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Enterprise Value (EV) vs. Equity Value

Enterprise Value (EV) vs. Equity Value

Was der Markt für das gesamte Unternehmen bezahlt – und was am Ende beim Eigenkapital ankommt


Kurze Definition

Enterprise Value (EV) misst den Wert des operativen Geschäfts für alle Kapitalgeber (Eigen‑ und Fremdkapital). Equity Value ist der Wert des Eigenkapitals – also der Teil, der den Anteilseigner:innen gehört. In Bewertungen (DCF, Multiples) ist EV die neutrale Vergleichsgröße; im M&A‑Prozess erklärt die EV→Equity‑Bridge, warum der tatsächlich ausbezahlte Kaufpreis vom Headline‑EV abweicht.



EV und Equity Value – sauber unterschieden

  • Enterprise Value (EV) Wert der Kernoperationen unabhängig von der Finanzierungsstruktur. In DCF‑Modellen entsteht EV aus unverschuldeten Free Cashflows und dem WACC; in Relativbewertungen ist EV die Basis für EV/EBITDA, EV/EBIT oder EV/Sales.

  • Equity Value Wert des Eigenkapitals (börslich: Market Cap), bzw. in Transaktionen der Betrag, der nach Abzug von Nettofinanzschulden und definierten Anpassungen an die Verkäufer:innen fließt.

Formeln & Perimeter (kompakt)

Formel‑Box (BX)

EV (kapitalmarktnahe Kurzform): EV = Market Cap + Total Debt − Cash EV (erweitert, konsolidiert): EV = Market Cap + Net Debt + Preferred Equity + Non‑controlling Interest − Non‑operating Cash/Investments  Equity Value (Börse): Equity Value = Share Price × Fully Diluted Shares  Equity Value (Transaktion): Equity Value = EV − Net Debt − Debt‑like Items ± Working‑Capital‑Adjustment 

Hinweis zur Praxis: 

In Net Debt werden neben Bank‑/Anleiheverbindlichkeiten häufig IFRS‑16‑Leasingverbindlichkeiten als „debt‑like“ behandelt; Cash zählt nur, wenn frei verfügbar. Definitionen sind vertraglich festzuschreiben (Cash‑free/Debt‑free‑Konzept). [accaglobal.com]



Die EV→Equity‑Bridge – vom Headline‑Preis zum Auszahlungsbetrag

Die Bridge konvertiert den verhandelten Enterprise Value in den Equity Value am Closing:

  1. Net Debt (Zins‑/finanzierungsähnliche Verbindlichkeiten minus frei verfügbares Cash) → 1:1 Abzug/Zuschlag. [accaglobal.com]

  2. Debt‑like Items (wirtschaftlich schuldenähnliche Posten, z. B. Pensionsdefizite, bestimmte Steuer‑/Rückstellungspositionen) → reduzieren Equity Value.

  3. Working‑Capital‑Adjustment: Abweichung vom vereinbarten Peg (Normalniveau) erhöht/verringert den Kaufpreis Cent‑für‑Cent. Mechanik via Completion Accounts oder Locked‑Box. [accaglobal.com]


Warum das zählt: Zwei Unternehmen mit identischem EV können sehr unterschiedliche Eigenkapitalerlöse liefern – je nach Leverage, Cash‑Niveau, saisonalem Working Capital und den Definitionen im SPA.


Beispiele

A) Kapitalmarkt‑EV (vereinfachte Ableitung)

Market Cap CHF 2,0 Mrd., Debt CHF 0,8 Mrd., Cash CHF 0,2 Mrd. EV = 2,0 + 0,8 − 0,2 = CHF 2,6 Mrd. – Grundlage für EV‑Multiples (z. B. EV/EBITDA).


Formel‑Box (BX)

EV = Market Cap + Total Debt − Cash = 2,0 + 0,8 − 0,2 = 2,6 (in CHF Mrd.)

B) M&A‑Bridge (Closing‑Preis)

EV (Headline): CHF 500 Mio. Net Debt: CHF 90 Mio. (inkl. Leasingverbindlichkeiten; frei verfügbares Cash abgezogen) Working‑Capital‑Adjustment ggü. Peg: −CHF 10 Mio.Equity Value = 500 − 90 + (−10) = CHF 400 Mio. – der ausgezahlte Betrag fällt deutlich niedriger aus als der Headline‑EV. [accaglobal.com]


Einordnung für Bewertung & Steuerung

  • EV & DCF: EV ist das Ergebnis aus unverschuldeten Cashflows und WACC; die Kapitalkosten (u. a. Zinsstruktur/Spreads) wirken direkt auf den Barwert der Operationen.

  • Multiples: EV‑Multiples sind kapitalstruktur‑neutral und erlauben saubere Peer‑Vergleiche, während P/E vom Leverage stark beeinflusst wird.

  • Zins‑ und Verschuldungsumfeld: Steigende Spreads/Zinsen erhöhen Kd und können EV (DCF) drücken; gleichzeitig erhöht hoher Net Debt den Abzug in der EV→Equity‑Bridge.



ACCA & CIMA – Prüfungskontext (kompakt)

  • ACCA FM/AFM: Abgrenzung EV vs. Equity, DCF (FCFF→EV vs. FCFE→Equity), Perimeter (NCI/Preferred), EV‑Multiples.

  • CIMA F3: Kapitalstruktur, WACC, M&A‑Mechanismen (Bridge, Peg, Completion vs. Locked‑Box).


Formel‑Box (BX) – Mini‑Check (CHF)

Gegeben: EV CHF 1 200 Mio., Net Debt CHF 350 Mio., WC‑Adj +CHF 15 Mio. Equity Value = 1 200 − 350 + 15 = CHF 865 Mio. Interpretation: Net‑Debt‑Reduktion und „normales“ Working Capital erhöhen unmittelbar den Eigenkapitalwert.

NextLevel‑Statement

Enterprise Value vs. Equity Value ist für uns kein Zahlendreher, sondern die Übersetzung von „Wert“ in „wirksame Entscheidungen“. Wir denken Bewertungen immer doppelt: erst wertorientiert (EV via NOPAT → ROIC → WACC), dann transaktionsfest (Equity Value via EV→Equity‑Bridge mit klar definiertem Net Debt, debt‑like Items, Working‑Capital‑Peg und – bei Locked‑Box – sauberer Leakage‑Prävention). So wird aus einem Headline‑Multiple ein belastbarer Auszahlungsbetrag – und aus Top‑Line‑Rhetorik nachhaltige Wertschaffung. Unsere Regel: Definitionen zuerst, Entscheidungen danach. Nur was präzise definiert, modelliert und vertraglich verankert ist, schützt den Wert im Closing – und verdient den Namen NextLevel.




FAQ zu Enterprise Value (EV) vs. Equity Value

  1. Wozu dient EV überhaupt? EV ist die vergleichbare Größe für Firmenwerte (DCF, Comps); sie blendet die Finanzierung aus und betrachtet den Wert der Operationen.

  2. Warum nicht einfach die Marktkapitalisierung nehmen? Market Cap ist Equity Value und ignoriert Schulden/Cash; für M&A und Comps führt das oft zu schiefen Vergleichen.

  3. Was zählt typischerweise in Net Debt? Zins‑/finanzierungsähnliche Verbindlichkeiten (inkl. IFRS‑16‑Leases) minus frei verfügbare liquide Mittel; Details sind vertraglich zu präzisieren. [accaglobal.com]

  4. Weshalb wird NCI dem EV zugerechnet? Bei Konsolidierung werden 100 % der Leistung erfasst; NCI spiegelt Ansprüche Dritter und gehört deshalb in den EV‑Perimeter.

  5. Wie entsteht der Equity‑Preis im Kaufvertrag? Über die EV→Equity‑Bridge: Net Debt, Debt‑like Items und Working‑Capital‑Abweichung zum Peg bestimmen den Auszahlungsbetrag.

  6. Completion Accounts vs. Locked Box – was ändert sich? Es ändert sich wann und wie angepasst wird (Zeitpunkt/Mechanik), nicht das Prinzip der Bridge.

  7. Welche Multiples sind „EV‑Multiples“? EV/EBITDA, EV/EBIT, EV/Sales; auf Equity‑Seite z. B. P/E.

  8. Wie beeinflussen Zinsen den Equity‑Wert? Über WACC (DCF‑EV) und über Net‑Debt‑Höhe in der Bridge; höhere Zinsen/Spreads verschlechtern beide Seiten.

  9. Gibt es eine „richtige“ Net‑Debt‑Definition? Es gibt Marktpraktiken, aber jede Transaktion definiert präzise, was als cash/debt/debt‑like zählt – Definitionen gewinnen Deals.

  10. Warum ist Cash nicht immer voll anzurechnen? Nur frei verfügbares Cash erhöht den Equity‑Wert; „trapped cash“ oder besicherte Guthaben zählen nicht 1:1. [accaglobal.com]



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