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MPM (Management-defined Performance Measures)

MPM (Management-defined Performance Measures)

Der neue Goldstandard unter IFRS 18


Kurze Definition

Management-defined Performance Measures (MPM) sind vom Unternehmen selbst definierte Leistungskennzahlen – meist bereinigte Zwischenkennzahlen wie „Adjusted EBIT (bereinigtes operatives Ergebnis)“ oder auch das „bereinigtes EBITDA“. Unter IFRS 18 müssen sie offiziell im Abschluss offengelegt, mit IFRS-Zwischensummen übergeleitet, begründet und vom Wirtschaftsprüfer geprüft werden.



Ausgangslage: Die Erfolgsrechnung wird durch IFRS 18 neu geordnet

Mit IFRS 18 wird die Struktur der Erfolgsrechnung (GuV/ER) vollständig überarbeitet.Die bisher dominierenden Begriffe EBITDA, EBIT und EBT werden in der IFRS‑Welt nicht mehr verwendet.


Stattdessen definiert IFRS 18 verbindlich vier neue Ergebnisstufen:

  • Operating Profit

  • Profit before Financing and Income (PBFI)

  • Profit before Taxes (PBT)

  • Profit or Loss


Damit nähert sich die neue GuV der Logik der Geldflussrechnung an und besteht künftig aus:

  1. Operating Category

  2. Investing Category

  3. Financing Category

  4. Income Taxes


So sieht die Erfolgsrechnung vor und nach IFRS 18 aus

Die folgende Grafik zeigt die konkrete Umstellung einer Beispiel‑GuV nach IFRS 18 – mit identischen Geschäftszahlen, aber neuer Struktur und neuen Zwischensummen:



Was fällt auf?

1. EBITDA, EBIT und EBT verschwinden komplett aus der GuV

Diese Kennzahlen erscheinen nicht mehr in der neuen IFRS‑18‑Struktur.


2. Operating Profit ersetzt das klassische EBIT

Der Operating Profit ist künftig die zentrale Ergebniskennzahl im IFRS‑Reporting.


3. PBFI (Profit before financing and income) ersetzt das bisherige „EBT ohne Finanzergebnis“

Diese Stufe ist völlig neu und stärker kapitalmarktgetrieben.


4. Die GuV folgt nun einer Cashflow-Logik

Operating → Investing → Financing → Taxes= klarere Informationsarchitektur, konsistent über alle Unternehmen hinweg.


Konsequenz: Warum das MPM‑Regime eingeführt wurde

Unternehmen werden EBITDA und EBIT in Zukunft weiterhin verwenden wollen –in Analystenpräsentationen, IR‑Calls und interner Steuerung.

Aber: Da diese Kennzahlen nicht mehr in der IFRS‑GuV auftauchen, gelten sie ab IFRS 18 automatisch als:

MPM (Management-defined Performance Measures)

Das hat unmittelbare Konsequenzen:

  • Sie müssen übergeleitet werden (von IFRS‑Zwischensummen zur MPM).

  • Sie müssen im Anhang offengelegt werden.

  • Sie müssen begründet werden (Management View).

  • Sie müssen geprüft werden (Audit Requirement).


Kurz:

EBITDA und EBIT bleiben – aber sie werden reguliert und prüfbar.

Frage: Gilt das auch für Kennzahlen wie die Gesamtkapitalrentabilität?

Ja – und nein.


Ja, betroffen – wenn der Zähler eine MPM ist.

Die Gesamtkapitalrentabilität (GK‑Rendite) wird in der Praxis unterschiedlich berechnet:

  • Variante A: (Gewinn + FK‑Zins) / durchschnittliches GK

  • Variante B: EBIT / durchschnittliches GK

  • Variante C: Adjusted EBIT / durchschnittliches GK


Wenn der Zähler „Adjusted EBIT“ ist → dann ist die GK‑Rendite indirekt betroffen, weil das verwendete EBIT selbst eine MPM ist und offengelegt werden muss.


Nein, nicht betroffen – wenn der Zähler eine IFRS‑Zwischensumme ist.

Wird z. B. der Operating Profit verwendet, ist dieser keine MPM,→ also braucht die Ratio keine eigene Offenlegung.



1. Die „GuV‑Regel“ (Der harte Kern der Definition)

MPMs müssen echte GuV‑Zwischensummen sein. Sie dürfen nur aus Ertrags- und Aufwandsposten bestehen.

Beispiel: „Adjusted EBIT“ ist ein operatives Ergebnis, das um bestimmte Effekte bereinigt wurde.

Für jede MPM gilt eine verpflichtende Überleitung zur nächstgelegenen IFRS‑Zwischensumme (z. B. Operating Profit).


Dabei müssen u. a. ausgewiesen werden:


  • Steuer‑Effekt

  • Effekt auf nicht beherrschende Anteile (NCI)



2. Rentabilitätskennzahlen (Ratios)

Kennzahlen wie ROCE, ROI oder GK‑Rendite sind Ratios und damit keine MPMs.

Aber:

Wenn der Zähler eine MPM ist, muss diese MPM offengelegt werden.

Beispiel:

Wird das „E“ in ROCE als Adjusted EBIT berechnet,→ dann ist das EBIT eine MPM→ und seine Herleitung muss offengelegt werden. Unternehmen, die außergewöhnliche Berechnungslogiken nutzen (z. B. Spezial‑Durchschnittsbildung im Kapital),müssen diese künftig vollständig transparent machen.



3. Pflicht zur Stetigkeit (Consistency Trap)

MPMs sind dauerhaft bindend. Wer die Bereinigungslogik definiert hat:

  • darf sie nicht willkürlich ändern

  • muss Änderungen begründen

  • muss Vorjahreszahlen rückwirkend anpassen

Damit enden „situativ passende“ Adjustments endgültig.



Praxisbeispiel: Der Transformations‑Check

Ein Industrieunternehmen zeigt ein „Adjusted EBIT“ in einer Restrukturierung.


Vor IFRS 18:

Sondereffekte wurden entfernt – meist ohne:

  • nachvollziehbare Steuerlogik

  • klare Zuordnung in der GuV

  • Prüfungspflicht



Mit IFRS 18: verpflichtende Offenlegung

Posten

Betrag

Operating Profit (IFRS)

100 Mio. €

+ Restrukturierungsaufwand

+20 Mio. €

– Steuer-Effekt (30 %)

–6 Mio. €

= Adjusted EBIT (MPM)

114 Mio. €

Konsequenz:

Das MPM wird „gläsern“. Bereinigungen lassen sich nicht mehr kosmetisch einsetzen. Abweichungen im Folgejahr würden sofort als Verstoß gegen die Stetigkeit auffallen.


Vorher–Nachher Vergleich: MPM vor IFRS 18 vs. nach IFRS 18

Beispiel: Adjusted EBIT in einer Restrukturierung

Element

Vor IFRS 18 (non‑GAAP, unreguliert)

Nach IFRS 18 (MPM, reguliert & prüfungspflichtig)

Ausgangsgröße

EBIT (Management) → 100 Mio. €

Operating Profit (IFRS) → 100 Mio. €

Bereinigung / Adjustment

–20 Mio. € (Restrukturierung)

+20 Mio. € (Restrukturierung) – als Anpassung offen gelegt

Steuereffekt

nicht gezeigt (implizit 0 €)

–6 Mio. € (30 % Steuer-Effekt, verpflichtend auszuweisen)

NCI‑Effekt (Anteile nicht beherrschender Gesellschafter)

nicht gezeigt

separat auszuweisen (falls relevant)

Ergebnis MPM / Non‑GAAP-Kennzahl

Adjusted EBIT = 120 Mio. €

Adjusted EBIT (MPM) = 114 Mio. €

Transparenz

niedrig — keine nachvollziehbare Herleitung

hoch — vollständige Reconciliation vorgeschrieben

Governance / Stetigkeit

frei definierbar, jährliche Änderungen möglich

methodisch bindend, Änderungen müssen begründet & rückwirkend angepasst werden

Prüfungspflicht

keine Pflichtprüfung (meist nur Präsentationen)

voll prüfungspflichtig im Anhang

Vergleichbarkeit

gering

deutlich erhöht

Kapitalmarktwirkung

hohe Interpretationsspielräume

„gläserne“ Adjustments → höhere Glaubwürdigkeit



Perspektiven & Stakeholder-Value

Für Investoren: Das Ende der Interpretationsspielräume

Investoren erhalten eine testierte Sicht auf die interne Steuerungslogik des Managements.

Vorteile:

  • deutlich höhere Transparenz

  • bessere Vergleichbarkeit zwischen Wettbewerbern

  • geringeres Risiko bei Bewertungen (KGV, Cashflows), weil Steuer-Effekte geprüft sind


Für Unternehmen: Strategischer Hebel statt Compliance-Aufwand

Pflichten:

  • Erweiterung des IKS auf MPM-Prozesse

  • klare Governance über Adjustments

  • datengetriebene Herleitung („audit-ready“)

Chancen:

  • höhere Glaubwürdigkeit

  • präzisere Kommunikation der Equity Story

  • saubere KPIs als Wettbewerbsvorteil



Warum IFRS 18 MPMs revolutioniert

1. Pflicht zur Überleitung

  • Überleitung zur nächstgelegenen IFRS‑Zwischensumme

  • vollständige Liste aller Adjustments

  • separate Darstellung von Steuern und Non‑controlling interests


2. Pflicht zur Begründung (Management View)

Das Unternehmen muss erklären:

  • warum diese Kennzahl ein besseres Leistungsbild zeigt

  • warum sie für die interne Steuerung relevant ist

  • warum genau diese Effekte bereinigt werden


3. Pflicht zur Stetigkeit

  • MPMs dürfen nicht ad hoc verändert werden

  • Änderungen müssen begründet und rückwirkend angepasst werden


Vor- und Nachteile

Vorteile

  • massive Transparenzsteigerung

  • klare, einheitliche Definitionen

  • höhere Glaubwürdigkeit gegenüber Kapitalmarktteilnehmern

  • bessere Steuerungsqualität intern


Nachteile

  • höherer Aufwand in Konsolidierung & Notes

  • Ausweitung des IKS erforderlich

  • jede Änderung wird zum „Event“ und muss dokumentiert werden

  • MPMs können schlechter aussehen, wenn Steuer-Effekte sichtbar werden



Zukunftseinschätzung

MPMs werden das entscheidende KPI‑Framework im modernen IFRS‑Reporting. Unternehmen mit sauber definierten und technologisch eingebetteten MPMs (z. B. via Agentic AI oder Data Mesh) werden im Kapitalmarkt besser wahrgenommen.


„Adjusted“-Kennzahlen ohne nachvollziehbare Logik oder IT‑Unterbau werden verschwinden.





NextLevel‑Statement

„Wer IFRS 18 nur als Compliance-Übung versteht, hat schon verloren. MPMs sind das mächtigste Kommunikationsinstrument, das ein CFO je hatte – wenn die Datenarchitektur im Hintergrund (Agentic AI & Data Mesh) stimmt. Wir machen aus der früheren ‘EBIT-Willkür’ eine strategische Waffe.“

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