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IFRS 13 – Fair Value Measurement

Bewertung zum beizulegenden Zeitwert


Einleitung: Warum der beizulegende Zeitwert strategisch entscheidend ist

Der International Financial Reporting Standard 13 – Fair Value Measurement (IFRS 13; Bewertung zum beizulegenden Zeitwert) legt fest, wie Vermögenswerte und Schulden zum Fair Value (beizulegender Zeitwert) zu bewerten sind. Der beizulegende Zeitwert ist kein unternehmensindividueller Nutzwert, sondern ein marktbezogener Preis, der in einer geordneten Transaktion zwischen unabhängigen Marktteilnehmern am Bewertungsstichtag zustande käme.


Wichtig: Der beizulegende Zeitwert ist ein Exit‑Preis aus Sicht eines Marktteilnehmers, der den Vermögenswert hält: Es ist der Preis beim Verlassen einer Position (Exit), nicht der beim Einstieg (Entry). Diese Exit‑Preis‑Logik und die Marktperspektive sind Kernelemente der IFRS‑13‑Definition.


Mit International Financial Reporting Standard 18 – Presentation and Disclosure in Financial Statements (IFRS 18; Darstellung und Angaben im Abschluss) gewinnt die Transparenz solcher Bewertungen weiter an Gewicht: Überleitungen, Input‑Qualität und Sensitivitäten werden künftig systematischer und prüfbarer erwartet. IFRS 18 wurde am 9. April 2024 veröffentlicht und ist für Geschäftsjahre ab 1. Januar 2027 verpflichtend anzuwenden; eine frühere Anwendung ist zulässig.


IFRS 13 beantwortet drei Kernfragen:

  • Was ist Fair Value? – Ein marktbasierter Exit‑Preis, nicht der unternehmensspezifische Nutzwert (Value in Use).

  • Wie wird er bestimmt? – Über die Input‑Hierarchie (Level 1–3) und zulässige Bewertungsmethoden (Market/Cost/Income Approach).

  • Wie wird er offengelegt? – Über einheitliche, prüfbare Überleitungen (Reconciliations), Input‑Transparenz und Sensitivitätsanalysen, zunehmend im IFRS‑18‑Disclosure‑Backbone.



1) Fair‑Value‑Definition (IFRS 13)

Fair Value ist der Preis, der in einer geordneten Transaktion zwischen Marktteilnehmern am Bewertungsstichtag für den Verkauf eines Vermögenswerts oder die Übertragung einer Schuld gezahlt würde. Exit‑Preis‑Logik: Preis beim Ausstieg (Exit), nicht beim Einstieg (Entry).


Kernelemente: markt‑/teilnehmerbezogen, stichtagsbezogen, keine Notverkäufe.

2) Die Fair‑Value‑Hierarchie (Level 1–3)

IFRS 13 priorisiert Input‑Qualität: je beobachtbarer und marktnäher, desto höher die Verlässlichkeit.



Tabelle 1 – IFRS‑13‑Level

Level

Beschreibung

Typische Beispiele

Bewertungsqualität

Level 1

Notierte Preise in aktiven Märkten für identische Positionen

Börsennotierte Aktien/ETFs, liquide Anleihen

Höchste (direkt beobachtbar)

Level 2

Beobachtbare Inputs für ähnliche Positionen oder abgeleitete Marktinputs

Zinskurven, Credit Spreads (Kreditspreads), FX‑Forwards, Immobilien‑Multiples

Hoch, aber nicht identisch

Level 3

Nicht beobachtbare Inputs (Management‑Annahmen/Modelle)

Discounted Cash Flow – DCF (Barwertmodell), private Beteiligungen, komplexe Derivate

Niedrigste (Ermessensrisiko)

Hinweis: Level‑Shifts (z. B. 2 → 3) sind zu begründen; Level 3 verlangt Sensitivitäten für wesentliche Inputs (z. B. Weighted Average Cost of Capital – WACC; gewichtete durchschnittliche Kapitalkosten, Wachstumsraten, Multiples).



3) Bewertungsmethoden (Valuation Approaches)

IFRS 13 akzeptiert drei Approaches. Die Wahl folgt den Asset‑Eigenschaften und der Datenverfügbarkeit; in der Praxis ist Triangulation (Methoden‑Kombination) häufig.



Tabelle 2 – Methoden im Vergleich

Methode

Fokus

Vorteile

Grenzen/Fehlerquellen

Market Approach (Marktpreis‑Methode)

Vergleich mit Marktpreisen ähnlicher/identischer Assets

Objektiv, gut prüfbar

Comparables oft imperfekt; Qualitäts‑/Struktur‑Adjustments nötig

Cost Approach (Kostenmethode)

Wiederbeschaffung/Ersetzung

Stabil, unabhängig von Marktrauschen

Ertragskraft/Nutzungsvorteil teils unberücksichtigt

Income Approach (Ertragswert/DCF)

Zukünftige Cashflows + Diskontierung (WACC)

Flexibel, zukunftsorientiert

Hohe Modellabhängigkeit; Annahmen‑Bias (Level 3)

Akronyme (erstmals ausgeschrieben):

  • Discounted Cash Flow (DCF; Barwert künftiger Cashflows)

  • Weighted Average Cost of Capital (WACC; gewichtete durchschnittliche Kapitalkosten)



4) IFRS‑18‑Brücke: Offenlegung (Reconciliations), MPM & Sensitivitäten

IFRS 18 verlangt konsistente, prüfbare Überleitungen. Ein vollständiges Disclosure‑Set für Fair‑Value‑Objekte enthält:

  1. Valuation Technique (Market/Cost/Income) mit Begründung

  2. Level‑Zuordnung (1/2/3) mit Kriterien

  3. Wesentliche Inputs: Risk‑free Rate (risikofreier Zins), Market Risk Premium (Marktrisikoprämie), Beta (unlevered/relevered), Credit Spreads, Multiples, Illiquiditätsabschläge

  4. Sensitivitäten: ΔWACC, ΔCashflows, ΔMultiples, ΔTerminal‑Wachstum

  5. Reconciliation: Opening → Movements (Käufe/Verkäufe, Gewinne/Verluste, Transfers) → Closing

  6. MPM‑Hinweis (Management‑defined Performance Measures): Wenn bereinigte Kennzahlen dargestellt werden (z. B. EBITDA vor Fair‑Value‑Effekten“), ist die Überleitung zur IFRS‑Zahl offenzulegen – einschließlich klarer Beschreibung, welche Fair‑Value‑Anpassungen eliminiert wurden und warum.



Tabelle 3 – IFRS‑18‑Disclosure‑Spine (Kurz‑Checkliste)

Baustein

Inhalt

Nutzen

Technik

Market/Cost/Income (Begründung)

Verständlichkeit

Level

1/2/3 (Markt vs. Modell)

Vergleichbarkeit

Inputs

Rf, MRP, Beta, Spreads, Multiples

Prüfbarkeit

Sensitivität

ΔWACC, ΔCF, ΔMultiple, Δg (TV)

Risikotransparenz

Reconciliation

Opening → Transfers → Closing

Vollständigkeit

„vor/ohne FV‑Effekte“ → IFRS‑Zahl

Konsistenz/Transparenz



5) Einordnung im Value‑Stack (Wertschöpfung vom Kapital bis zum Marktwert)

  1. Capital Employed & Net Working Capital (CE & NWC; eingesetztes Kapital & betriebsnotwendiges Umlaufvermögen) bilden die Kapitalbasis.

  2. Return on Invested Capital (ROIC; Rendite auf das eingesetzte Kapital) misst die Ertragskraft der Kapitalbasis.

  3. Der Value Spread (ROIC – WACC; Wertschaffungsdifferenz) zeigt, ob die Rendite die Kapitalkosten übersteigt.

  4. Free Cash Flow (FCF; freier Cashflow) monetarisiert diesen Spread.

  5. Der Enterprise Value (EV; Unternehmenswert) ergibt sich als Barwert künftiger FCFF (FCF to Firm) in der Discounted‑Cash‑Flow‑Bewertung (DCF), abgeleitet mit WACC.

  6. IFRS 13 verlangt, die Inputs dieser Kette offen zu legen; IFRS 18 macht die Überleitung prüfbar.



6) DACH‑Kontext: Relevanz & Expertenfälle

  • Immobilien (International Accounting Standard 40 – IAS 40; als Investment Property): häufig Level 2/3; Kombination Market/Income üblich.

  • Banken (International Financial Reporting Standard 9 – IFRS 9; Finanzinstrumente): Derivate, Credit Spreads, Expected Credit Loss (ECL; erwarteter Kreditverlust)‑Overlays – überwiegend Level 2.

  • Private Equity/Venture: Level 3 via DCF/Multiples; Sensitivitäten sind prüfungsentscheidend.

  • M&A/International Financial Reporting Standard 3 – IFRS 3 (Business Combinations; Kaufpreisallokation – PPA):


    Leasingverbindlichkeiten nach International Financial Reporting Standard 16 (IFRS 16; Leasingverhältnisse) werden im Rahmen der Purchase Price Allocation (PPA; Kaufpreisallokation) zum Fair Value neu gemessen.


    Konkret: Der Erwerber misst die Leasingverbindlichkeit zum Barwert der verbleibenden Leasingzahlungen, als wäre der Vertrag am Erwerbsdatum neu abgeschlossen; das Nutzungsrecht (Right‑of‑Use‑Asset) wird grundsätzlich in gleicher Höhe angesetzt und um vorteilhafte/nachteilige Vertragskonditionen gegenüber dem Markt angepasst. Abweichungen zum Buchwert sind häufig und materiell – ein klassischer Expertenfall.



7) Typische Fehler & Missverständnisse

  • Zwangsverkäufe als Marktpreise interpretieren (keine geordnete Transaktion).

  • Comparables ohne Qualitäts‑/Struktur‑Adjustments übernehmen.

  • WACC fehlerhaft herleiten (falscher Risk‑free Rate, Beta ohne Entschuldung, willkürliche Market Risk Premium – MRP).

  • Level 3 ohne Sensitivitäten – Prüfungs‑K.O.

  • Terminal Value (TV; Endwert) mit unrealistischen ewigen Wachstumsraten.

  • Level‑Transfers nicht erläutern.

  • Working‑Capital‑/CAPEX‑Realismus im Income Approach vernachlässigen (FCF zu optimistisch).



8) Praxisbeispiel (kurz & anschaulich)

Eine Spezialmaschine hat keine börsennotierten Preise (kein Level 1).

  • Market Approach: Drei Transaktionen mit ähnlichen Maschinen, aber unterschiedlichen Restnutzungsdauern/Spezifikationen → Adjustments → Level 2.

  • Cost Approach: Wiederbeschaffung abzüglich technischer Obsoleszenz.

  • Income Approach (DCF): Konservativer Free Cash Flow, WACC sauber (risikofreier Zins, Marktrisikoprämie, Beta), Terminal Value via Gordon‑Growth.


Triangulation: Market & Cost liefern eine Bandbreite, der DCF liegt innerhalb; Sensitivitäten auf WACC ± 50 bp und TV‑Wachstum ± 0,5 pp runden ab.




NextLevel‑Vision-Exkurs – Tokenisierte Vermögenswerte & Real‑Time‑Fair‑Value - die Zukunft der Bewertung


(1) Ausgangspunkt: Warum Bewertung heute „zu langsam“ ist

Klassische Bewertung stützt sich auf Stichtage, Modelle und oft nicht beobachtbare Inputs (Level 3 nach IFRS 13). Das führt zu Diskretisierung (Quartal/Jahr), Ermessensrisiko und Prüfaufwand. Mit Tokenisierung lassen sich große Teile dieser Probleme auflösen: Marktpreise entstehen laufend, Liquidität wird messbar, Preisfindung transparent.



(2) Was genau wird tokenisiert? (Token‑Designs und Rechte)

Asset‑Backed‑Tokens (ABT; durch Vermögenswerte gedeckte Token) repräsentieren anteilige

Rechte an realen Assets:

  • Anlagevermögen (Property, Plant & Equipment, International Accounting Standard 16 – IAS 16): Maschinen, Immobilien, Fahrzeuge, Anlagen, IP‑Rechte.

  • Umlaufvermögen: Forderungen, Warenbestände (Warehouse Receipts), standardisierte Commodities.

  • Finanzanlagen: Anleihen, Aktien, Fondsanteile (bereits oft tokenisiert).


Rechtebündel (Beispiele): Cash‑Flow‑Ansprüche (Miete/Leasezahlung), Nutzungsrechte, Residualwerte, Sicherheitenrechte, Governance‑Rechte.


Hinweis Accounting (High‑Level): Die Bilanzierung beim Emittenten/Halter hängt vom Recht am Token ab (z. B. International Financial Reporting Standard 9 – IFRS 9; Finanzinstrumente, International Accounting Standard 38 – IAS 38; Immaterielle Vermögenswerte, IAS 16; Sachanlagen). Der Fair Value des Tokens selbst folgt IFRS 13 (Level 1/2/3), nicht automatisch Level 1.



(3) Market‑Microstructure: Wie Real‑Time‑Fair‑Value wirklich entsteht

Marktmilieu

Preisquelle

Level‑Zuordnung (IFRS 13)

Bemerkung

Liquides, reguliertes Orderbuch (Central Limit Order Book – CLOB)

Notierte Preise für identische Token

Level 1

„Aktiver Markt“ im IFRS‑Sinne erfüllt

Solider OTC/Automated Market Maker (AMM) mit beobachtbaren Parametern (Oracles, Referenzkurven)

Beobachtbare Inputs (Spreads, Kurven)

Level 2

Ableitung/Ähnlichkeit statt Identität

Dünne Liquidität, wenige Trades, modellbasierte Inputs

Interne Annahmen/Modelle

Level 3

Ermessensrisiko bleibt

Kernnutzen der Tokenisierung: Viele heutige Level‑3‑Fälle können – bei gutem Marktdesign – in Level 2 oder Level 1 überführt werden.



(4) DLOM neu gedacht: Illiquiditätsabschläge messbar machen

Illiquiditätsabschläge (Discount for Lack of Marketability – DLOM; Abschlag für fehlende Handelbarkeit) werden in Level‑3‑Bewertungen oft pauschal (z. B. 10–30 %, in Studien auch darüber) angesetzt. Tokenisierung ermöglicht objektive Liquiditätsmetriken (Handelshäufigkeit, Geld/Brief‑Spreads, Amihud‑Illiquidity, Orderbuchtiefe), sodass DLOM quantifiziert und – bei robustem Sekundärmarkt – signifikant reduziert oder eliminiert werden kann.


Kurzvergleich DLOM:

Situation

Heutiger Ansatz

Tokenisiert (Zielbild)

Kaum Handel

Pauschal 10–30 %

Datengetrieben (Spread, Volumen, Tiefe)

Sporadischer OTC

Grob‑Schätzungen

Parametriert (z. B. Volume‑Weighted Average Price – VWAP / Volumen‑Schwellen)

Liquider CLOB/AMM

Selten erreichbar

Kein DLOM (Level‑1‑nah)



(5) Sale‑and‑Lease‑Back im Token‑Zeitalter

Mechanik (vereinfacht): Asset wird in Asset‑Backed‑Token überführt (rechtlich sauber strukturiert). Dritte erwerben Token; das Unternehmen least via Smart Contract zurück.


Effekte:

  • Fair Value des Assets = laufender Marktpreis des Tokens (bei aktivem Markt).

  • Leasingkonditionen transparent (Zins, Tilgung, Restwertklauseln on‑chain).

  • Besicherung und Covenants programmierbar (Trigger, Collateral Calls).


IFRS‑16/IFRS‑3‑Experten‑Aspekt:

  • Bei Unternehmenszusammenschlüssen (IFRS 3; PPA) werden Leasingverbindlichkeiten nach IFRS 16 häufig zum Fair Value neu bewertet – oft abweichend vom fortgeführten Buchwert. Tokenisierte, transparente Marktparameter können diese PPA‑Bewertung objektiv stützen.

  • Sale‑and‑Lease‑Back nach IFRS 16 bleibt fachlich unverändert zu beurteilen (Sale‑Test nach International Financial Reporting Standard 15 – IFRS 15; Umsatzerfassung, Ansatz/Bewertung Right‑of‑Use‑Asset und Leasingverbindlichkeit, Gain/Loss‑Begrenzungen). Tokenisierung ändert die Logik nicht, liefert aber bessere Marktinputs.



(6) IFRS‑13‑Logik mit Token‑Preisen: Einordnung in Level 1–3

Nicht jeder Token‑Preis ist automatisch Level 1. Erforderlich ist ein aktiver Markt mit notierten Preisen für identische Positionen. Fehlt diese Evidenz, aber Inputs sind beobachtbar (z. B. Referenzkurven, belastbare Oracles, enge Spreads über Zeit), ist Level 2 angemessen; alles andere bleibt Level 3.


Mini‑Entscheidungsbaum (praktisch):

Plain Text

1) Existieren notierte Preise in aktivem Markt für identische Token (ausreichendes Volumen/Tiefe)?

   → Ja: Level 1

   → Nein:

2) Liegen beobachtbare, verlässliche Inputs (Spreads, Referenzkurven, Oracles) vor?

   → Ja: Level 2

   → Nein: Level 3

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(7) IFRS‑18‑Offenlegung & MPM‑Brücken (bereinigte KPI)

IFRS 18 verlangt konsistente, prüfbare Überleitungen (Reconciliations).Management‑defined Performance Measures (MPM; vom Management definierte Leistungskennzahlen): Werden bereinigte Kennzahlen berichtet (z. B. „EBITDA vor Fair‑Value‑Effekten“, „Ergebnis ohne Token‑Bewertungsgewinne“), ist offenzulegen:


  • Welche Fair‑Value‑Effekte wurden eliminiert und warum?

  • Wie ist die Überleitung zur IFRS‑Zahl?

  • Welche Inputs/Level liegen den Effekten zugrunde (Level 1/2/3)?


Das erhöht Vergleichbarkeit und Audit‑Fähigkeit.



(8) Audit‑Trail & Governance (damit Real‑Time prüfbar ist)

Risiko/Aspekt

Pragmatische Maßnahme

Wirkung

Oracle‑Integrität (Preiszuführung)

Mehrfach‑Oracles, Median‑Feeds, Reputationsfilter

Manipulationsresistenz

Markttiefe/Volumen

Mindest‑Volumen‑/VWAP‑Schwellen

Level‑Einordnung (1/2) stützen

Custody/Safekeeping

Qualifizierte Verwahrung, 2‑of‑3‑Multisig, Segregation

Eigentumsnachweis, Zugriffskontrolle

Smart‑Contract‑Risiko

Externe Audits, Upgradability‑Governance

Technische Sicherheit

KYC/AML (Know‑Your‑Customer/Anti‑Money‑Laundering)

Regelkonforme On‑/Off‑Ramp

Rechts‑/Compliance‑Sicherheit

Disclosure‑Pfade

Automatisierte Reconciliations (IFRS 18), MPM‑Brücken

Prüfungsfähigkeit



(9) Daten‑/IT‑Betrieb: Von On‑Chain zu DCF/EV

Pipeline (Konzept): On‑Chain‑Preise/Volumina → Preis‑Cleaner (Outlier‑Filter) → Level‑Check (L1/L2) → IFRS‑13‑Fair Value → IFRS‑18‑Disclosure (Inputs, Sensitivität, Reconciliation) → Discounted Cash Flow – DCF bei Bedarf → Enterprise Value (EV; Unternehmenswert).


KPI‑Stack (Auszug): Amihud‑Illiquidity, Bid‑Ask‑Spread, Order‑Book‑Depth, 30‑/90‑Tage‑Volume‑Weighted Average Price (VWAP), Trade‑Count, Slippage.



(10) Praxisnutzen für CFO, Controlling & Treasury

  • Weniger Level‑3 → niedrigeres Ermessensrisiko, schnellere Prüfung.

  • Real‑Time‑Collateral‑Werte für Finanzierungen und Covenants.

  • DLOM‑Reduktion → höhere Fair Values, bessere Leverage‑Fähigkeit.

  • Transparente Leasing‑ und PPA‑Bewertungen (IFRS 16/IFRS 3) mit objektiven Marktinputs.

  • Besserer Link zum Free Cash Flow (FCF; freier Cashflow) via Spread‑Monetarisierung und Token‑basierter Liquidity‑Governance.



(11) ACCA‑Fit (warum das in moderne Curricula wie bei NextLevel zwingend jetzt schon gehört)

Die Association of Chartered Certified Accountants (ACCA) priorisiert Digital Finance, Tokenization, Real‑Time Reporting, Governance und Ethics in Finance. Der CFO 2030 benötigt Bewertungskompetenz und Technologiekompetenz. Der Exkurs ist kompatibel mit ACCA‑Lernzielen in Financial Management, Advanced Financial Management, Strategic Business Leader und Corporate Reporting (insb. IFRS 13/18/9/16/3).



(12) Grenzen & Realismus (Handwerk statt Hype)

  • Rechtliche Struktur entscheidet, ob Token‑Preise Level 1 sind (nicht nur die Existenz eines Tokens).

  • Preis‑Qualität hängt an Marktdesign und Volumen.

  • Sale‑and‑Lease‑Back bleibt IFRS‑16/IFRS‑15‑Logik unterworfen – Tokenisierung erleichtert Inputs, ändert aber nicht die Bilanzierungsgrundsätze.

  • Corporate Governance (Rollen, IKS, Disclosure‑Prozesse) ist erfolgsentscheidend.



(13) Mini‑Checkliste für Pilotprojekte

  1. Use‑Case wählen (z. B. Maschine/Immobilie, Forderungspool).

  2. Rechtebündel definieren (Cashflows, Sicherheiten, Residualwerte).

  3. Marktdesign festlegen (Orderbuch/AMM, Oracles, Mindestvolumen).

  4. IFRS‑13‑Level‑Ziel bestimmen (L1 vs. L2) und Kriterien dokumentieren.

  5. IFRS‑18‑Disclosure‑Spine aufsetzen (Inputs, Sensitivität, Reconciliation, MPM‑Brücken).

  6. IKS & Audit‑Trail definieren (Oracles, Custody, KYC/AML, Smart‑Contract‑Audit).

  7. CFO‑KPIs und DLOM‑Parametrik implementieren.

  8. Testlauf (3–6 Monate), danach Roll‑out.

NextLevel‑Statement

„Fair Value ist die Schnittstelle zwischen Markt, Risiko und Zukunft. IFRS 13 liefert die Bewertungslogik, IFRS 18 die Prüfspur. Wer Levels, Techniken und Daten beherrscht, macht Bewertung vom Unsicherheitsfaktor zum strategischen Steuerungsinstrument.“



FAQs – IFRS13 - Fair Value Measurement (inkl. IFRS 18, IFRS 3/16, IFRS 9, Tokenisierung)


1) Was bedeutet der beizulegende Zeitwert (Fair Value) nach IFRS 13 in einfachen Worten?

Der Fair Value ist der Exit‑Preis, also der Preis, den ein Unternehmen am Bewertungsstichtag in einer geordneten Transaktion von unabhängigen Marktteilnehmern erhalten würde, um einen Vermögenswert zu verkaufen, bzw. zahlen würde, um eine Schuld zu übertragen. Es ist kein unternehmensspezifischer Nutzwert.


2) Exit‑Preis vs. Entry‑Preis – worin liegt der Unterschied?

Der Exit‑Preis ist der erzielbare Ausstiegs‑/Verkaufspreis am Stichtag; der Entry‑Preis beschreibt den Einstiegspreis/Anschaffungspreis. IFRS 13 bewertet konsequent aus Exit‑Preis‑Sicht des Marktteilnehmers, der den Vermögenswert hält.


3) Wie unterscheidet IFRS 13 die Level 1/2/3 der Fair‑Value‑Hierarchie?

  • Level 1: Notierte Preise in aktiven Märkten für identische Positionen.

  • Level 2: Beobachtbare Inputs für ähnliche Positionen oder abgeleitete Marktinputs (z. B. Zinskurven, Credit Spreads).

  • Level 3: Nicht beobachtbare Inputs (Management‑Annahmen, Modelle).


4) Welche Bewertungsmethoden (Valuation Approaches) akzeptiert IFRS 13?

Drei Approaches sind zulässig: Market Approach (Marktpreise/Multiples), Cost Approach (Wiederbeschaffung), Income Approach (z. B. Discounted Cash Flow – DCF; Barwertmodell mit Weighted Average Cost of Capital – WACC; gewichtete durchschnittliche Kapitalkosten). Häufig ist eine Triangulation (Kombination) optimal.


5) Wann ist Discounted Cash Flow (DCF) zulässig – und warum meist Level 3?

DCF bildet zukünftige Cashflows ab und diskontiert sie mit WACC; sind zentrale Inputs nicht beobachtbar (z. B. langfristiges Wachstum, illiquiditätsspezifische Zuschläge), fällt die Messung typischerweise in Level 3.


6) Was bedeutet Highest and Best Use (höchste und beste Nutzung) bei nicht‑finanziellen Vermögenswerten?

Es ist die marktbasiert beste Nutzung (physisch möglich, rechtlich zulässig, finanziell sinnvoll), unter der ein Marktteilnehmer den höchsten Fair Value ansetzen würde. Diese Prämisse kann von der tatsächlichen Nutzung abweichen.


7) Principal Market vs. Most Advantageous Market – welche Rolle spielt der Markt?

Primär gilt der Hauptmarkt mit dem größten Aktivitätsvolumen. Ist kein solcher verfügbar, ist der vorteilhafteste Markt (netto bester Preis nach Transaktions‑/Transportkosten) maßgeblich. Transaktionskosten beeinflussen nicht den Fair Value, Transportkosten ggf. schon (wenn Ort Merkmal des Assets ist).


8) Was ist die Unit of Account (Bewertungseinheit) – und warum wichtig?

Die Bewertungseinheit (Einzelasset, Gruppe, Portfolio) ergibt sich i. d. R. aus dem spezifischen IFRS‑Standard (z. B. IFRS 3, IFRS 9). IFRS 13 misst dann den Fair Value auf dieser Einheit – wichtig für die Zulässigkeit von Prämien/Abschlägen (z. B. Blockage‑Discounts sind bei Level‑1‑Einheiten unzulässig).


9) Sind Blockage‑Discounts im Fair Value erlaubt?

Für Level‑1‑Messungen nein: Ein Mengenabschlag, der nur entsteht, weil der Bestand groß ist, ist nicht zulässig. Der Einheitspreis des beobachteten Marktes ist maßgeblich.


10) Wie werden Schulden (Liabilities) ohne aktiven Markt bewertet?

Über Income/Market‑Methoden unter Einbezug des Nichtleistungsrisikos (Non‑Performance Risk), inkl. Own Credit Risk (Debt Valuation Adjustment – DVA). Der Fair Value reflektiert, was ein Marktteilnehmer für die Übertragung der Schuld fordern würde.


11) Wie gehe ich mit Bid‑Ask‑Spreads um?

Bei Level 1 kann je nach Marktpraxis Bid, Ask oder ein Mid‑Mark verwendet werden; maßgeblich ist das marktübliche Pricing für Käufer/Verkäufer am Stichtag.


12) Was ist der Unterschied zwischen Fair Value und Value in Use (IAS 36; Nutzungswert)?

Fair Value ist marktbasiert (Exit‑Preis). Value in Use ist unternehmensspezifisch (diskontierte, eigene Cashflows aus Nutzung). Bei Impairment‑Tests wird höherer Wert aus Fair Value less Costs of Disposal und Value in Use verwendet.


13) Welche Sensitivitäten sind bei Level 3 offenzulegen?

Wesentliche Unschärfen der Schlüssel‑Inputs (z. B. WACC, TV‑Wachstum, Multiples) plus Auswirkungsanalyse auf den Fair Value. Zusätzlich: Bewertungstechnik, Input‑Bandbreiten und Wechselwirkungen erläutern.


14) Was sind wiederkehrende vs. nicht‑wiederkehrende Fair‑Value‑Messungen?

Wiederkehrend: periodische FV‑Bewertungen (z. B. Investment Property im FV‑Modell). Nicht‑wiederkehrend: anlassbezogene FV‑Bewertungen (z. B. PPA am Akquisitionsdatum, Veräußerung).


15) Welche zusätzlichen Angaben sind bei Transfers zwischen Leveln nötig?

Wann und warum (z. B. Veränderung der Beobachtbarkeit), Richtlinie zur Bestimmung des Transferzeitpunkts, Überleitungsangaben (Opening → Transfers → Closing).


16) Was verlangt IFRS 18 zu Management‑defined Performance Measures (MPM) mit Fair‑Value‑Bereinigungen?

Wer bereinigte Kennzahlen berichtet (z. B. „EBITDA vor Fair‑Value‑Effekten“), muss eine klare Überleitung zur IFRS‑Zahl offenlegen, inkl. Beschreibung, welche FV‑Effekte eliminiert wurden und warum (Konsistenz, Prüfpfad).


17) Wie hängen IFRS 13 und IFRS 7 zusammen?

IFRS 13 regelt die Messung und hierarchische Klassifizierung; IFRS 7 fordert ergänzende Angaben (v. a. bei Finanzinstrumenten), u. a. Risiken, Methoden, Transfers und Sensitivitäten.


18) Welchen Einfluss hat IFRS 9 – Expected Credit Loss (ECL; erwarteter Kreditverlust) auf den Fair Value?

ECL beeinflusst Bonität/Risikoprämien und damit Credit Spreads (Level 2) sowie Cashflow‑Erwartungen (Level 3). Das kann den Fair Value von Forderungen/Anleihen/Derivaten verändern.


19) Wie verknüpft IFRS 3 – Business Combinations (PPA) die Fair‑Value‑Messung?

In der Purchase Price Allocation (PPA) werden identifizierbare Vermögenswerte/Schulden zum Erwerbszeitpunkt zum Fair Value bewertet; IFRS 13 liefert dafür die Messmethodik (inkl. Hierarchie, Inputs, Offenlegung).


20) Wie behandelt IFRS 3/IFRS 16 Leasingverhältnisse in der PPA?

Der Erwerber misst die Leasingverbindlichkeit zum Barwert der verbleibenden Leasingzahlungen, als wäre der Vertrag am Erwerbsdatum neu abgeschlossen; das Nutzungsrecht (Right‑of‑Use‑Asset) wird grundsätzlich in gleicher Höhe angesetzt und um vorteilhafte/nachteilige Vertragskonditionen gegenüber dem Markt angepasst.


21) Tokenisierung: Beeinflusst sie die Fair‑Value‑Hierarchie (Level 1/2/3)?

Ja. Aktive, liquide Märkte für Asset‑Backed‑Tokens (ABT; durch Vermögenswerte gedeckte Token) können Level‑1‑Preise ermöglichen. Beobachtbare Oracles/Kurven/AMM‑Parameter stützen Level‑2. Ohne beobachtbare Inputs bleibt Level‑3.


22) Was ist DLOM – Discount for Lack of Marketability und warum sinkt er bei Tokenisierung?

DLOM ist ein Illiquiditätsabschlag (oft zweistellig), weil ein Asset schwer veräußerbar ist. Tokenisierung liefert harte Liquiditätsmetriken (z. B. Volume‑Weighted Average Price – VWAP, Amihud‑Illiquidity, Bid‑Ask‑Spreads), was Abschläge reduziert oder eliminiert, wenn Märkte funktionieren.


23) Wie kalibriere ich Bewertungsmodelle (Model Calibration) und sichere Backtesting?

Kalibrierung bedeutet, Modelle auf beobachtbare Marktpreise zu justieren (z. B. Startperiode). Backtesting vergleicht Prognose‑ mit Realwerten, identifiziert Bias und verbessert Modelle/Prozesse (Governance).


24) Welche Governance braucht es für Fair‑Value‑Messungen?

Ein Valuation Control Framework mit Rollen & Verantwortlichkeiten, Methoden‑Policy, Modellvalidierung, Datenquellen‑Freigabe, Transfer‑Policy (Level‑Wechsel), Disclosure‑Checklisten und Audit‑Trail (IFRS‑18‑konforme Reconciliations).


25) Wie werden Transaktionskosten und Transportkosten in der Bewertung behandelt?

Transaktionskosten sind nicht Teil des Fair Value (sie sind geschäftsvorfallbezogen). Transportkosten werden berücksichtigt, wenn der Ort Merkmal des Assets ist (z. B. Rohstoff an einem bestimmten Hub).


26) Welche Rolle spielen Illiquiditäts‑ und Liquiditätsprämien in WACC/DCF?

Bei Income‑Approach (DCF) sind Illiquidität (z. B. DLOM) und Liquiditätsprämien konsistent zum Unit of Account und zur Methodik zu dokumentieren (nicht doppelt ansetzen – z. B. Prämie und DLOM).


27) Wie unterscheidet sich Fair Value von Net Realisable Value (NRV) (z. B. IAS 2 Vorräte)?

NRV ist unternehmensspezifisch (Verkaufspreis minus Fertigstellungs‑/Verkaufskosten). Fair Value ist marktbasiert (Exit‑Preis), ohne Transaktionskosten.


28) Wie gehe ich mit entity‑spezifischen Beschränkungen (restrictions) um?

IFRS 13 ignoriert entity‑spezifische Restriktionen, die Marktteilnehmer nicht betreffen würden (z. B. interne Veräußerungsverbote). Marktrelevante Beschränkungen (rechtlich/vertraglich) können preisbildend sein.


29) Welche Frequenz und Tiefe der Angaben sind sinnvoll?

Mindestens jährlich (bei Zwischenberichten ggf. aktualisiert), mit vollständigen Überleitungen und sensitiven Level‑3‑Angaben. Bei Materialitätsänderungen/Level‑Transfers: zeitnah anpassen.


30) Welche Prüfpfade erwarten Abschlussprüfer bei Level‑3?

Datenherkunft (Quellen/Oracles), Modellwahl (Begründung), Input‑Bandbreiten, Kalibrierung/Backtesting, Sensitivitäten, Governance‑Protokolle, IFRS‑18‑Reconciliations und ggf. MPM‑Brücken.


31) Wie hängen Fair Value, ROIC – Return on Invested Capital (Rendite auf eingesetztes Kapital) und WACC zusammen?

ROIC > WACC erzeugt Wertschaffung (Value Spread), die sich in Free Cash Flow (FCF; freier Cashflow) monetarisiert und über DCF den Enterprise Value (EV; Unternehmenswert) steigert. IFRS 13/18 stellen Messung und Offenlegung sicher.


32) Welche Kennzahlen eignen sich zur Token‑Liquiditäts‑Plausibilisierung?

VWAP (Volume‑Weighted Average Price), Bid‑Ask‑Spread, Order‑Book‑Depth, Amihud‑Illiquidity, Turnover‑Rate, Slippage – jeweils über relevante Zeitfenster (z. B. 30/90 Tage).


33) Gibt es Day‑1‑Gains/Losses Einschränkungen?

Bei Finanzinstrumenten (IFRS 9) sind Day‑1‑Gains/Losses eingeschränkt ergebniswirksam, wenn wesentliche Inputs nicht beobachtbar sind; Unterschiede werden oft abgegrenzt und über die Laufzeit aufgelöst.


34) Wie werden Investment Property (IAS 40) und Biological Assets (IAS 41) im Kontext IFRS 13 behandelt?

Beide Standards verweisen auf IFRS 13 für die Messlogik (sofern Fair Value verwendet wird). IAS 40 zeigt Gewinne/Verluste aus FV‑Änderungen ergebniswirksam; IAS 41 verlangt üblicherweise FV abzügl. Verkaufskosten.


35) Welche Dokumentation zur Methodenwahl erwartet der Markt?

Eine Methoden‑Policy je Asset‑Klasse, Begründung der Technik (Market/Cost/Income), Input‑Priorisierung, Kalibrierungsansatz, Transfer‑Policy (Level‑Wechsel), Disclosure‑Muster (IFRS‑18‑Spine) und Freigabe‑Workflow.


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