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ROCE (Return on Capital Employed)

Warum ROCE heute die härteste Führungskennzahl ist

ROCE misst, wie viel operative Rendite ein Unternehmen auf sein eingesetztes Kapital (Capital Employed) erzielt. Der Maßstab ist WACC (Preis des Kapitals). ROCE > WACC = Wertschaffung. ROCE < WACC = Wertvernichtung. In einer Welt aus Zinswende, Lieferketten‑Volatilität und Kapitalknappheit trennt ROCE die gute Profitabilität von guter Wirtschaftlichkeit.


1) Executive Summary

  • Definition: ROCE = NOPAT / Capital Employed

  • Zielgröße: ROCE > WACC (Spread positiv)

  • Hebel: NOPAT ↑ (operatives Ergebnis nach Steuern), CE ↓ (Anlagevermögen & NWC effizient steuern)

  • Steuerungsprinzip: Definitionstreue (IFRS‑18/MPM‑Kohärenz) → Vergleichbarkeit → exekutierbare Hebel

  • Was ROCE nicht ist: Kein Projektentscheidungsersatz (dafür NPV/IRR vs. WACC); ROCE steuert ex post.

Merke: ROCE ist kein Reporting‑Ergebnis – ROCE ist eine Führungsentscheidung.


2) Definition & Ableitung (IFRS‑/MPM‑fest)

2.1 NOPAT (operativ, nach Steuern)

  • Inhalt: Operatives Ergebnis nach Steuern ohne Finanzierungseffekte, konsistent mit der Operating Category (IFRS‑18‑Denke).

  • Sauberkeit: Klar dokumentierte Adjustments (z. B. Sondereffekte, IFRS‑16‑Zinsanteil im Finanzergebnis, Impairments nach IAS‑36), damit intern/extern dasselbe gemeint ist.


2.2 Capital Employed (CE)

  • Operative Sicht: CE = Netto‑Anlagevermögen + Netto‑Working‑Capital

  • Finanzmarktsicht: CE = Gesamtkapital – nicht‑zinswirksame kurzfristige Verbindlichkeiten

  • Behandlung IFRS‑16: Right‑of‑Use‑Vermögenswerte gehören ins CE; die Leasing‑Verbindlichkeit wirkt auf Kapitalstruktur/Zins – Konsistenz ist wichtiger als die „perfekte“ Schule.

  • IFRS‑15/Verträge: Contract Assets/erhaltene Anzahlungen beeinflussen NWC – und damit CE – nur bei sauberer Leistungslogik (POs, Abnahmen, e‑Invoicing).


2.3 Formel

ROCE  =  NOPAT / Capital Employed und Wertschaffung, wenn ROCE  >  WACC


Merkkasten: 

Ein ROCE ist nur so gut wie seine Definitionstreue über NOPAT & CE 


3) Operative Hebel (Praxis – mit skeptischem Blick)

3.1 NWC‑Hebel (direkter CE‑Effekt)

  • Vorräte / WIP (DIO): Lead‑Time reduzieren (OEE, SMED, Engpass‑Taktung, First‑Pass‑Yield) → WIP ↓, CE ↓

  • Forderungen (DSO): Klare Meilensteine, digitale Abnahmen, Dispute‑Prävention, e‑Invoicing → DSO ↓, CE ↓

  • Verbindlichkeiten (DPO): Terms‑Harmonisierung, Skontodisziplin, „paid‑on‑time“ ohne Liquiditätsschäden → quasi‑kostenlose Finanzierung, CE ↓


Präzisierte Wirkung:

Jede Minute Zeitersparnis ist freigesetztes Kapital. Und sie schafft zusätzliche Profitabilität, weil die freiwerdende Kapazität für weitere Kundenaufträge genutzt werden kann (Fixkosten‑Degression, höhere Anlagenproduktivität, mehr Output bei gleichen Fixkosten).


3.2 Anlagevermögen (Asset‑Intensität)

  • CapEx‑Disziplin: Projekte nur bei IRR > Hurdle (WACC + Risikoprämie)

  • Make/Buy & Modularität: Asset‑Leichtbau, modulare Plattformen, Outsourcing von Non‑Core

  • Portfolio: Unproduktive Assets veräußern, Sale‑and‑Lease‑Back nur mit echtem Wirtschaftlichkeitsvorteil (IFRS‑16‑Effekte bewusst steuern)


3.3 Governance & Daten

  • IFRS‑18/MPM: Management‑Kennzahlen prüfbar herleiten, Scope‑Kohärenz sichern

  • CE‑Brücke: Monatlicher Waterfall (Start CE → Vorräte/Forderungen/Anzahlungen/AV‑Bewegungen → Ende CE)

  • ESG‑Hebel: Energie‑/Materialeffizienz senkt Bestände, Ausschuss und CapEx‑Bedarf → doppelte Wirkung auf ROCE & WACC



4) DACH‑Kontext & Kapitalmarkt‑Realität

  • Banken/PE/Analysten reagieren positiv auf Transparenz, CE‑Disziplin, Cash‑Stabilität und MPM‑Kohärenz.

  • Industrie/Maschinen‑ & Anlagenbau: Projekt‑NWC & ROU‑Portfolien sind ROCE‑kritisch.

  • SaaS/Dienstleistung: CE naturgemäß niedriger → Fokus auf NOPAT‑Hebel, ARR‑Qualität, Contract Assets sauber steuern.



5) Praxisbeispiel

  • Ausgangslage: CE = 180 Mio. (AV 120 / NWC 60); NOPAT 14 Mio.; ROCE 7,8 %, WACC 8,5 % → Wertvernichtung.

  • Maßnahmen (9 Monate):

    1. Lead‑Time −15 % → WIP −20 % → Vorräte −12 Mio.

    2. Abnahme/Faktura‑Sprint → DSO −6 Tage → Forderungen −8 Mio.

    3. Asset‑Review (Non‑Core raus, IFRS‑16 harmonisiert) → AV −10 Mio.

    4. Terms‑Optimierung → erhaltene Anzahlungen +4 Mio.

  • Ergebnis: CE 150 Mio. (−17 %), NOPAT 15,2 Mio., ROCE 10,1 % bei WACC 8,5 % → Wertschaffung beginnt.



6) Gegenüberstellung (auf einen Blick)

Kennzahl

Zweck

Formel (typisch)

Entscheidung/Steuerung

ROCE

Operative Rendite auf CE

NOPAT / CE

Ex‑post Steuerung, Bonus, Hurdle‑Governance

ROIC

Gesamtrendite für alle Kapitalgeber

NOPAT / Invested Capital

Bewertung/PE, Value Creation Tracking

CE

Kapitalbasis (operativ)

AV + NWC

Hebel/Steuerung (CE‑Diät)

ROI (Projekt)

Vorfilter‑Quote

(Nutzen − Kosten)/Investition

nur Vorfilter, kein WACC‑Test

NPV/IRR

Werttest (Projekt)

DCF‑Barwert / interne Rendite

Primäre Entscheidung (gegen WACC)

Merksatz: ROCE = Steuerung, ROIC = Bewertung, NPV/IRR = Entscheidung.



7) Mythen‑Box 1 – ROA hat in der Investitionsrechnung nichts verloren

NextLevel‑Erfahrung: Wir haben in Projekten, Bankengesprächen und in Unterrichtsmaterialien anderer Schulen immer wieder gesehen, dass zunehmend die Kennzahl "ROA (Return on Assets)" in CapEx‑Business‑Cases auftaucht. Das ist methodisch schlichtweg falsch.

  • ROA ist eine Makro‑Kennzahl (Ergebnis/Ø‑Aktiva) aus dem Jahresabschluss, ohne WACC‑Bezug, ohne Cashflow‑Zeitwert und schon gar nicht dafür gedacht, die Wirtschaftlichkeit EINER Investition zu prüfen. Vielmehr geht es darum im Jahreabschluss zu prüfen, wie sich das ganze Aktivvermögen (Gesamtvermögen) rentiert (also alle bisherigen Investition zusammengenommen).

  • Investitionsentscheidungen sind projektspezifisch, zukunftsorientiert, risikoadjustiert → NPV & IRR vs. WACC.

  • Policy: In Entscheidungen keine ROA‑Kennzahl. Ex post steuern wir mit ROCE/ROIC/EVA.


Konter‑Kurzform: ROA = Wetterkarte. Projektfreigabe nur mit NPV/IRR vs. WACC.



8) Mythen‑Box 2 – „ROI in Jahren“ & „Payback in Prozent“ – bitte nie wieder

Realität: Wir sehen diese Formulierungen in (teuren) Büchern und Berufsprüfungen (Fachausweis, IHK, mündliche Prüfungen an Höheren Fachschulen). Das ist Begriffsvermischung par excellence ...


  • ROI ist IMMER eine Rendite‑Quote (in %), nur nie eine Zeitangabe (in Jahren)!

  • Payback ist eine Zeitgröße (Jahre/Monate), und NIE eine Rendite.


Mini‑Beispiel: Invest 1.000; Cashflows 280 p.a.; WACC 8 % → NPV > 0, IRR ≈ 12 %, Payback ≈ 3,6 Jahre, ROI Jahr 1 ≈ 28 %.Falsch: „ROI = 3,6 Jahre“ oder „Payback = 28 %“.


Didaktik‑Policy:

  • Entscheiden: NPV/IRR vs. WACC

  • Ergänzen: Payback (Zeit), ROI (Quote)

  • Steuern: ROCE/ROIC/EVA

  • Prüfung/Unterricht: Keine Aufgaben, die ROI (Jahre) oder Payback (%) verlangen.



9) Didaktik‑Box – ACCA‑Kohärenz & Excel‑Realität

  • ACCA‑Standard: Cashflows, Kapitalkosten, Risiko, Szenarien/Sensitivitäten – das ist moderne Investitionslehre.

  • „Dynamisch = komplex“ ist ein Mythos aus der Vor‑Excel‑Zeit. Rechnen macht die Tabelle, Wert entsteht beim Modellieren & Interpretieren.

  • Gutes DCF‑Tool (Pflichtenheft):

    Assumptions‑Sheet (Owner, Version), flexible Zeitachse, Free‑Cashflows (inkl. NWC und Restwert), IFRS‑16‑Logik, WACC je Projekt, Tornado‑Sensitivitäten, Szenarien (Base/Down/Up), Output‑Deck (NPV/IRR, Break‑Even‑WACC, Werttreiber), Audit‑Trail (keine Hardcodes).



10) Typische Fehler & Gegenfragen (kurz, kantig)

  1. CE = Bilanzsumme? → Nein. Nicht‑zinswirksame kurzfristige Verbindlichkeiten raus.

  2. Nur reported, keine Adjustments? → Ist die Vergleichbarkeit zu Vorjahr/Peers wirklich gegeben?

  3. NWC = Treasury‑Thema? → Nein. Prozess‑Thema (Lead‑Time, Abnahmen, Disputes).

  4. Mehr Umsatz löst CE? → Nur, wenn die Skalierung (Lead‑Time, OEE, DSO) hält.

  5. CapEx „rettet“ Produktivität? → IRR > Hurdle oder es ist Kapitalfresser.

  6. Leasing „macht ROCE schöner“? → Prüfe Wirtschaftlichkeit und Kohärenz (IFRS‑16).



11) Steering‑Check – 12 Fragen fürs CFO‑Board

  1. CE‑Definition schriftlich fixiert (operativ und finanziell)?

  2. CE‑Brücke monatlich (Start → Treiber → Ende)?

  3. Top‑3 CE‑Treiber erklären >70 % der Schwankung?

  4. DSO‑Disputtage (intern verursacht) separat gemessen?

  5. Slow‑/No‑Mover (Tage Kapitalbindung) transparent?

  6. PO/Abnahme‑Design rechnungsfähig („first‑time‑right“)?

  7. Leasing‑Register aktuell, Wirtschaftlichkeits‑Owner benannt?

  8. CapEx‑Gate: IRR > Hurdle, Alternativen geprüft (Make/Buy)?

  9. ESG‑Hebel mit CE/ROCE‑Impact quantifiziert?

  10. Kapitalumschlag neben ROCE als Frühwarnindikator im Deck?

  11. Bonus an Spread (ROCE − WACC) gekoppelt?

  12. CE‑Obergrenzen (Limits) je BU mit Ampellogik definiert?



12) Roadmap – „ROCE auf Kurs“ (100 Tage + 9 Monate)

  • 0–30 Tage: CE‑/NOPAT‑Policy, MPM‑Dokumentation (IFRS‑18‑Logik), ROCE‑Playbook, erste CE‑Brücke.

  • 30–100 Tage: NWC‑Sprints (Lead‑Time, DSO/Disputes, Terms), AV‑Quick‑Wins (Non‑Core raus), Reporting‑Konvergenz (reported vs. adjusted).

  • 100–360 Tage: Portfolio‑Bereinigung, modulare CapEx‑Strategie, ESG‑Hebel in S&OP/Shopfloor, ROCE‑/WACC‑Spread in Bonus & Steering.



Anhang A: Blueprint CE-/ROCE-Brücke (Das monatliche Steering-Tool)

Zweck

Die CE-/ROCE-Brücke ist euer Kapitalknappheits-Radar. Sie zeigt monatlich, wo Kapital gebunden oder freigesetzt wurde und wie sich das auf die Rendite (ROCE) und den Spread (ROCE vs. WACC) auswirkt. Sie ist ein Steuerungsinstrument, kein Rückspiegel.


Format-Empfehlung: 1 Seite (A4 quer) – für CEO/CFO in 3 Minuten lesbar.


1. Kopfbereich (Header): Die harten Fakten

Hier wird der Erfolg der Kapitalsteuerung auf einen Blick sichtbar.

  • Start-CE: Capital Employed am Monatsanfang (i. d. R. End-CE des Vormonats).

  • End-CE: Capital Employed am Monatsende (Netto-Anlagevermögen + Netto-Working-Capital).

  • Delta CE: End-CE minus Start-CE (Ein Minus-Wert ist hier ein Erfolg: Kapital wurde freigesetzt).

  • ROCE (Ist/Plan): ROCE = NOPAT / Capital Employed

  • WACC: Der Preis des Kapitals (muss dieselbe Scope-Logik wie der ROCE haben).

  • Spread: Spread = ROCE - WACC

    • > 0 = Wertschaffung (Grün)

    • < 0 = Wertvernichtung (Rot)


2. Treiberzeilen: Woher kommt die CE-Bewegung?

Gliedere die Veränderung in mechanische Treiber. Jeder Treiber zeigt: Betrag (€), Richtung (↑/↓) und die Ursache.


2.1 Vorräte (Inventories)

  • Hebel: Lead-Time ↓ (OEE, SMED) führt direkt zu WIP ↓ (Work-in-Progress).

  • Faustformel für den Wert: Vorratswert ≈ (DIO / 365) * COGS

2.2 Forderungen (Receivables)

  • Hebel: Dispute-Prevention, e-Invoicing und klare Meilensteinlogik senken die DSO.

  • Faustformel für den Wert: Forderungswert ≈ (DSO / 365) * Umsatz

2.3 Erhaltene Anzahlungen & Verbindlichkeiten (DPO)

  • Logik: Anzahlungen sind "zinsloses Kapital" vom Kunden. Höhere DPO (Zahlungsziele bei Lieferanten) senken das CE, solange keine Skonti verloren gehen.

  • Faustformel DPO-Wert: Verbindlichkeitswert ≈ (DPO / 365) * COGS



3. Kommentierung: Vom Befund zur Handlung

Regel: Maximal eine Zeile pro Treiber. Entscheiden statt Romane schreiben.

  • Beispiel: "DSO +4 Tage wegen 11% Disputen (falsche Lieferscheine). Maßnahme: e-Abnahme-Training für Vertrieb. Ziel: -6,0 Mio. € CE."



Anhang B: Blueprint CapEx-Decision-Sheet (Excel-DCF)

Zweck

Ein einheitliches Tool, das Investitionen über den NPV (Kapitalwert) und IRR (Zinsfuß) gegen den WACC prüft. Keine "Bauch-Entscheidungen", sondern mathematische Wertprüfung.


1. Free Cashflows (FCF): Das Herzstück

Wir rechnen nur mit "Incremental Cashflows" – also nur dem Geld, das ohne dieses Projekt nicht fließen würde.

Die Master-Formel: FCF = (Umsatz - OPEX) * (1 - Steuersatz) + Abschreibungen - CapEx - Δ NWC

  • Wichtig: Das Δ NWC (Veränderung des Working Capitals) wird oft vergessen, kann den Wert eines Projekts aber massiv drücken!


2. Die Entscheidungs-Metriken (Outputs)

  1. NPV (Net Present Value): NPV = Σ [ FCF_t / (1 + WACC)^t ] - Initial-Invest

    • Entscheidung: Wenn NPV > 0, dann Projekt annehmen.

  2. IRR (Internal Rate of Return): Die interne Rendite des Projekts.

    • Entscheidung: Muss über dem Hurdle-Rate (WACC + Risikozuschlag) liegen.

  3. Payback (Amortisation): Wann ist das Geld zurück? (Nur eine Zusatz-Info zur Liquidität, kein Werttest!).


3. Szenarien & Sensitivitäten (Tornado-Analyse)

Ein Case ist nur so gut wie seine Belastbarkeit. Testet die Top-5-Treiber:

  • Was passiert mit dem NPV, wenn der Absatz um 10% sinkt?

  • Was passiert, wenn die Stahlpreise (COGS) um 5% steigen?


4. Governance: Die "NextLevel" Regeln

  1. Verbindlich: Nur NPV und IRR gegen WACC zählen als Freigabekriterium.

  2. Verboten: ROA als Projektmaß oder Begriffe wie „ROI in Jahren“ (ROI ist eine Quote, keine Zeit!).

  3. Post-Investment-Review: 6–12 Monate nach Inbetriebnahme muss der tatsächliche ROCE gegen den Plan-Case im Board geprüft werden.

NextLevel-Statement

"EBIT ist Ruhm, Cashflow ist die Realität, aber der ROCE ist die Wahrheit. Wer nur auf Margen starrt, übersieht den Preis der Ineffizienz. Erst wenn der ROCE den WACC schlägt, wird aus Arbeit echter Wert."



FAQ – ROCE (Return on Capital Employed)

1) Was ist ROCE einfach erklärt – und warum ist es mehr als eine Formel?

ROCE = NOPAT / Capital Employed (CE). Es misst die operative Rendite auf das eingesetzte Kapital. Mehr als eine Formel ist ROCE eine Führungsgröße: Sie zwingt dazu, Ergebnisqualität (NOPAT) und Kapitaldisziplin (CE) gemeinsam zu steuern – mit dem Ziel, ROCE > WACC (Wertschaffung).


2) Wie leite ich NOPAT und CE konsistent her (IFRS‑18/MPM‑tauglich)?

  • NOPAT (operativ, nach Steuern): aus dem operativen Ergebnis, bereinigt um Finanzierungseffekte/Sondereffekte – konsistent zur internen Operating‑Logik (Management Performance Measures).

  • CE: Netto‑Anlagevermögen + Netto‑Working‑Capital oder Gesamtkapital – nicht‑zinswirksame kurzfristige Verbindlichkeiten.

    Regel: Eine dokumentierte Metrik‑Policy sorgt dafür, dass ROCE intern/extern gleich verstanden wird.


3) ROCE vs. ROIC – was ist der Unterschied, und wann nutze ich welche Kennzahl?

  • ROCE = Steuerungskennzahl (Management‑/Operative Sicht), sehr hebel‑nah (Lead‑Time, DSO/DIO/DPO, CapEx).

  • ROIC = Bewertungs‑/Kapitalmarktkennzahl (Corporate Finance/PE), oft mit Invested Capital inkl. Goodwill/Marktwertlogik.

    Daumenregel: ROCE für ex‑post Performance‑Steuerung, ROIC für Value‑Creation & Bewertung.


4) Wie beeinflusst IFRS 16 (Leasing) meinen ROCE – reported oder adjusted?

Leasing erhöht die ROU‑Assets (→ CE ↑) und verschiebt Zins/Abschreibung. Viele steuern reported (wie publiziert) und ergänzen eine adjusted‑Sicht zur Vergleichbarkeit über Zeit/Peers. Entscheidend ist Konsistenz: NOPAT‑Definition und CE‑Umfang müssen dieselbe Leasing‑Logik tragen.


5) Welche operativen Hebel senken CE am schnellsten – ohne die Lieferfähigkeit zu gefährden?

  • Lead‑Time ↓ (OEE, SMED, Engpass‑Taktung, First‑Pass‑Yield) → WIP/Vorräte ↓

  • Abnahme‑/Faktura‑Exzellenz (Dispute‑Prävention, e‑Abnahmen) → DSO ↓

  • Terms‑Design (Anzahlungen, Skontodisziplin) → quasi‑kostenlose Finanzierung

    Merksatz: Jede Minute Zeitersparnis ist freigesetztes Kapital – und schafft Profit, weil Fixkosten sich auf mehr Output verteilen.


6) Warum gehört ROA (Return on Assets) nicht in die Investitionsrechnung?

ROA ist eine periodische Makro‑Kennzahl auf gesamte Aktiva, ohne WACC und Cashflow‑Zeitwert. CapEx‑Entscheidungen brauchen NPV/IRR vs. WACC (projektspezifisch, zukunftsorientiert, risikoadjustiert). ROA eignet sich nicht als Projektmaß – ROCE/ROIC/EVA steuern ex post.


7) „ROI in Jahren“ oder „Payback in Prozent“ – warum ist das falsch, und wie formuliere ich richtig?

  • ROI ist eine Quote in % (Rendite), keine Zeit.

  • Payback ist Zeit (Jahre/Monate), kein Prozentwert.

    Korrekt: „Payback = 3,6 Jahre“, „IRR = 12 %“, „ROI (Jahr 1) = 28 %“. Entscheidung bleibt NPV/IRR vs. WACC.


8) Wie setze ich ROCE im Bonus‑ und Steering‑System ein, ohne Fehlanreize zu schaffen?

  • Spread‑Logik: Boni am ROCE−WACC koppeln (nicht nur an ROCE).

  • Handbremsen vermeiden: CapEx‑Verzicht darf ROCE nicht „künstlich“ erhöhen – daher Hurdle‑Rates/IRR‑Gates beibehalten.

  • CE‑Brücke monatlich: Transparenz, was ROCE bewegt (Vorräte, DSO, ROU, Abgänge/Zugänge).


9) Welche Rolle spielt ROCE im ACCA‑Kontext?

ACCA trainiert die Kohärenz aus Cashflows, WACC, ROCE/ROIC und Governance. ROCE steht für operative Kapitaleffizienz, verbunden mit Hurdle‑Logik (WACC) und Value‑Creation. Wer CE/ROCE/CCC sauber erklären und aus Daten ableiten kann, ist in CFO‑/FP&A‑Rollen klar im Vorteil.


10) Wie oft sollte ich ROCE messen – monatlich, quartalsweise oder jährlich?

Monatlich, mit CE‑Waterfall als Frühwarnsystem. Quartalsweise eignet sich für Trend/Strategie, jährlich ist zu grob. NWC‑Treiber (DIO/DSO/DPO) sollten mindestens monatlich geloggt werden; Lead‑Time/OEE am Shopfloor ggf. wöchentlich.


11) Was sind typische Fehler bei ROCE – und wie vermeide ich „Scheingenauigkeit“?

  • Inkonsequente Definition (NOPAT/CE nicht deckungsgleich).

  • Leasing/Impairments „vergessen“ → Zeitreihenbruch.

  • NWC als Treasury‑Thema statt Prozess‑Hebel.

  • Nur reported, nie adjusted → Peer‑Vergleich hinkt.

    Gegenmittel: Metrik‑Policy, CE‑Brücke, Adjusted‑Beilage, definierte Owner.


12) ROCE in SaaS/Services – sinnvoll oder besser andere KPIs?

Ja, wenn Contract Assets/NWC eine Rolle spielen (z. B. projektbasierte Services). Sonst steht NOPAT‑Hebel/ARR‑Qualität im Vordergrund, und ROCE ist ergänzend. Regel: Dort, wo Kapitalbindung materiell ist, ist ROCE essentiell.


13) Wie verknüpfe ich ROCE logisch mit NPV/IRR (Entscheidung) und EVA (Wertschaffung)?

  • Entscheidung ex ante: NPV/IRR vs. WACC (freigeben oder verwerfen).

  • Steuerung ex post: ROCE auf CE‑Basis (liefert das Asset operativ?).

  • Wertschaffung periodisch: EVA = NOPAT − WACC × Invested Capital.

    So schließt sich die Kette von Projektfreigabe zu Betriebs‑Performance.


14) Welche DACH‑Spezifika sollte ich bei ROCE beachten (Banken, PE, Mittelstand)?

  • Banken/PE achten auf CE‑Disziplin, Cash‑Stabilität, Transparenz.

  • Mittelstand: Projekt‑NWC, Abnahmen und ROU‑Portfolien sind die häufigsten ROCE‑Killer.

  • Governance (IKS, prüfbare MPMs) wirkt WACC‑senkend → erleichtert Spread‑Ziele.


15) Wie sieht ein gutes ROCE‑Reporting aus (Must‑Have‑Elemente)?

  • Header: ROCE (Ist/Plan), WACC, Spread, Vorjahr, YTD.

  • CE‑Waterfall: Start‑CE, Treiber (Vorräte, Forderungen, erhaltene Anzahlungen, Verbindlichkeiten, AV/ROU‑Zugänge/Abgänge), Ende‑CE.

  • NOPAT‑Brücke: Operative Treiber, Sondereffekte, Steuerwirkung.

  • KPI‑Radar: DIO/DSO/DPO, Lead‑Time, OEE, Kapitalumschlag.

  • Maßnahmen‑Board: Verantwortliche, ETA, erwarteter ROCE‑Impact.

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