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ROIC – Return on Invested Capital

Kurze Definition

Der ROIC misst, wie effizient ein Unternehmen sein betriebsnotwendiges Kapital einsetzt, um operative Nachsteuererträge (NOPAT) zu erwirtschaften. Er ist die entscheidende Kennzahl der Kapitalallokation.Wert entsteht nur, wenn ROIC > WACC.


Während Kennzahlen wie EBITDA nur zeigen, wie warm der Motor läuft, zeigt der ROIC, wie viel Treibstoff (Kapital) dafür notwendig war und ob dieser Treibstoff teurer ist als das Ergebnis.

Ausführliche Erklärung

1. Die Mechanik: Was der ROIC wirklich misst

Der ROIC verbindet GuV und Bilanz zu einer einzigen, präzisen Renditekennzahl.


Der Zähler: NOPAT

NOPAT = EBIT × (1 – Steuersatz)Warum NOPAT?

  • Es zeigt die operative Leistungsfähigkeit des Geschäfts nach Steuern,

  • aber ohne Verzerrungen durch Zinsaufwendungen oder Kapitalstruktur.

    Das Unternehmen wird so betrachtet, als sei es vollständig eigenfinanziert → echte Vergleichbarkeit.


Der Nenner: Invested Capital

Zum investierten Kapital gehört nur das Vermögen, das wirklich im Betrieb „arbeitet“:

  • Anlagevermögen

  • Working Capital

  • minus überschüssige Cash‑Reserven (Excess Cash)

  • minus nichtverzinsliche kurzfristige Verbindlichkeiten (NIBCL)


Damit misst ROIC: "Wie viel operativen Gewinn erzeugt jeder investierte Euro?"



2. ROIC vs. WACC: Die magische Wertschaffungsgrenze

Die ROIC‑Zahl allein sagt wenig aus. Erst der Vergleich mit den Kapitalkosten (WACC) zeigt, ob Wert entsteht.

Beziehung

Bedeutung

ROIC > WACC

Das Unternehmen verdient mehr, als das Kapital kostet → Economic Value Added (EVA). Wachstum wirkt hier als Turbo.

ROIC < WACC

Trotz Gewinn wird Wert vernichtet. Wachstum verschlimmert die Lage.

Wesentlich ist also nicht die absolute Rendite, sondern der Spread:


Spread = ROIC − WACC


3. Praxis‑Insights: Adjustments & typische Fallstricke

Um ROIC realistisch zu messen, braucht es Anpassungen – Buchwerte geben oft nicht die wirtschaftliche Realität wieder.


Goodwill (mit und ohne)

  • Inklusive Goodwill: zeigt, was bezahlt wurde → „Investoren‑ROIC“.

  • Exklusive Goodwill: zeigt die operative Stärke → „Operating ROIC“.


    Empfehlung: Beides berichten, um die Performance vollständig darzustellen.


Intangibles (F&E, Software, Marke)

Viele moderne Geschäftsmodelle investieren in Immaterielles, das sofort als Aufwand verbucht wird. Dadurch wirkt die Kapitalbasis künstlich zu klein → ROIC künstlich zu hoch.


Lösung: Top‑Analysten aktivieren F&E oder Marketing anteilig fiktiv, um eine realistischere Kapitalbasis zu bekommen, aber Achtung ...


... hier lauert die "Accounting-Falle" bei Intangibles

In der offiziellen IFRS-Bilanzierung (nach IAS 38) müssen Ausgaben für Forschung oder Markenaufbau sofort als Aufwand verrechnet werden. Das führt bei wissensintensiven Unternehmen zu zwei Verzerrungen im ROIC:


  1. Der Gewinn (NOPAT) wirkt im Jahr der Ausgabe zu niedrig.

  2. Das Kapital (Invested Capital) wirkt dauerhaft zu niedrig, weil der geschaffene Wert nicht in der Bilanz steht.


Die Lösung der Top-Analysten (Shadow Accounting): Um eine ökonomisch wahre Rendite zu ermitteln, führen Experten oft eine "fiktive Aktivierung" durch. Sie behandeln F&E-Ausgaben so, als wären sie Investitionen (CAPEX). Sie nehmen den Aufwand aus der GuV heraus und schieben ihn kalkulatorisch in das Invested Capital.


Wichtig für die Praxis: Diese Anpassung findet nur in der Management-Rechnung oder der Analysten-Bridge statt, niemals in der offiziellen IFRS-Bilanz. Wer den ROIC zur Steuerung nutzt, muss entscheiden: Will ich "IFRS-konform" messen (konservativ, aber oft realitätsfern) oder "ökonomisch-logisch" (realistischer, aber subjektiver).

IFRS 16 (Leasing)

Leasing taucht heute vollständig in der Bilanz auf – das erhöht das investierte Kapital und macht den ROIC ehrlicher als früher, wo Leasing „off‑balance“ war.



4. IFRS 18 – Der neue Rahmen für Transparenz

IFRS 18 verändert die Art, wie Unternehmen ihre Kennzahlen erklären müssen.

  • ROIC ist kein MPM (Management Performance Measure) im engeren Sinn, weil es kein GuV‑Subtotal ist.

  • ABER: Wenn Unternehmen einen „adjusted ROIC“ zeigen (z. B. bereinigt um Sondereffekte), dann gelten die neuen Transparenz‑ und Reconciliation‑Pflichten indirekt als Best Practice.


Das führt zu:

  • sauberer dokumentierten Adjustments,

  • höherer Glaubwürdigkeit,

  • besseren Vergleichen zwischen Unternehmen.



5. Praxis‑Beispiel

Unternehmen: NextLevel Manufacturing GmbH

Gegeben:

Unternehmen: NextLevel Manufacturing GmbH

  • EBIT: 1.200 T€ | Steuersatz: 30% => NOPAT: 840 T€

  • Invested Capital (Ø): 6.000 T€ (Anlagevermögen + WC - NIBCL)


Berechnung:

ROIC = 840 T€ / 6.000 T€ = 14%


Wenn der WACC = 8 % beträgt:

Spread = 14% − 8% = 6%


→ Das Unternehmen schafft pro investiertem Euro 6 Cent Wert.




NextLevel Statement

„EBITDA ist das Thermometer – aber ROIC ist die Waage. Er zeigt nicht nur, wie heiß der Motor läuft, sondern auch, wie viel Gepäck er dabei tragen musste. Wer nur auf Margen starrt und das gebundene Kapital ignoriert, steuert blind durch die Zinswende.“



ROIC – FAQs (NextLevel Edition)

1) Was ist die Standardformel für ROIC?

ROIC = NOPAT / Ø Invested Capital

  • NOPAT = EBIT × (1 – Steuersatz)

  • Ø Invested Capital = Durchschnitt der Periode (z. B. (IC Anfang + IC Ende)/2)

    Warum so? NOPAT ist operativ und unverschuldet, Ø‑IC harmonisiert Stromgröße (Ergebnis) mit Bestandsgröße (Kapital).

    Quellen: Wall Street Prep (Formel & Schritte), Wikipedia (Definition & Buchwerte) [ifrs.org], [leash.co.za]


2) Worin liegt der Unterschied zwischen ROIC und ROCE/ROA/ROE?

  • ROIC nutzt NOPAT (operativ, nach Steuern) und betriebsnotwendiges Kapital.

  • ROCE/ROA/ROE basieren meist auf Nettoergebnis und umfassen teilweise nicht‑operative Effekte.

    ROIC ist deshalb die sauberste Kennzahl für Kapitalallokation.

    Quelle: Wikipedia (Abgrenzung) [leash.co.za]


3) Warum ist der Vergleich ROIC vs. WACC so wichtig?

Erst der Spread = ROIC – WACC zeigt Wertschaffung (positiv) oder Wertvernichtung (negativ). Wachstum ohne positiven Spread schafft keinen Wert. Quellen: Morgan Stanley/Mauboussin (Value‑Spread), FMP/Value‑Investing Hub (ROIC↔WACC) [climeco.com], [sciencebas...argets.org], [resources....ovadis.com]


4) Wie berechne ich NOPAT korrekt?

Start mit EBIT, dann Steuerlast abziehen: EBIT × (1 – t).Achte auf Sondereffekte (z. B. Veräußerungsgewinne) – konsistent bereinigen und offenlegen. Quelle: Wall Street Prep (NOPAT‑Herleitung) [ifrs.org]


5) Was gehört ins Invested Capital – und was nicht?

Rein: Anlagevermögen + betriebsnotwendiges Umlaufvermögen. Raus: Excess Cash und NIBCL (zinsfreie Verbindlichkeiten wie Lieferanten/Steuern). Quelle: Investopedia (IC‑Herleitung), Wikipedia (Buchwertlogik) [instituteo...tudies.com], [leash.co.za]


6) Buchwert oder Marktwert im Nenner?

Buchwerte. ROIC misst die Rendite auf eingesetztes Kapital, nicht auf Erwartungen, die oft im Marktwert stecken. Quelle: Wikipedia (Begründung Buchwerte) [leash.co.za]


7) Soll ich Goodwill im ROIC berücksichtigen?

Es gibt zwei nützliche Sichtweisen:

  • Mit Goodwill = zeigt, was investiert wurde (Investor‑Perspektive)

  • Ohne Goodwill = zeigt Betriebsqualität (Operating ROIC)

    Best Practice: Beides berichten und sauber erläutern.

    Quelle: Morgan Stanley/Mauboussin (praktische Herausforderungen/Intangibles) [climeco.com]


8) Wie gehe ich mit Intangibles (F&E, Marke, Software) um?

Da vieles expensiert wird, ist die Kapitalbasis unterzeichnet → ROIC überzeichnet.Analysten kapitalisieren F&E/Marketing fiktiv (z. B. über Nutzungsdauern), um den ökonomischen ROIC zu schätzen. Quelle: Morgan Stanley/Mauboussin (Intangible‑Adjustments) [climeco.com]


9) Was hat IFRS 16 (Leasing) mit ROIC zu tun?

Durch IFRS 16 werden Leasingverhältnisse kapitalisiert → Invested Capital steigt, ROIC wird aussagekräftiger als in der Pre‑IFRS‑16‑Welt. Quelle: Morgan Stanley/Mauboussin (Praxisfragen) [climeco.com]


10) Ist ROIC ein MPM unter IFRS 18?

Nein. MPMs sind Subtotals von Erträgen/Aufwendungen; ROIC ist eine Quote. Aber: Wer „Adjusted ROIC“ berichtet, sollte die Reconciliation‑Logik (What/Why/How) übernehmen → mehr Glaubwürdigkeit. Quellen: IFRS‑Webinar‑Slides; KPMG First Impressions; RSM (MPM‑Definition & Disclosure) [icab.org.bd], [bdo.global]


11) Welchen Steuersatz verwende ich – effektiv oder normalisiert?

Beides möglich – wichtig ist Konsistenz und Begründung.

  • Effektiver Steuersatz: realitätsnah, kann aber schwanken.

  • Normalisiert: glättet Volatilität, erfordert Erklärung.

    Quelle: Wall Street Prep (Berechnungsschritte/NOPAT) [ifrs.org]


12) Warum Durchschnitts‑IC statt Endbestand?

Ergebnis ist eine Stromgröße, Kapital eine Bestandsgröße. Mit Ø‑IC (Beginn/Ende) reduzierst du Timing‑Verzerrungen, v. a. bei Capex/Working‑Capital‑Swings. Quelle: Wikipedia (Durchschnittslogik) [leash.co.za]


13) Was ist ROIIC (Return on Incremental Invested Capital)?

ROIIC misst die Rendite auf zusätzlich investiertes Kapital über eine Periode – ideal, um neue Projekte und Marginal‑Returns zu beurteilen (wohin fließt der nächste Euro?). Quelle: Wall Street Prep (Bezug zu ROIIC im Kontext) [ifrs.org]


14) Wie verhält sich ROIC zu EVA/Economic Profit?

EVA = NOPAT – (WACC × Ø IC).Positiver EVA ↔ ROIC > WACC. ROIC ist relativ, EVA absolut (Wert in Geldeinheiten). Quellen: Stern Value Management; Investopedia (EVA‑Konzept) [deloitte.com], [ifrscommunity.com]


15) Wie gehe ich mit Sondereffekten um?

Nur nicht wiederkehrende Posten bereinigen – klar definieren, begründen, konsistent anwenden. Übernehme die IFRS‑18‑Reconciliations‑Denke (Label, Methode, Änderungen). Quellen: IFRS‑Webinar‑Slides; KPMG (MPM‑Disclosure‑Anforderungen) [icab.org.bd], [bdo.global]


16) Warum kann ein Unternehmen Gewinn machen und trotzdem Wert vernichten?

Weil Kapitalkosten ignoriert werden. ROIC < WACC bedeutet: Der Gewinn ist zu teuer erkauft. Quellen: Morgan Stanley/Mauboussin (Ein‑Euro‑Test), Value‑Investing Hub (Spread‑Logik) [climeco.com], [resources....ovadis.com]


17) Gilt ROIC auch für Banken/Versicherungen?

Eingeschränkt. Bei Financials sind Zinsen Teil des operativen Geschäfts, die Abgrenzung zwischen operativen und finanziellen Cashflows ist anders. Häufig nutzt man alternative Renditen (z. B. ROTE/ROE) und wirtschaftliche Kapitalmodelle. Quelle: KPMG (IFRS 18 – Spezialthemen Banken/Versicherer) [bdo.global]


18) Was passiert mit ROIC bei Inflation?

Inflation verzerrt: Erträge (nominal, aktuelle Preise) treffen auf historische Buchwerte im Nenner → ROIC kann zu hoch erscheinen. Mögliche Gegenmaßnahmen: Indexierung/Neu‑Bewertung oder ROIIC für jüngere Investments. Quelle: Morgan Stanley/Mauboussin (Methodik & Grenzen) [climeco.com]


19) Wie beeinflussen Aktienrückkäufe den ROIC?

Rückkäufe verändern primär Kapitalstruktur (Eigenkapital↓), nicht den operativen NOPAT. ROIC kann indirekt via Excess‑Cash‑Abbau steigen. Achtung: Kein Ersatz für echte operativ bedingte Renditeverbesserung. Quelle: Morgan Stanley/Mauboussin (Kapitalallokation & ROIC) [climeco.com]


20) M&A: Warum sinkt mein ROIC nach einer Akquisition?

Goodwill/Immaterielle erhöhen den Nenner deutlich; Synergien brauchen Zeit, um NOPAT zu heben. Deshalb Post‑Deal‑ROIC zunächst niedriger → Deal‑ROI/ROIIC separat tracken und Operating ROIC ex‑Goodwill zusätzlich berichten. Quelle: Morgan Stanley/Mauboussin (M&A‑Effekte) [climeco.com]


21) Welche Peer‑Vergleiche sind sinnvoll?

Immer branchenintern vergleichen (Kapitalintensität!). Zusätzlich über Zyklen (3–5 Jahre) und mit Spread vs. WACC statt reiner ROIC‑Höhe arbeiten. Quelle: Value‑Investing Hub; Morgan Stanley/Mauboussin (Spread/Empirie) [resources....ovadis.com], [climeco.com]


22) Was sind die Top‑3 Fehler in der Praxis?

  1. Excess Cash und NIBCL nicht sauber abgrenzen.

  2. Ø‑IC vergessen (Timing‑Bias).

  3. „Adjusted“ ohne klare Reconciliation (What/Why/How).

    Quellen: Investopedia/Wikipedia (IC‑Abgrenzung), IFRS‑18‑Guidance (Transparenz) [instituteo...tudies.com], [leash.co.za], [bdo.global]


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