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SPPI-Killer

Definition

Ein SPPI‑Killer bezeichnet eine vertragliche oder wirtschaftliche Klausel in einem Finanzinstrument, die dazu führt, dass der SPPI‑Test (Solely Payments of Principal and Interest) nach IFRS 9 nicht bestanden wird. Die Folge ist gravierend: Das Instrument darf nicht zu fortgeführten Anschaffungskosten (Amortized Cost) oder FVOCI (Fair Value through Other Compehensive Income) bewertet werden, sondern muss erfolgswirksam zum Fair Value (FVTPL = Fair Value through Profit or Loss) bilanziert werden. FVOCI = Fair‑Value‑Bewertung mit Ergebnis‑Puffer im OCI (nur bei bestandenem SPPI‑Test)

FVTPL = Fair‑Value‑Bewertung ohne Filter, alle Schwankungen direkt in der GuV/ER


Kurz zusammengefasst:

  • SPPI‑Killer = Klassifikationsbruch: Das Aus für die einfache Bilanzierung unter IFRS 9.

  • Finanzielles "GuV-Lotto": Erzwungene Bewertungsvolatilität zerstört die Planungssicherheit.



Kurze Beschreibung

Der SPPI‑Test prüft, ob die vertraglichen Cashflows eines Finanzinstruments ausschließlich aus Tilgung und Zinsen bestehen, wobei Zinsen nur den Zeitwert des Geldes, das Kreditrisiko und eine angemessene Marge abgelten dürfen. Enthält ein Vertrag zusätzliche Mechaniken, die diese Logik durchbrechen, wirkt er als SPPI‑Killer – oft unbemerkt, aber mit massiver Auswirkung auf GuV, Kennzahlen und Covenants (Kreditauflagen).

Ausführliche Beschreibung – warum SPPI‑Killer so gefährlich sind

In der Praxis scheitert SPPI selten an der „Zins/Tilgung‑Basis“, sondern an gut gemeinten Zusatzklauseln: Risikoabsicherung, Performance‑Kopplungen, Nachhaltigkeitsmechaniken. Koppeln sie Cashflows an fremde Variablen, die nicht das Kreditrisiko des Schuldners bzw. den Zeitwert des Geldes adressieren, fällt der SPPI‑Test.


Typische Auslöser (Praxisrealität):

  • Aktien‑/Rohstoff‑/breite Marktindizes ohne Schuldnerbezug

  • Disproportionale Hebel („leveraged features“)

  • ESG‑Klauseln mit Branchen‑/Index‑Bezug statt eigener Performance

  • Asymmetrische Upside/Downside‑Profile über normale Zinsmargen hinaus

  • Fremdwährungs‑Optionalitäten mit Derivat‑Charakter



IFRS‑18‑Dimension: IFRS 18 verlangt klarere, kategorieadäquate Darstellung der Ergebnisbestandteile. Fair‑Value‑Änderungen aus FVTPL‑Instrumenten erhöhen die Transparenz‑ und Reconciliationspflichten (MPMs/Überleitungen), was Vergleichbarkeit und Kommunikationsaufwand spürbar beeinflusst – insbesondere bei Finanzierungsdarstellung und Kapitalmarkt‑Narrativ.



Begriffsdefinitionen:

  • FVOCI (Fair Value through Other Comprehensive Income) bezeichnet eine IFRS‑9‑Bewertungskategorie, bei der ein Finanzinstrument zum Fair Value bilanziert wird, laufende Wertänderungen jedoch nicht direkt die Gewinn‑ und Verlustrechnung, sondern zunächst das Sonstige Ergebnis (OCI) beeinflussen. Erst bei Veräußerung oder Ausbuchung werden diese Effekte in die GuV überführt. FVOCI ist nur zulässig, wenn der SPPI‑Test bestanden wird und das Geschäftsmodell auf Halten und gelegentliches Verkaufen ausgerichtet ist.


  • FVTPL (Fair Value through Profit or Loss) bedeutet die erfolgswirksame Bewertung zum Fair Value, bei der sämtliche Wertänderungen unmittelbar in der GuV erfasst werden. Diese Kategorie ist zwingend anzuwenden, wenn der SPPI‑Test nicht erfüllt ist oder das Instrument strukturell marktpreisabhängig ist.


Merksatz: Ein SPPI‑Killer verwandelt Finanzierung in Marktrisiko – mit GuV‑Volatilität als Dauerbegleiter.


„Rote Liste“ – typische SPPI‑Killer (kompakt)

  • Indexierte Cashflows an Rohstoff/Inflation/Aktien ohne direkten Kreditrisiko‑Bezug

  • Hebelwirkungen (z. B. 1,5× Referenzzins) ohne klare Begrenzung

  • ESG‑Mismatch (externe Benchmarks statt eigene KPI‑Erfüllung)

  • Asymmetrische Strukturen weit über normale Zinsanpassung hinaus

  • Währungs‑Features mit faktischem Optionsprofil



Bilanzielle Auswirkungen – Erosion der Planungssicherheit

  • FVTPL‑Zwang: Bewertung zum Fair Value mit Ergebniswirkung.

  • Ergebnisvolatilität: Marktschwankungen treffen direkt die GuV.

  • Covenant‑Stress: Leverage/Interest‑Coverage werden volatiler.

  • WACC‑Druck: Wahrgenommenes Risiko und Spreads können steigen.

  • Audit‑Aufwand: Bewertungsmodelle, Sensitivitäten, Disclosure‑Tiefe nehmen zu.



NextLevel‑Spezial: Data Contracts & Agentic AI

In einer modernen Finance‑Architektur lassen sich SPPI‑Risiken früh und skalierbar entschärfen:

  • NLP‑Screening (Entwurfsphase): Agentic‑AI scannt Vertragsentwürfe auf Signalwörter und Muster („index‑linked“, „leverage“, „commodity“, „FX option“).

  • Data‑Contract‑Guard (Onboarding): Vertragsparameter werden semantisch erfasst (Zinsformel, Trigger, Caps/Floors). SPPI‑Klassifizierung ist Pflichtfeld; ohne eindeutiges Tag kein Produktiv‑Import.

  • Refinanzierungs‑Stopplogik: Steht das Instrument auf „SPPI‑Risk: High“, wird keine automatische Refinanzierung/Allokation ausgelöst – Human‑in‑the‑Loop ist zwingend.



DACH‑Navigator – typische Praxisfallen

  • Sustainability‑Linked Loans: Zinsanpassung nicht an eigene KPI‑Erfüllung gebunden, sondern an externe Indizes → SPPI‑Risiko.

  • Inhouse‑Finanzierungen/Cash‑Pooling: Komplexe interne Mechaniken mit impliziten Derivat‑Anteilen.

  • Hybride (Bank/Gesellschafter): Nachrang + Performance‑Trigger → FVTPL‑Pflicht wahrscheinlich.



NextLevel‑Ampel (sofort nutzbar)

Grün – in der Regel SPPI‑konform

  • Zins = Referenzsatz ± fixe Marge, Caps/Floors angemessen

  • ESG‑Step‑up/Step‑down direkt an eigene KPI gebunden (z. B. CO₂‑Reduktion des Kreditnehmers)

  • Keine Hebel > 1×, keine externen Marktindizes

Gelb – genau prüfen/strukturieren

  • Korridore mit breiten Caps/Floors, atypische Day‑Count/Reset‑Mechanik

  • ESG‑Komponenten mit Daten‑/Messunsicherheiten (Definitionen vertraglich schärfen)

  • Währungs‑Klauseln mit wirtschaftlich begrenzter Optionalität

Rot – hohe SPPI‑Killer‑Wahrscheinlichkeit

  • Zins an Rohstoff/Aktien/Branchenindizes gekoppelt

  • Leveraged features (> 1× Referenzzins) ohne harte Begrenzung

  • Asymmetrische Payoffs oder eingebettete Optionen ohne klare Trennung



Mini‑Formulierungen (zur Orientierung, nicht als Rechtsberatung)

Riskant (rot):

„Interest shall equal 1.5 × 6M‑EURIBOR plus margin; adjustment linked to the Commodity Index XX.“

Besser (grün):

„Interest equals 6M‑EURIBOR plus fixed margin. ESG step‑up/down applies solely to borrower’s verified CO₂‑reduction KPI, with ±10 bp cap, measured per Annex A.“

(IFRS‑9‑Beitrag „Green Pricing“ vertieft genau diese Abgrenzung; im Glossar nur Begriffsklarheit, die Details liegen im Blog.)



NextLevel‑Praxischeck

  • Haben wir eine SPPI‑Review vor Vertragsabschluss (Checkliste + 4‑Augen‑Prinzip)?

  • Sind ESG‑Klauseln explizit an eigene KPI gebunden – mit Mess‑/Assurance‑Logik?

  • Sind Data Contracts für Vertragsparameter aktiv (Semantik‑Pflichtfelder, Versionskontrolle)?

  • Ist FVTPL‑Risiko in Covenants/Planung einkalkuliert (Sensitivitäten, Spreads)?


NextLevel‑Statement

„SPPI‑Killer sind keine theoretische IFRS‑Fallen, sondern echte Wertvernichter. Wer sie übersieht, tauscht stabile Finanzplanung gegen GuV‑Volatilität – oft ohne es zu merken. Erst durch Connectivity und intelligente Datenverträge wird diese Gefahr beherrschbar.“

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