IFRS (International Financial Reporting Standards)
Kurz-Beschreibung Die IFRS sind die „Weltsprache des Geldes“ – ein globaler Standard für die Rechnungslegung, der sicherstellt, dass Finanzberichte über Ländergrenzen hinweg transparent, vergleichbar und nach dem Prinzip des True and Fair View (ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild) erstellt werden.

Ausführliche Beschreibung Die International Financial Reporting Standards werden vom International Accounting Standards Board (IASB) in London herausgegeben. Während nationale Standards oft historisch gewachsen sind und stark vom Gläuberschutz oder Steuerrecht beeinflusst werden, verfolgen die IFRS ein klares Ziel: Entscheidungsrelevante Informationen für Investoren und das Management.
Im Zentrum steht nicht die bloße Einhaltung von Gesetzen, sondern die ökonomische Realität. Zentrale Themen sind die Bewertung zum beizulegenden Zeitwert (Fair Value), die Abbildung komplexer Leasingmodelle (IFRS 16) und die detaillierte Umsatzrealisierung (IFRS 15).
NextLevel-Statement Der DACH-Vergleich: Ein ungleicher Kampf der Standards
Schweiz: IFRS vs. Swiss GAAP FER
In der Schweiz konkurriert die IFRS oft mit der Swiss GAAP FER. Doch aus fachlicher Sicht ist dies ein ungleicher Kampf: Die eigentliche Swiss-FER nimmt nur einen Bruchteil der Punkte auf, welche die IFRS klar und präzise vorschreibt.
NextLevel-Meinung: Die Swiss-FER – so beliebt sie als „schlanke“ Lösung auch sein mag – verfehlt den eigentlichen True-and-Fair-View-Gedanken mehrfach. Die Begründung, einen Standard künstlich einfach zu halten und gleichzeitig denselben Grad an Transparenz zu versprechen, korreliert nach unserer Analyse schlichtweg nicht.
Beispiel Komponentenansatz: Während die IFRS (IAS 16) zwingend vorschreibt, bedeutende Teile einer Sachanlage separat zu bewerten und abzuschreiben, wird dies in der Swiss-FER oft vernachlässigt. Das Ergebnis? Ein verzerrtes Periodenergebnis, das die reale Abnutzung der Vermögenswerte verschleiert. (Mehr dazu in unserem Blog: „Der Komponentenansatz-Check“).
Deutschland (HGB) & Österreich (UGB)
In Deutschland und Österreich dominiert oft noch das Primat des Gläuberschutzes und die enge Verknüpfung zur Steuerbilanz.
Das Problem: Durch das strenge Vorsichtsprinzip entstehen oft stille Reserven. Das mag konservativ sicher sein, ist aber das Gegenteil von Transparenz.
IFRS als strategischer Werttreiber unter Berücksichtigung von IFRS 18
Die Umstellung auf IFRS bietet weit mehr als nur die Eliminierung stiller Reserven; sie professionalisiert die gesamte Finanzkommunikation. Durch die hohe Transparenz lässt sich das Risikoprofil präziser bewerten, was den WACC senkt und den Zugang zu günstigeren Kreditzinsen erleichtert, sofern ein starkes Internes Kontrollsystem (IKS) die Datenqualität garantiert. Mit der Einführung von IFRS 18 gewinnt diese Transparenz weiter an Bedeutung, da durch die neue Pflicht-Zwischensumme – das Betriebsergebnis – eine bessere Vergleichbarkeit der operativen Performance erreicht wird, auf deren Basis Kennzahlen wie das EBITDA nun noch konsistenter hergeleitet werden können. Die präzise Kategorisierung von Finanzinstrumenten (z. B. FVOCI vs. FVTPL) hilft zudem dabei, Ergebnisschwankungen gezielt zu steuern und die Volatilität im Betriebsergebnis zu erklären. Zusammen mit dem Verzicht auf planmäßige Abschreibungen beim Goodwill entsteht so ein realitätsnahes Bild der Ertragskraft, das internationalen Investoren und Banken eine verlässliche Entscheidungsgrundlage bietet.
NextLevel-Tipp: Wer im modernen Management nur in HGB oder UGB denkt, blickt durch eine getönte Brille. Nur die IFRS liefert das ungeschönte, klare Bild, das für globale Strategien zwingend erforderlich ist und den geforderten True-and-fair-view-Gedanken gegenüber den Stakeholdern umsetzt.
Praxisbeispiel
Ein international tätiger Schweizer Konzern erstellt seinen Abschluss nach IFRS. Durch die Anwendung von IFRS 16 (Leasing) werden alle Miet- und Leasingverpflichtungen in die Bilanz aufgenommen. Plötzlich wird die tatsächliche Verschuldung und die Kapitalbindung sichtbar, die unter nationalen Standards (wie SWISS-GAAP-FER - oft einfach nur FER genannt) oft „off-balance“ versteckt blieben. Dies ermöglicht erst einen echten Vergleich der Performance mit Wettbewerbern aus den USA oder Asien.
Typische Fehler & Missverständnisse
„IFRS ist nur für Großkonzerne“: Ein gefährlicher Irrtum. Auch ambitionierte KMU nutzen IFRS-Elemente, um ihre Kreditwürdigkeit (Rating) bei Banken zu erhöhen und für Investoren „sprechfähig“ zu werden.
IAS vs. IFRS: IAS sind die älteren Standards (vor 2001), die weiterhin gültig sind, sofern sie nicht durch neue IFRS ersetzt wurden. Zusammen bilden sie das IFRS-Framework.
Zukunftstrend: ESG & Digital Reporting
Die IFRS-Welt verschmilzt aktuell mit dem ISSB (International Sustainability Standards Board). In naher Zukunft wird ein Finanzbericht ohne integriertes ESG-Reporting (Nachhaltigkeit) nicht mehr als vollständig gelten. Zudem treibt der XBRL-Standard die digitale Lesbarkeit von Bilanzen voran – eine Entwicklung, die wir bei NextLevel in jedem Kurs begleiten.
NextLevel-Fazit
„Wir bilden Architekten der globalen Wirtschaft aus, keine Malermeister. Wer die Swiss-FER wählt, entscheidet sich oft für den Weg des geringsten Aufwands, welcher sich langfristig z.B. durch zu geringe Abschreibungen die in die Produkte/Dienstleistungen kalkuliert werden, rechen kann. Auch wenn die Anwendung der IFRS "aufwändiger" scheint, rechnet sich sich durch die richtige Kalkulation der Abschreibungen schneller als gedacht und vor allem haben wir hier gegenüber unsern Stakeholdern den True-and-fair-view-Ansatz sauber umgesetzt und sind damit nicht angreifbar."
