kurzfristig verbessern, ohne Substanz zu beschädigen?

Beschleunige Fakturierung & Abnahmen (IFRS‑15‑Prozessqualität), reduziere Dispute‑Quoten, stabilisiere Lieferketten (niedrigere DIO), optimiere Zahlungsbedingungen (intelligent, nicht „einseitig“), und orchestriere das Close (schnellere, fehlerärmere Daten → weniger künstliche Bindung). Mittel‑/langfristig: Prozesszeiten (Lead Time) und Qualität (Nacharbeit, Ausschuss) verbessern.


12) Welche Kennzahlen ergänzen FCF sinnvoll im Value‑Stack?

Return on Invested Capital (ROIC), Capital Employed (CE), Weighted Average Cost of Capital (WACC), Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization (EBITDA), Net Debt (Netto‑Verschuldung), Interest Coverage (Zinsdeckungsgrad) sowie DSO/DPO/DIO für die Zeitlogik.


13) Wie gehe ich mit Saisonalität und Volatilität im FCF um?

Modelliere quartalsweise ΔNWC statt Jahres‑Nettozahlen, zeige Brücken je Quartal, erkläre Saisoneffekte (Auftrags‑/Lageraufbau) und separate CAPEX‑Spitzen. IFRS 18‑Überleitungen helfen, kurzfristige Schwankungen transparent zu machen.


14) Wie passt Free Cash Flow zu CSRD/ESRS und Assurance?

Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) und European Sustainability Reporting Standards (ESRS) verlangen prüfbare Datenketten. Über Management‑defined Performance Measures (MPM), IFRS‑18‑Brücken und Tagging (XBRL/iXBRL) lässt sich FCF audit‑ready in das Disclosure‑System integrieren.


15) Wie vermeide ich unter IFRS 18 die IFRS‑18 Consistency Gap (ICG; Konsistenzlücke) beim FCF?

Stelle sicher, dass interne Steuerungsmethoden (z. B. Segment‑FCF) konsistent zur externen MPM‑Überleitung sind (Operating Profit → Non‑Cash → ΔWorking Capital → CAPEX). Baue klar dokumentierte Datapaths (Lineage) auf und verknüpfe Segmentangaben nach International Financial Reporting Standard 8 (IFRS 8; Geschäftssegmente) mit den MPM‑Brücken.


16) Welche DACH‑spezifischen Besonderheiten beachten Banken und Investoren beim FCF?

Fokus auf Zinsdeckung, FCF‑Stabilität, ΔNWC‑Disziplin und Transparenz in Überleitungen. Industrieunternehmen (Maschinen‑/Anlagenbau) müssen Contract‑Assets‑Aufbauten und Vorratsrotation besonders im Blick behalten—IFRS 18 macht hier Stärken/Schwächen sehr sichtbar.


17) Kann Free Cash Flow trotz steigendem Umsatz sinken?

Ja. Wenn Working Capital überproportional wächst (längere DSO, höhere DIO, Abnahmeverzüge → Contract Assets) oder CAPEX stark anzieht, sinkt FCF, obwohl die Erfolgsrechnung besser aussieht.


18) Wie binde ich Agentic AI (agentische Künstliche Intelligenz) in die FCF‑Steuerung ein?

Mit Close‑Orchestration, automatischer Fakturierungsprüfung (Abnahme‑/PO‑Match), Dispute‑Erkennung, DSO‑Prognosen, Inventar‑Forecasts und Anomalie‑Detektion (ECL‑Risiko). Das reduziert ΔNWC‑Volatilität und stabilisiert FCF.

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