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OEE 5.0 (Overall Equipment Effectiveness 5.0)

Kurze Definition

OEE 5.0 ist die weiterentwickelte Form der klassischen Overall Equipment Effectiveness. Sie verbindet Echtzeitdaten (IoT), Nachhaltigkeit (ESG), menschliche Faktoren (Industry 5.0) und Serviceprozesse zu einer prognosefähigen Steuerungsgröße der modernen Wertschöpfung. Sie misst nicht nur Effizienz – sie verhindert Ineffizienz, bevor sie entsteht.

Ausführliche Erklärung

Die klassische OEE betrachtete Verfügbarkeit, Leistung und Qualität meist rückblickend („Was ist gestern passiert?“).


Unsere "NextLevel OEE 5.0" transformiert diese Sichtweise radikal:



1. Predictive OEE – Prognosen statt Rückschau

Durch IoT-Sensorik, Edge Computing und automatisches Monitoring wird die OEE zur Früh-Früh-Frühwarnkennzahl.


Sie fällt nicht erst, wenn eine Anlage stillsteht – sondern in dem Moment, in dem Sensordaten eine bevorstehende Abweichung anzeigen:


  • Vibrationen

  • Temperaturen

  • Stromaufnahme

  • Druckschwankungen

  • Schwingungsanalysen


Die „Future OEE“ zeigt die wahrscheinliche OEE der nächsten Stunden. Damit wird OEE 5.0 ein aktives Assistenzsystem, keine passive Statistik.



2. Green OEE – Effizienz + Nachhaltigkeit

Jeder OEE-Verlust ist verschwendete Energie. OEE 5.0 integriert deshalb:

  • Energieverbrauch (kWh)

  • Wasserverbrauch

  • CO₂-Emissionen (s. unsere CO2-Wirkungskette)

  • Materialeinsatz (Waste Analytics)


Beispiel:

Ein Ausschuss von 5 % bedeutet nicht nur Qualitätsverlust – sondern Emissions- und Ressourcenverschwendung, die bereits angefallen ist. Damit wird OEE 5.0 zur ökologisch-ökonomischen KPI der Twin Transition (digital + grün).



3. Human-Centric OEE – Der Mensch als Erfolgsfaktor

Industry 5.0 ergänzt Effizienz durch Ergonomie, Belastung, Lernbedarf und Team-Dynamiken. Eine sinkende OEE kann Ursachen haben wie:


  • Überlastung

  • unklare Prozesse

  • fehlende Schulung

  • ergonomische Probleme

  • hohe kognitive Last (Cognitive Load)


OEE 5.0 dient damit auch als Frühwarnsystem für Human Sustainability.



4. OEE 5.0 in der Dienstleistung („Service-OEE“)

Die größte Innovation:

OEE 5.0 verlässt die Fabrikhalle und wird zur universellen Prozesskennzahl.


Die Logik bleibt – die Objekte ändern sich:

OEE-Element

Industrie

Dienstleistung

Verfügbarkeit

Maschinenlaufzeit

effektive Arbeitszeit ohne Admin-Dead-Time

Leistung

Taktzeit vs. Idealzeit

Ticket-/Review-Zeit vs. Best-Practice-Zeit

Qualität

Ausschuss

First-Time-Right (keine Korrekturen)

Hier sind die Datenquellen häufig CRM, ERP, Process Mining und Workflow-Tools. Damit wird OEE zum Performance-Meter moderner Wissensarbeit.



5. Vernetzung im KPI-Ökosystem

OEE 5.0 entfaltet ihre volle Kraft in Verbindung mit anderen Kennzahlen:

  • TEEP → Nutzung gesamter Kalenderzeit

  • Lead Time → Vermeidung von lokalem Optimum

  • CO₂-Kennzahlen & ESG → OEE wird zum CO₂-Treiber

  • Green Pricing → Rabatte bei energieeffizienten Produktionsfenstern

  • Dynamic Scheduling → automatische Reihenfolgeoptimierung

  • Predictive Maintenance → geplante Wartung ohne Produktionsverlust


Damit wird OEE 5.0 zum Regelkreis einer smarten, grünen, resilienten Organisation.



OEE 5.0 im Kontext von ESG, CSRD, IBP und Working Capital

OEE 5.0 ist nicht nur eine Effizienzkennzahl, sondern ein strategischer Verbinder zwischen operativer Exzellenz und regulatorischen bzw. finanziellen Zielsystemen.


Durch die Integration von Echtzeitdaten (Energie, Qualität, Ausbringung, Störungen) wird sie zu einer Schlüsselquelle für ESG-Reporting (insbesondere E1 – Klimaschutz), CSRD-Offenlegungen und betriebliches Risikomanagement. Jede Form von Ausschuss, Wartezeit oder ineffizienter Ressourcennutzung erzeugt bereits verbrauchte Energie, CO₂ und Kosten. OEE 5.0 macht diese Effizienzverluste messbar, auditierbar und vorhersagbar – ein zentraler Schritt zur Erfüllung von CSRD-Pflichten (z. B. Scope 1+2 Energieeffizienz, Scope 3 Reduktion von Prozessabfällen).

Gleichzeitig ist OEE 5.0 ein natürlicher Bestandteil von IBP (Integrated Business Planning).


Hohe oder schwankende OEE-Werte wirken sich direkt auf Produktionspläne, Kapazitätsmodelle, Materialbedarfsplanung (MRP), Bestellzyklen und Lieferfähigkeit aus. Durch die Prognosefähigkeit von OEE 5.0 können Unternehmen realistische und resiliente Planungsmodelle erstellen:– wenn die Future-OEE sinkt → Kapazitätsrisiko– wenn die Green-OEE steigt → energieoptimierte Planungsfenster– wenn die Quality-OEE fällt → steigende Ausschuss- oder Retourenquoten. Dadurch wird IBP nicht nur „datengetriebener“, sondern nah an der realen Prozessfähigkeit des Unternehmens.

Auch das Working Capital ist eng mit der OEE verknüpft.


Eine hohe und stabile OEE reduziert Durchlaufzeiten, Ausschuss, Nacharbeit, Materialverbrauch und Bestände.


Niedrige OEE erzeugt dagegen verstecktes Working Capital in Form von:


  • überhöhten Sicherheitsbeständen (Safety Stock)

  • verlängerten Cash-to-Cash-Zyklen

  • blockiertem Umlaufvermögen in Zwischenlagern steigenden WIP-Beständen


In der OEE 5.0-Logik gilt daher: Jede Stunde Stillstand bindet Kapital. Jede Minute Rework verlängert den Cash Cycle.


Gleichzeitig ist OEE 5.0 ein natürlicher Bestandteil von IBP (Integrated Business Planning) und bildet die operative Basis für das Driver-Based Planning (DBP). Anstatt nur mit starren Finanzwerten zu planen, dienen die OEE-Komponenten (Verfügbarkeit, Leistung, Qualität) als primäre Treiber, um Auswirkungen auf Umsatz, Kosten und Liquidität in Echtzeit zu simulieren.


Durch die Kombination aus Prognosefähigkeit und Nachhaltigkeitsdaten wird OEE 5.0 zur Klammer zwischen operativer Effizienz, finanzieller Stabilität und regulatorischer Transparenz – ein integrales Element moderner Unternehmenssteuerung.



Praktische Beispiele

Industrie

  • Vibrationen erhöhen sich → OEE-Prognose fällt → automatische Wartungsplanung

  • Energieverbrauch steigt bei gleicher Ausbringung → Green-OEE sinkt

  • Ausschussquote steigt → Qualitäts-OEE fällt → Ursache: Werkzeugverschleiß


Dienstleistung

  • Ticketbearbeitung benötigt doppelt so lange → Leistungs-OEE sinkt

  • Viele Rework-Schleifen bei Reports → Qualitäts-OEE sinkt

  • Hoher Admin-Anteil → Verfügbarkeits-OEE sinkt


Zirkuläre Prozesse (Refurbishment)

  • OEE 5.0 vergleicht Effizienz von Reparatur vs. Neuproduktion


    → Grundlage für Kreislaufwirtschaftsentscheidungen.


Vor- und Nachteile

Vorteile

  • Echtzeit-Steuerung statt rückblickender Analyse

  • Verbindung von ökonomischer und ökologischer Effizienz

  • Service-Prozesse messbar mit industrieller Präzision

  • Grundlage für ESG, CSRD und Green Pricing

  • Reduktion von Stillständen und Rework

  • Verbesserte Mitarbeitendenzufriedenheit durch Human-Centric-Ansatz


Nachteile / Herausforderungen

  • Bedarf an IoT- / Dateninfrastruktur

  • Datenqualität entscheidet über Aussagekraft

  • Risiko des Over-Engineering (zu viele Parameter)

  • Change-Management-Aufwand im Team

  • Gefahr: reine Zahlenfokussierung statt Ursachenfokus



Zukunft & Trends

  • OEE als KI-Assistent: automatische Handlungsempfehlungen

  • Global Green OEE: Vergleichbarkeit von Nachhaltigkeitseffizienz

  • OEE 6.0? → Integration von Circularity + Carbon Pricing + Workforce Analytics

  • Dynamische Energiepreise als Steuerimpuls

  • Automated Customer Transparency: ERP informiert automatisch über drohende Verzögerungen



Anwendungsbeispiele (branchenübergreifend)

  • Produktion

  • Logistik & Supply Chain

  • IT & Softwareentwicklung

  • Beratung & Professional Services

  • Öffentliche Verwaltung

  • Gesundheitswesen

  • Bildung & Hochschulen


Überall dort, wo es Prozesse gibt, lässt sich OEE 5.0 anwenden.

Unser Senf (NextLevel Meinung)

OEE 5.0 ist keine Kennzahl – es ist ein Betriebssystem für moderne Wertschöpfung. Sie verbindet vielmehr Technik, Menschen, Nachhaltigkeit, Ressourcen, Daten und Prozesse zu einem einzigen Echtzeit-Kompass.


Für NextLevel College ist OEE 5.0 ein Paradebeispiel der Twin Transition:


digital + grün + menschlich + wirtschaftlich.


Damit passt sie perfekt zu unserem Anspruch, Studierende und Unternehmen auf die Zukunft der Organisationen vorzubereiten – datengetrieben, resilient und nachhaltig.

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