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Swiss GAAP FER – Der vollständige Deep‑Dive (inkl. FER 1–31)

Kurze Definition

Swiss GAAP FER ist ein Schweizer Rechnungslegungsrahmen, der eine stark vereinfachte Alternative zu internationalen Standards bietet. Ziel ist eine „den wirtschaftlichen Verhältnissen entsprechende“ Darstellung mit moderater Offenlegung.


Unsere Analyse: Während FER für die analoge Welt der KMUs ein solides Level-Up zum OR war, atmet sie den Geist der Vergangenheit. Sie ist nicht auf die Anforderungen der Digitalen Transformation oder gar einer Tokenisierung oder gar eines Tokenized Accountings ausgelegt. Wer echte Transparenz und die technologische Anschlussfähigkeit an die Zukunft der Finanzwelt sucht, findet in IFRS den notwendigen Goldstandard.

Ausführliche Erklärung

Swiss GAAP FER ist modular aufgebaut und adressiert von Grundsatzfragen (Rahmenkonzept, Bewertung) bis zu Spezialthemen (Leasing, Derivate, Segmentberichterstattung, Vorsorgeeinrichtungen) eine breite Palette von Sachverhalten. Die Stärken liegen in Pragmatismus, Verständlichkeit und schneller Implementierbarkeit – insbesondere für Schweizer KMU und MidCaps, die keine Kapitalmarktnotierung anstreben.


Genau hier setzt unsere Kritik an:


Pragmatismus ist nicht gleich Transparenz.


Wo IFRS Fair‑Value‑Messungen, Impairment‑Tests, umfassende Performance‑ und Risikoberichte, sowie strenge Governance‑Mechaniken (z. B. IFRS 15 für Umsatz, IFRS 16 für Leasing, IFRS 9 für Risikobewertungen, oder der neuen IFRS 18 für MPMs) fordern, bleibt FER bewusst schlanker.


Schlanker heißt in der Praxis ABER:

  • mehr Spielräume,

  • weniger Pflicht zur Offenlegungstiefe,

  • mehr Möglichkeiten, ein ruhiges Zahlenbild zu präsentieren, das ökonomische Volatilität nicht in gleicher Schärfe sichtbar macht (Intransparenz)-


Für uns – und für alle, die Transparenz nicht als Last, sondern als Kapital verstehen – ist genau das der Punkt, an dem IFRS den höheren Standard setzt. Ein Rechnungslegunswerk, welches sich dem True-and-fair-view-Ansatzes verschreibt wie es auch die SWISS-GAAP-FER "anscheinend tut" kann und darf dann nicht Erleichterungen anpreisen, die eine Intransparenz ermöglichen. Machen wir es mal ganz plastisch: „Stellen Sie sich vor, Sie steuern ein Flugzeug. IFRS ist wie ein modernes Glas-Cockpit mit Radar, Infrarot und präzisen Sensoren. Selbst wenn es stürmt, zeigt Ihnen das System die exakte Höhe, die Windgeschwindigkeit und jedes Hindernis. Es ist anstrengend, all diese Daten zu überwachen, aber es ist die einzige Art, sicher zu landen.


Swiss GAAP FER hingegen ist so, als würde man eine Nebelmaschine im Cockpit einschalten, um die blinkenden Warnleuchten der Sensoren zu verdecken. Es sieht im Cockpit plötzlich viel 'ruhiger' und 'angenehmer' aus, weil man die Turbulenzen nicht mehr sieht. Die Erleichterungen der FER wirken wie ein Weichzeichner auf der Frontscheibe.


Das Problem: Nur weil Sie den Nebel nicht sehen, ist der Berg vor Ihnen nicht weg. Wer Transparenz als Last empfindet, schaltet die Instrumente aus. Wer sie als Kapital versteht, will jedes Detail auf dem Radar sehen – denn nur wer die volle Sicht hat, kann die Geschwindigkeit (Wachstum) erhöhen, ohne abzustürzen.“



Vergleich: Swiss GAAP FER vs. IFRS, OR und US‑GAAP

FER vs. IFRS – Vereinfachung ist kein Ersatz für „True & Fair View“

IFRS ist global kapitalmarktorientiert und prinzipienbasiert, mit klaren Konzepten zu Ermessensoffenlegung, Bewertung, Leistungsdarstellung und Risikoberichterstattung. Genau diese radikale Sichtbarmachung der wirtschaftlichen Realität ist der Kern dessen, was wir unter True & Fair View verstehen. FER übernimmt den Anspruch textlich, bleibt aber inhaltlich zurück: weniger Fair‑Value‑Transparenz, Goodwill‑Amortisation statt stringenter Impairment‑Logik, keine vollständige IFRS‑15‑Mechanik für Umsatz, keine universelle IFRS‑16‑Leasingtransparenz und reduzierte Disclosure‑Pflichten. Ergebnis: formal korrekt, aber inhaltlich weniger aufschlussreich. Für Stakeholder, die Verlässlichkeit, Vergleichbarkeit und Kapitalmarktfähigkeit suchen, führt kein Weg an IFRS vorbei.



FER vs. OR – ein sinnvolles Level‑Up, aber nicht das Ziel

Gegenüber dem Obligationenrecht (OR) ist FER ein klarer Schritt nach vorn: einheitlichere Gliederung, mehr Offenlegung, mehr Vergleichbarkeit. Für viele Schweizer Unternehmen ist der Weg OR → FER in der Praxis ein vernünftiger Zwischenschritt. Wer jedoch Transparenz als Wettbewerbsvorteil versteht, Wissens‑ und Kapitalzugang optimieren will und international anschlussfähig sein muss, sollte FER nicht als Endstation betrachten, sondern IFRS als Zielbild.



FER vs. US‑GAAP – Andere Welt, anderes Ziel

US‑GAAP ist rules‑based und in vielen Bereichen noch detaillierter und technokratischer als IFRS. Es ist spezifisch auf das SEC‑Reporting und die Anforderungen der US‑Kapitalmärkte zugeschnitten. Im direkten Vergleich wirkt die FER hier nicht nur "schlank", sondern geradezu leichtgewichtig.


Die strategische Einordnung:

Wer globales Kapital sucht, kommt an US‑GAAP oder IFRS nicht vorbei. In Europa und im DACH‑Raum hat sich IFRS als der realistische und überlegene Pfad etabliert, um maximale Transparenz mit internationalem Marktzugang zu verbinden.

Der NextLevel-Faktor: Der Kern des Unterschieds liegt in der Haltung. Professional Judgment (pflichtgemäßes Ermessen) und Professional Scepticism (kritische Grundhaltung) sind in der IFRS-Welt keine leeren Marketingfloskeln. Sie sind das Fundament einer gelebten Ethik. IFRS zwingt den Ersteller, die wirtschaftliche Substanz über die bloße Form zu stellen (Substance over Form). Wer diesen Weg geht, zeigt, dass er bereit ist, Verantwortung für die Wahrheit zu übernehmen – anstatt sich hinter vereinfachten FER-Wahlrechten zu verstecken.


Swiss GAAP FER in der Praxis – Kernstandards im Kontext (MVA©‑Style)

Die folgende Übersicht fasst zentrale FER‑Standards zusammen:


Swiss GAAP FER – Kernstandards kompakt

  • FER 1 – Rahmenkonzept: Das Rahmenkonzept formuliert Prinzipien wie Wesentlichkeit, Stetigkeit und eine den wirtschaftlichen Verhältnissen entsprechende Darstellung. In der Praxis bedeutet das: Policies gehören schriftlich fixiert, Verantwortlichkeiten klar zugewiesen und im IKS verankert. Unser Standpunkt: IFRS schärft diese Prinzipien durch höhere Offenlegungspflichten und strikte Anbindung an das Conceptual Framework – Transparenz gewinnt.

  • FER 2 – Bewertung: Bewertet wird überwiegend zu Anschaffungs‑/Herstellungskosten, Wertminderungen werden abgebildet. Für ein belastbares Reporting braucht es eine dokumentierte Bewertungspolitik und saubere Wesentlichkeitsschwellen. IFRS erweitert den Blick – z. B. Fair‑Value‑Messungen, Expected‑Credit‑Loss‑Modelle –, was Risiken früher und klarer sichtbar macht.

  • FER 3 – Darstellung der Jahresrechnung: FER gibt Mindestgliederungen für Bilanz, Erfolgsrechnung, Geldflussrechnung und Anhang vor. Das erleichtert die Implementierung. IFRS geht weiter: Darstellung, Performance‑Kategorien, MPM‑Regeln (IFRS 18) und tiefe Anhangangaben führen zu besserer Vergleichbarkeit und prüfbarer Performancekommunikation.

  • FER 4 – Lagebericht: Der Lagebericht ergänzt Zahlen um Risiken, Strategie und Ausblick. Richtig gemacht, wird er zum Vertrauensbooster bei Banken und Verwaltungsräten. IFRS (und die internationalen Leitlinien zum Management Commentary) treiben Kohärenz zwischen Innen‑ und Außensteuerung stärker ein – Inkongruenzen fallen auf und müssen erklärt werden.

  • FER 5 – Darstellung veränderter Vorjahreszahlen: Änderungen und Fehler verlangen saubere Restatements und klare Erläuterungen. Praxis heißt: Change‑Logs, Reconciliations und Governance‑Spuren. IFRS (IAS 8) zwingt noch konsequenter zur Transparenz über Ermessens‑ und Policy‑Änderungen.

  • FER 6 – Immaterielle Werte (inkl. Goodwill): FER erlaubt planmäßige Goodwill‑Amortisation oder gar die Gegenrechnung mit dem EK. Das glättet Ergebnisse, reduziert aber Aussagekraft über Wertverluste. IFRS (IAS 36/IAS 38) verlangt Impairment‑Tests – weniger bequem, aber ehrlicher gegenüber Investoren, weil Wertminderungen sichtbar bleiben.

  • FER 10 – Eventualverbindlichkeiten und Rückstellungen: Wichtig ist die Trennschärfe zwischen Rückstellungen und Eventualverbindlichkeiten sowie eine juristisch saubere Zusammenarbeit von Legal und Finance. IFRS (IAS 37) fordert breitere Offenlegung zu Annahmen und Sensitivitäten – Risiken werden greifbarer.

  • FER 12 – Latente Steuern: Temporäre Differenzen sind transparent abzubilden; Aktivierungen verlangen begründete Erwartungen. Ein Forecast‑Modell für die Steuerquote ist Pflicht. IFRS (IAS 12) verlangt größere Präzision und mehr Erläuterungstiefe – weniger Überraschungen.

  • FER 14 – Leasing: FER führt nicht das volle Right‑of‑Use‑Modell ein. Das spart Aufwand – versteckt aber Finanzierungscharakter vieler Miet‑/Leasingverhältnisse. IFRS 16 bringt Off‑Balance‑Risiken auf die Bilanz – Transparenz gewinnt, auch wenn sie kurzfristig „wehtut“.

  • FER 16 – Sachanlagen: Der Komponentenansatz ist pragmatisch, Nutzungsdauern müssen laufend kalibriert werden. IFRS (IAS 16/IAS 36) drängt stärker auf Impairment‑Sensitivitäten und angemessene Schätzungen, was realistische Kapitalkostenbetrachtungen ermöglicht.

  • FER 17 – Vorräte: Niederstwertprinzip, WIP‑Transparenz und Abwertungslogik gehören in die Standardroutine. IFRS (IAS 2) setzt ähnliches voraus, fordert jedoch oft schärfere Offenlegung zu Methoden und Annahmen – hilfreich, wenn Working Capital kritisch ist.

  • FER 18 – Ertragserfassung: Umsatz folgt Leistungsereignissen, allerdings ohne die volle IFRS‑15‑5‑Step‑Mechanik. Wer Meilensteine, Abnahmen und variable Gegenleistungen nicht prüffest definiert, riskiert späte Korrekturen. IFRS 15 ist strenger, aber klärt Streitpunkte, bevor sie Cash und Vertrauen kosten.

  • FER 20 – Eigenkapitaldarstellung: Bewegungen, Reserven und Dividendensystematik müssen klar sein. In IFRS ist die Eigenkapitalbrücke strukturierter – gut für Analystenlogik und Governance.

  • FER 22 – Geldflussrechnung: Beide Welten erlauben direkte/indirekte Methode. Entscheidend ist die operative Kategorie konsistent zu halten und Working‑Capital‑Effekte ehrlich zu zeigen. IFRS (IAS 7) fordert typischerweise mehr Detailtreue, die Finanzierungsbedarf und Liquiditätsqualität besser sichtbar macht.

  • FER 26 – Segmentberichterstattung: Segmente folgen der internen Steuerungslogik. Klare Kohärenz zwischen Management‑Sicht und externem Reporting ist unverzichtbar. IFRS 8 verlangt umfangreichere Überleitungen, wodurch Inkongruenzen schneller auffallen.

  • FER 27 – Derivative Finanzinstrumente: Erfassung und Sicherungsbeziehungen sind abzubilden, aber weniger granular als in IFRS 9. Wer Zins‑, Währungs‑ und Rohstoffrisiken aktiv steuert, ist mit IFRS‑Disclosure glaubwürdiger gegenüber Kapitalgebern.

  • FER 30 – Konzernrechnung: Konsolidierungsregeln sind solide, aber unter IFRS 10/11/12 ist die Transparenz zu Kontrolle, Joint Arrangements und Beteiligungsrisiken deutlich höher. Für wachsende Gruppen: Konsolidierungskalender und Intercompany‑Matrix früh automatisieren.

  • FER 31 – Ergänzende Vorsorgeeinrichtungen: FER adressiert Schweizer Spezifika wie technische Zinssätze und Deckungsgrade. IFRS (IAS 19/26) hat anderen Fokus, ist jedoch vergleichbarer über Ländergrenzen hinweg – wichtig, wenn Benchmarking gewollt ist.



Warum Swiss GAAP FER keine echte Alternative zu IFRS ist

Unsere Position ist eindeutig: Wer Transparenz ernst meint, arbeitet IFRS‑konform. FER erleichtert Abschlussarbeit, glättet in manchen Bereichen Ergebnisse und reduziert Offenlegung – aber genau das macht Risiken weniger sichtbar. Goodwill‑Amortisation statt Impairment‑Pflicht, kein universeller Right‑of‑Use‑Ansatz, keine vollständige IFRS‑15‑Logik, weniger Pflichtangaben bei Finanzinstrumenten: All das ist angenehm in der Umsetzung, aber teuer in der Glaubwürdigkeit. Für Verwaltungsräte, Banken, Investoren und Analysten, die echte Steuerungsfähigkeit sehen wollen, sind IFRS‑Abschlüsse die klare Währung.



Praxisbeispiele

  • Industrie (Maschinenbau): Ein Unternehmen wechselt von OR zu FER und verschafft sich schnell mehr Ordnung. Die Bank ist zufrieden – bis eine Lease‑Struktur die wahre Verschuldung kaschiert. Der Umstieg auf IFRS 16 zeigt Right‑of‑Use‑Verpflichtungen klar; die Diskussionen über Spreads werden plötzlich sachlich – und günstiger, weil Risiken nicht mehr im Dunkeln liegen.

  • Software/SaaS: Saubere IFRS‑15‑Policies zu Leistungsobligationen, Abnahmen und variablen Gegenleistungen verhindern Scheinkontroversen bei Umsatz und DSO. Unter FER 18 können dieselben Sachverhalte interpretationsanfälliger bleiben. IFRS kostet am Anfang mehr – spart aber Streit, Korrekturen und Vertrauensverluste.

  • Konzern mit Joint Arrangements: Unter IFRS 10/11/12 wird Kontrolle klarer abgegrenzt, Risiken werden sichtbar. Unter FER bleibt mehr Interpretationsspielraum – bequem, aber für Investoren unbefriedigend.



Typische Fehler & Missverständnisse

  1. „FER = IFRS‑Light, reicht doch.“ – Reicht für wen? Für echte Kapitalmarkttauglichkeit und stringente Governance ist IFRS der Maßstab.

  2. „Goodwill‑Amortisation ist konservativ.“ – Sie ist bequem, aber versteckt ökonomische Wertverluste, die Impairment‑Tests in IFRS offenlegen würden.

  3. „Leasing ist nur Miete.“ – Ohne IFRS 16 bleibt die Finanzierungsrealität oft unsichtbar.

  4. „Umsatz = Rechnung.“ – Wer Leistung nicht prüffest definiert, hat Restatement‑Risiken – IFRS 15 verhindert genau das.

  5. „Weniger Disclosure = weniger Angriffsfläche.“ – In Wahrheit heißt es weniger Vertrauen. Märkte preisen Unsicherheit ein.



Vorteile & Nachteile (ehrlich abgewogen)

Was für FER spricht:

  • Schnelle Implementierung, geringere Komplexität, überschaubare Kosten

  • Besser als OR, insbesondere für KMU ohne Kapitalmarktambitionen

  • Verständlich und prüfbar – solange Ansprüche an Transparenz moderat sind

Was gegen FER spricht – und für IFRS:

  • Weniger Transparenz in kritischen Bereichen (Goodwill, Leasing, Umsatz, Finanzinstrumente)

  • Weniger internationale Vergleichbarkeit und geringeres Analystenvertrauen

  • Höhere Ermessensspielräume mit geringerer Offenlegung – Schein‑Stabilität statt Realitätsabbild

  • Geringere Kapitalmarktfähigkeit und tendenziell höhere Risikoprämien, wenn Informationsasymmetrien vermutet werden



Zukunftsaussichten – Klartext

Swiss GAAP FER wird in der Schweiz nicht verschwinden. Es bleibt eine praktische Lösung für Organisationen, die Formalität und Ordnung wollen – ohne den vollen Transparenzanspruch der IFRS. Unsere Haltung ist unmissverständlich:

Unternehmen, die Transparenz ernst meinen, die Governance als Führungsinstrument verstehen und die Vertrauen am Kapitalmarkt aufbauen wollen, kommen an IFRS nicht vorbei. FER kann weiterhin formal ausreichend sein – aber niemand, der „True & Fair View“ wirklich ernst meint, kann sich damit zufriedengeben.

NextLevel‑Statement

„Transparenz ist kein Kostenfaktor – sie ist die günstigste Finanzierung der Welt. IFRS macht wirtschaftliche Realität sichtbar, prüfbar und vergleichbar. Swiss GAAP FER ist ordentlich, aber nicht konsequent transparent. Wer Vertrauen, Zugang zu Kapital und echte Steuerungsfähigkeit will, wählt IFRS – und meint ‚True & Fair View‘ nicht nur, sondern lebt es.“




FAQs zur SWISS-GAAP-FER im Vergleich zur IFRS

1) Was ist der wichtigste Unterschied zwischen Swiss GAAP FER und IFRS aus Transparenzsicht?

Der größte Unterschied liegt darin, dass IFRS eine deutlich höhere Transparenz erzwingt, während Swiss GAAP FER bewusst vereinfachte Bewertungs‑ und Offenlegungsregeln bietet. IFRS verlangt Fair‑Value‑Bewertungen, regelmäßige Impairment‑Tests, strenge Umsatzrealisierung nach IFRS 15 sowie vollständige Leasingbilanzierung nach IFRS 16. Dadurch wird die wirtschaftliche Realität viel klarer und prüfbarer abgebildet. Swiss GAAP FER bietet dagegen ein formal korrektes, aber weniger detailliertes Bild – und eignet sich deshalb in unseren Augen nicht für Unternehmen, die es mit echter Transparenz ernst meinen.


2) Ist Swiss GAAP FER wirklich „True and Fair View“ – oder nur ein vereinfachter Ansatz?

Swiss GAAP FER übernimmt den Begriff „den wirtschaftlichen Verhältnissen entsprechend“ – also den Anspruch auf eine True‑and‑Fair‑View‑ähnliche Darstellung. In der Praxis bleibt FER aber deutlich hinter IFRS zurück, weil zentrale Elemente wie Goodwill‑Impairments, Fair‑Value‑Transparenz, vollständige Leasingerfassung und detaillierte Risikoberichterstattung fehlen oder stark reduziert sind. Deshalb sprechen wir ganz bewusst davon, dass FER den Anspruch rhetorisch, IFRS hingegen inhaltlich und methodisch erfüllt.


3) Warum bevorzugen Banken und Investoren häufig IFRS gegenüber Swiss GAAP FER?

Banken, Analysten und Investoren bevorzugen IFRS, weil IFRS Risiken, Wertminderungen und Finanzierungseffekte viel früher sichtbar macht. Ein IFRS‑Abschluss liefert beispielsweise durch IFRS 16, IFRS 9, IFRS 15, IFRS 18 und IAS 36 eine umfassende Sicht auf Vermögenswerte, Schulden, Cashflows und zukünftige Verpflichtungen. Swiss GAAP FER erzeugt oft ein ruhigeres, jedoch weniger aussagekräftiges Zahlenbild, was für Kapitalgeber höhere Unsicherheiten und damit höhere Risikoaufschläge bedeuten kann.


4) Lohnt es sich für Schweizer KMU, direkt auf IFRS statt auf Swiss GAAP FER umzustellen?

Ja – wenn das Unternehmen Transparenz, Governance, glaubwürdige Kennzahlen und Wachstum ernst nimmt. IFRS bietet:

  • Bessere Ratings

  • Günstigere Finanzierungskosten

  • Weniger Ermessensspielraum

  • Höhere Vergleichbarkeit mit internationalen Mitbewerbern

  • Sehr viel bessere interne Steuerungslogiken

Viele KMU unterschätzen, wie stark IFRS eine professionelle Unternehmensführung fördert. FER ist ein guter Zwischenschritt – aber inhaltlich kein gleichwertiger Ersatz.


5) Warum gilt Goodwill-Amortisation unter Swiss GAAP FER als „optische Glättung“?

Swiss GAAP FER erlaubt die planmäßige Amortisation von Goodwill über mehrere Jahre. Das führt zu gleichmäßigen, vorhersehbaren Aufwendungen, auch wenn sich der wirtschaftliche Wert deutlich verändert hat. IFRS zwingt Unternehmen durch IAS 36 zu jährlichen Impairment‑Tests, wodurch Wertverluste sofort und vollständig sichtbar werden. Deshalb sprechen wir klar aus: Amortisation glättet – Impairment zeigt die Wahrheit.


6) Warum zeigt IFRS 16 mehr Transparenz als Swiss GAAP FER beim Leasing?

IFRS 16 behandelt fast alle Leasingverträge als finanzierungsähnliche Verpflichtungen und bringt sie als Right‑of‑Use‑Vermögenswert und Leasingverbindlichkeit auf die Bilanz. Swiss GAAP FER ermöglicht dagegen deutlich mehr Off‑Balance‑Strukturen, weil es keine universelle IFRS‑16‑Logik verlangt. Wer Leasingverhältnisse nicht in der Bilanz zeigt, präsentiert ein künstlich verschönertes Verschuldungsbild – was wir als klar nicht True‑and‑Fair einstufen.


7) Welche Risiken birgt Swiss GAAP FER bei der Ertragsrealisierung im Vergleich zu IFRS 15?

Swiss GAAP FER verlangt, dass Umsatz leistungsbezogen erfasst wird, jedoch ohne das detaillierte 5‑Stufen‑Modell von IFRS 15.Ohne IFRS‑15‑Mechanik entstehen Risiken wie:

  • uneinheitliche Abgrenzung von Leistungsobligationen

  • unklare Abnahmebedingungen

  • spätere Korrekturen (bzw. Restatements)

  • überhöhte oder zu frühe Umsatzerfassung

  • „Schein‑Stabilität“ ohne echte Governance

Für uns ist IFRS 15 der Goldstandard, weil er Streitpunkte präventiv entschärft.


8) Ist Swiss GAAP FER langfristig geeignet für wachstumsorientierte Unternehmen?

Für wachsende Organisationen, die neue Märkte, Investoren oder Skalierung anstreben, ist FER häufig zu wenig tief. Spätestens mit:

  • größeren Gruppenstrukturen,

  • komplexeren Vertragsmodellen,

  • internationalen Kunden,

  • oder externen Finanzierungsrunden

    wird IFRS nicht nur vorteilhaft, sondern notwendig.

    FER kann ein Etappenziel sein – aber kein finales Zielbild.


9) Warum ist Swiss GAAP FER für Private-Equity‑Investoren weniger attraktiv als IFRS?

Private Equity benötigt valide, vergleichbare und international standardisierte Kennzahlen, um:

  • Cashflows zu bewerten

  • Equity Storys glaubwürdig darzustellen

  • Value‑Creation‑Programme zu steuern

  • Exit‑Multiples zu begründen

    Da Swiss GAAP FER in zentralen Bereichen vereinfachter ist (Goodwill, Leasing, Umsatz, Financial Instruments), ist die Informationsqualität nicht optimal, weshalb IFRS der klare Standard im PE‑Umfeld bleibt.


10) „Ist Swiss GAAP FER ausreichend für eine echte True‑and‑Fair‑View‑Darstellung?“

Die klare Antwort lautet: Nein – Swiss GAAP FER ist für viele Zwecke ausreichend, aber für echte True‑Cash‑Flow‑ und True‑Value‑Transparenz nicht konsequent genug. Wer „True & Fair“ ernst meint, wählt IFRS, weil IFRS das wirtschaftliche Geschehen unverzerrt und prüffest abbildet – selbst wenn das Ergebnis kurzfristig „unschöner“ wirkt.


11) Für welche Unternehmen ist Swiss GAAP FER geeignet – und für welche definitiv nicht?

Swiss GAAP FER eignet sich für:

  • mittelgroße Schweizer Unternehmen

  • Organisationen ohne internationale Kapitalmarktziele

  • NPOs und Vorsorgeeinrichtungen

  • Unternehmen, die Ordnung möchten, aber keine extreme Transparenzpflicht brauchen

FER ist nicht geeignet für:

  • wachstumsorientierte Gruppen

  • kapitalmarktnah agierende Unternehmen

  • Unternehmen mit hohen immateriellen Werten

  • Firmen mit komplexen Verträgen

  • Unternehmen, die echtes Trustworthy Finance leben wollen

IFRS bleibt für diese Gruppen der Goldstandard.


12) Was passiert, wenn ein Unternehmen unter Swiss GAAP FER „schönzeichnet“?

Durch die geringere Bewertungstiefe in FER ist „Schönzeichnen“ leichter möglich – z. B. durch:

  • planmäßige Goodwill‑Amortisation

  • Off‑Balance‑Leasing

  • reduzierte Anhangangaben

  • flexible Umsatzerfassung

  • weniger präzise Risiken

    Solange die Anforderungen formal erfüllt sind, ist vieles zulässig – aber für Stakeholder werden Risiken unsichtbar.

    Wir sagen deshalb klar:

    Wer Fairness und Transparenz ernst meint, wählt IFRS.


13) Warum ist IFRS langfristig kostengünstiger als FER – obwohl es mehr Aufwand erzeugt?

Weil IFRS Fehler, Risiken und Bewertungsprobleme früher sichtbar macht. Dadurch entstehen:

  • weniger Auseinandersetzungen mit Prüfern

  • weniger Restatements

  • weniger Überraschungen für Banken = geringerer WACC

  • weniger Reputationsschäden

  • bessere Ratings → günstigere Finanzierungskosten

    Damit ist IFRS keine Kostenbelastung, sondern eine Kapitaloptimierung.


14) Warum spricht NextLevel College Swiss GAAP FER teilweise die Daseinsberechtigung ab?

Weil FER an einer zentralen Stelle versagt: Es ermöglicht Transparenzreduktion bei gleichzeitig formalem Komfort. Für uns – und unsere Studierenden – ist Rechnungslegung ein Werkzeug für glaubwürdige Führung, ehrliche Kommunikation und nachhaltigen Wertaufbau. IFRS steht für diese Werte; Swiss GAAP FER nicht ausreichend genug.

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