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Kosten‑Wirkungskette (Cost Impact Chain)

Wie operative Entscheidungen Kostenstruktur, Marge und Wettbewerbsfähigkeit steuern


Kurzdefinition (DE/EN)

DE: Die Kosten‑Wirkungskette beschreibt die kausale Verbindung zwischen Prozessgestaltung, Ressourceneinsatz und Kapazitätsnutzung einerseits und Stück‑, Prozess‑ und Periodenkosten andererseits – mit direkter Wirkung auf Deckungsbeitrag, Marge, Pricing und Wettbewerbsfähigkeit.


EN: The Cost Impact Chain explains how process design, resource allocation and capacity utilization drive unit, process and period costs, directly shaping contribution margin, profitability and pricing.


IFRS‑Rahmen (IAS 2): Herstellungskosten umfassen Kosten des Erwerbs, Konvertierungskosten (einschließlich produktionsbezogener Overheads) sowie andere Kosten, um Vorräte an ihren derzeitigen Ort/Zustand zu bringen; die Allokation muss rational und konsistent erfolgen (IAS 2.10–13, 12). Abnormale Verschwendungen sind nicht zu aktivieren, sondern ergebniswirksam zu erfassen (IAS 2.16).(Quelle: IFRS Foundation, IAS 2 – „Inventories“) (ifrs.org) 

Ausführliche Erklärung

Kosten entstehen im Prozess, Wahrheit entsteht in der Allokation.

Taktzeiten, Rüstkonzepte, Ausschuss, Energieeinsatz, Nacharbeit, interne Logistik und Planungstreue bestimmen die Einheitenkosten und die Fixkostenlast pro Output. Das Controlling übersetzt diese Realität in Herstellkosten (IAS 2), COGS, Deckungsbeiträge und Bewertungen (Bestände/NRV).


  • Direkte Kosten (Material, ggf. Energie je Teil) reagieren unmittelbar auf Prozessverbesserungen.

  • Indirekte Kosten (Overheads) benötigen kausale Schlüssel (z. B. Maschinenstunden, Rüstvorgänge); pauschale Umlagen verfälschen Produktmargen und führen zu Fehlentscheidungen (Pricing, Make‑or‑Buy).

    (Weiterführend: Oxera zur Allokation indirekter Kosten) (oxera.com)

    (Harmonisierung von Management Accounting & IFRS: PwC) (pwc.pl)


Spezialfall Energie: 

Wenn maschinenscharfe kWh pro Teil belastbar gemessen werden (OEE‑5.0/Green‑OEE), kann Energie direkt auf das Produkt zugeordnet werden (IAS 2‑konform). Bei pauschaler Verteilung drohen Verzerrungen in COGS/DB.(OEE‑Grundlagen: Nakajima/TPM, Emerson Guide; siehe unten) (Wikipedia – OEE) • (Emerson OEE 101)


Wirkungspfad (Chain‑of‑Impact)

Prozessdesign / Kapazität / Qualität / EnergieKonvertierungskosten (direkt & indirekt, IAS 2)Herstellungskosten je EinheitDeckungsbeitrag / Marge / PreissetzungCOGS & Bestandsbewertung (IFRS)Working Capital & CCC (Cash Conversion Cycle)



KPI‑System (Steuerung auf Shopfloor & in Finance)


A) Operativ (die Treiber)

1) Stückkosten (€/Stk.)

Formel:

Stückkosten = [Material direkt + Energie direkt + (Zeit je Teil × Tarif) + prozessnahe Kosten ± Ausschussanteil] / Gutteile

Daten: Materialverbrauch, kWh/Teil, Taktzeit/Personalzeit, Ausschussquoten.

Nutzen: Sofort sichtbarer Effekt von Takt/Parametern/Qualität.


2) Rüstkosten je Wechsel (€/Wechsel)

Formel:

Rüstkosten = Rüstzeit × Stundensatz (+ Energie/Material während Rüsten, falls relevant)

Nutzen: SMED‑Hebel, Losgrößen‑Optimierung, Kleinlos‑Preisstrategie.


3) OEE‑Leistungsgrad‑Wirkung → Kosten-Kette:

Δ Performance (%) → Δ kWh/Teil → Δ €/Teil

Bezug: OEE misst Availability × Performance × Quality; Performance‑Verlust erhöht meist Energie/Teil.(OEE‑Quellen) (Wikipedia – OEE) • (Emerson OEE 101)


4) Ausschussquote (%) & CoPQ (Cost of Poor Quality)

Formel (einfach):

CoPQ = Nacharbeitskosten + Ausschusswert + Garantie/Reklamationskosten

5) NEU: CoNC – Cost of Non‑Conformance

Definition: Mehrkosten durch Prozessabweichungen außerhalb des Standard‑Herstellprozesses, nicht bereits in CoPQ erfasst – z. B. Eil‑Logistik/Sonderfahrten, Ad‑hoc‑Instandhaltung (Nacht/Feiertag), außerplanmäßige Rüstungen, Express‑Beschaffung oder Energie‑Peaks aufgrund Unplanbarkeit.

Formel:

CoNC = Σ Sonderkosten je Ereignis (monatlich)

Steuerung: Ereignis‑Taxonomie, Root‑Cause (5‑Why), Pareto, Monats‑Ticker.


Hinweis zu Energie‑Peaks: In DE werden Kapazitäts-/Leistungsentgelte häufig über 15‑Min‑Höchstlast bestimmt; ungeplante Peaks erhöhen Jahreskosten überproportional. (gridX, Capacity Tariffs)



B) Finanziell (IFRS‑tauglich & Boardroom)


6) Konvertierungskostenquote (%)

Konvertierungskostenquote = Konvertierungskosten / Herstellungskosten gesamt

IFRS‑Bezug: Konvertierungskosten sind Bestandteil der Herstellungskosten; rationale, konsistente Allokation gefordert (IAS 2.12–13).(IFRS – IAS 2)


7) Overhead‑Allokationsgüte (Varianz)

Allokationsgüte = Kosten (kausal) – Kosten (pauschal)  [je SKU/Produktgruppe]

Nutzen: Zeigt Margenverzerrungen durch Pauschalen; Grundlage für Treiber‑Review.(Oxera – Indirect Cost Allocation)


8) DB I–III pro SKU/Kunde

Vorgehen: Energie & Rüstkosten direkt ansetzen, wo kausal; differenziertes DB‑Reporting für Pricing, Delisting, Mix‑Optimierung.(IFRS/MA‑Harmonie) (PwC – Management accounting & IFRS)


9) COGS‑Transparenz je SKU

Ziel: Anteil direkter vs. allokierter Komponenten in COGS zeigen (Erklärbarkeit, Audit‑Festigkeit, NRV‑Prüfung).(IFRS – IAS 2)


10) NEU: Variance Analysis (Plan/Ist) – inkl. IAS‑2‑Hinweis

Zweck: Systematischer Abgleich Standard‑Herstellungskosten (Plan) vs. Ist (Preis‑, Mengen‑, Mix‑, Effizienz‑, Scrap‑, Energie‑, Set‑up‑Varianzen).


IFRS‑Konsequenz: Abnormale Verschwendungen (z. B. ungewöhnlich hoher Ausschuss/Leerlauf) dürfen nicht aktiviert werden, sondern periodenwirksam (IAS 2.16).(IFRS – IAS 2) • Überblick (iasplus.com)


Ampellogik (Beispiel für Board‑Pack):

  • Rot: |Ist − Plan| > 5 % der Herstellkosten oder > 2 % vom Umsatz

  • Gelb: 2–5 %

  • Grün: < 2 %



Dashboard‑Design (Operativ & Finance)

Shopfloor (täglich/schichtweise):

  • kWh/Teil, Stückkosten‑Trend, Rüstkosten‑Trend, Ausschuss‑%

  • CoNC‑Ticker (Summe Woche; Top‑3 Ereignisse; Verantwortliche)


Finance (monatlich):

  • Konvertierungskostenquote (Soll/Ist)

  • Overhead‑Allokationsgüte (Top‑5 Verzerrungen)

  • DB I–III nach SKU/Kunde (Monat/Jahr‑zu‑Datum)

  • Variance‑Bridge Plan → Ist (Preis, Menge, Mix, Energie, Rüstungen, Scrap)

  • IAS‑2‑Hinweis: Abnormale Verluste separat & ergebniswirksam


ESG‑Kompass (CSRD/ESRS‑ready):



Praxisbeispiel (Industrie, vereinfachte Zahlen)

Ausgangslage: Mehrprodukt‑Linie mit häufigen Rüstungen; Energie pauschal pro Kostenstelle, Instandhaltung pauschal; DB je SKU wenig differenziert.


Intervention (90 Tage):

  1. Maschinenscharfe kWh/Teil & 15‑Min‑Lastgänge erheben (Green‑OEE).

  2. Kausale Allokation: Energie pro Gutteil, Rüstkosten je Wechsel, Instandhaltung nach Laufzeit/Betriebsstunden.

  3. DB‑Schema neu; Pricing angepasst; Kleinlos‑Zuschläge eingeführt; SMED‑Projekt.

  4. CoNC eingeführt: Eil‑Logistik/Sonder‑IH separat erfasst; Monats‑Pareto.

  5. Variance‑Analysis im Monats‑Close; abnorme Verluste P&L (IAS 2).


Ergebnis (12 Monate):

  • −8 % Stückkosten (Hotspots adressiert)

  • +2,5 pp Bruttomarge (präziseres Pricing + weniger Ausschuss)

  • Bestandsbewertung robuster, weniger IFRS‑/MA‑Abweichungen

  • Working‑Capital‑Entlastung über Losgrößen/Planung (Querlink: Cashflow‑Wirkungskette)



90‑Tage‑Fahrplan (pragmatisch)

0–30 Tage – Diagnose:

  • Top‑10 SKUs (Umsatz/DB) selektieren; Kostenauflösung prüfen

  • Allokationslandkarte: Was ist direkt kausalisierbar (Energie, Rüstungen, Laufzeit)?

  • Gap IFRS ↔ Management Accounting dokumentieren


31–60 Tage – Design & Pilot:

  • Kostenmodell (direkt/indirekt) & Allokationsschlüssel (IAS 2‑konform) festlegen

  • Pilotlinie: Energie direkt; Rüstungen je Wechsel; Variance‑Design


61–90 Tage – Rollout & Steuerung:

  • DB‑Reporting je SKU/Kunde; Preis‑Playbook aktualisieren

  • Governance: Allokationsdoku, jährlicher Schlüssel‑Review, Audit‑Trail

  • ESG‑Metriken (ESRS E1) an KPI‑System anbinden



Risiken & Kontrollen

  • Fehlallokation Overheads → Kontrolle: Treiber‑Review, Sensitivität, Jahres‑Rekalibrierung (Audit‑Trail) (Oxera)

  • Datenbrüche MES ↔ Finance → Kontrolle: Daten‑Lineage, Monats‑Abstimmung, Standard‑Kostenregeln (PwC)

  • Varianzen „glattziehen“ → Kontrolle: Root‑Cause + IAS‑2‑Konformität (abnorme Verluste P&L) (IFRS – IAS 2)

  • CoNC doppelt mit CoPQ → Kontrolle: Taxonomie/Booking‑Pfad trennen; Monats‑Pareto


FAQs

F1: Warum ist die Allokation so kritisch für Marge und IFRS?

Weil IAS 2 eine rationale, konsistente Zurechnung verlangt. Pauschale Schlüssel verzerren Herstellkosten, Bestandswerte und DB – und führen zu Fehlentscheidungen (Pricing, CAPEX).(IFRS – IAS 2) • (Oxera)


F2: Soll Energie als direkte Herstellungskosten angesetzt werden?

Ja, wenn kausal messbar (z. B. kWh/Teil pro Maschine). Sonst treiberbasiert (Maschinenstunden) – aber dokumentiert.(IFRS – IAS 2)


F3: Wie hängt das mit ESRS/CSRD zusammen?

ESRS E1 fordert Energie‑/Intensitätsmetriken. Eine kausale Kostenkette erzeugt prüfbare Datenpfade vom Shopfloor bis zur Berichterstattung.(EFRAG – ESRS E1) • (KEY ESG – Datapoints)


F4: Was unterscheidet CoPQ und CoNC?

CoPQ bewertet Qualitätsverluste (Fehlteile, Nacharbeit, Reklamationen); CoNC erfasst Sonder‑/Abweichungskosten außerhalb des Standard‑Prozesses (Eil‑Logistik, Ad‑hoc‑IH, Express‑Beschaffung, Peak‑Energie).


F5: Wie verhindere ich, dass Varianzen in Beständen „verschwinden“?

Mit einer Variance‑Analysis und IAS‑2‑Disziplin: Abnorme Verluste werden ergebniswirksam erfasst, nicht aktiviert.(IFRS – IAS 2)


NextLevel‑Statement (Kosten)

„Kosten entstehen im Prozess – Wahrheit entsteht in der Allokation. Wer Konvertierungskosten kausal macht und Energie richtig zuordnet, steuert Margen statt zu schätzen.“


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