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Impairment-Test (Werthaltigkeitsprüfung)

Kurz-Beschreibung

Der Impairment Test ist ein Verfahren nach IAS 36, mit dem überprüft wird, ob der Buchwert eines Vermögenswerts oder einer Cash Generating Unit (CGU) höher ist als ihr erzieltbarer Betrag (Recoverable Amount).

Ausführliche Beschreibung (IFRS-Logik)

Der Impairment-Test ist eines der zentralen Instrumente der IFRS‑Philosophie. Er ersetzt pauschale Vorsicht durch systematische ökonomische Analyse.


Der Buchwert eines Vermögenswerts wird dem Recoverable Amount gegenübergestellt. Dieser entspricht dem höheren der beiden folgenden Werte:


  • Fair Value less Costs of Disposal

    (beizulegender Zeitwert abzüglich Veräußerungskosten)

  • Value in Use (Nutzungswert)

    (Barwert der erwarteten zukünftigen Cashflows)


Übersteigt der Buchwert den Recoverable Amount, ist eine außerplanmäßige Wertminderung zu erfassen.


Kernidee der IFRS:Nicht der Zeitablauf entscheidet über den Wert eines Assets, sondern seine Fähigkeit, künftig Cashflows zu generieren.


Praxisbeispiel (Triggering Event)

Ein Industrieunternehmen betreibt mehrere Produktionslinien. Aufgrund einer dauerhaft gesunkenen Marktnachfrage für ein bestimmtes Produktsegment:

  • bleiben Maschinen teilweise ungenutzt

  • sinken Absatzpreise und Margen

  • werden geplante Cashflows nach unten revidiert


➡️ Dies stellt einen Triggering Event dar, der einen Impairment Test auslöst.


Ergebnis:

  • Die künftig erwarteten Cashflows reichen nicht mehr aus, um den Buchwert zu decken

  • Es erfolgt eine außerplanmäßige Abschreibung

  • Die Wertkorrektur macht die wirtschaftliche Realität sichtbar


IFRS zwingt das Management, schlechte Nachrichten nicht zu vertagen.



Besondere Bedeutung z.B. für den Goodwill

Goodwill unterliegt nicht der planmäßigen Abschreibung, sondern muss mindestens jährlich auf Werthaltigkeit geprüft werden – unabhängig von äußeren Triggern.


Damit wird Goodwill zum dauerhaften Leistungstest der Akquisitionsstrategie:

  • Haben sich die erwarteten Synergien realisiert?

  • Trägt die erworbene Einheit tatsächlich zur Wertschöpfung bei?


Auswirkungen auf Aktionäre & Investoren

Der Impairment Test ist aus Investorensicht ein zentrales Kontrollinstrument:

  • Offenlegung von Annahmen und Sensitivitäten

  • Transparenz über strategische Fehlentscheidungen

  • Klare Trennung zwischen operativer Performance und Bewertungseffekten


IFRS schützt nicht vor Wertverlusten – aber vor Selbsttäuschung.



Vergleich: IFRS vs. HGB / UGB vs. Swiss GAAP FER

IFRS (IAS 36)

  • Werttest basiert auf zukünftigen Cashflows (DCF)

  • Hoher Anspruch an Planung, Bewertung und Offenlegung

  • Erheblicher Ermessensspielraum – aber mit Kapitalmarkt‑Transparenz


Analyse ersetzt Automatismus



HGB / UGB

  • Geprägt vom strengen Niederstwertprinzip

  • Fokus auf Gläubigerschutz

  • Kaum Forward‑Looking‑Elemente

  • Wertaufholungen teilweise eingeschränkt


Vorsichtig – aber vergangenheitsorientiert



Swiss GAAP FER

  • Vereinfachte Impairment-Logik

  • Bei Goodwill häufig keine plausible Erfolgskontrolle möglich (bei EK‑Verrechnung)

  • Geringerer Analyse‑ und Offenlegungsdruck


Einfach – aber begrenzt aussagekräftig für Investoren



Typische Fehler in der Praxis

  • Überoptimistische Cashflow‑Prognosen

  • Zu niedrige Diskontierungssätze

  • Verzögerte Erfassung von Wertminderungen

  • Unklare Abgrenzung der CGUs


Der Impairment Test ist kein Rechenexempel, sondern Management-Judgement unter Beobachtung des Kapitalmarkts.

NextLevel-Statement

Der Impairment Test ist unbequem – und genau deshalb wertvoll.

Während HGB/UGB auf pauschale Vorsicht setzen und Swiss GAAP FER häufig auf Vereinfachung, verlangt IFRS ökonomisches Denken, Transparenz und Verantwortung.

IFRS bewertet nicht das Asset von gestern, sondern die Cashflows von morgen.

Für management‑ und kapitalmarktorientierte Unternehmen ist der Impairment Test kein Risiko – sondern ein Qualitätsmerkmal der Rechnungslegung.

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