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BEPS 2.0 / Pillar 2: Globale Mindestbesteuerung

NextLevel‑Edition 2026 – IFRS‑18‑ready & Geopolitics‑Analysis


Kurze Definition

BEPS 2.0 Pillar 2 ist das OECD‑Regelwerk zur Einführung einer globalen Mindeststeuer von 15 % für multinationale Konzerne mit konsolidiertem Umsatz ≥ EUR 750 Mio. pro Jahr (i. d. R. in 2 der 4 Vorjahre). Kern sind die GloBE‑Regeln (Global Anti‑Base Erosion), die eine jurisdiktionsbezogene ETR‑Prüfung und ggf. eine Top‑Up‑Tax auslösen. [oecd.org], [taxation-c....europa.eu]




Ausführliche Erklärung

Pillar 2 etabliert einen weltweit koordinierten Mechanismus: Für jede Jurisdiktion ist die Effektive Steuerquote (ETR) zu bestimmen; liegt sie unter 15 %, fällt eine Top‑Up‑Tax an. Die Nacherhebung erfolgt über drei ineinandergreifende Regeln: [oecd.org]


  • QDMTT (Qualified Domestic Minimum Top‑Up Tax) – lokale Mindeststeuer im betroffenen Land, die den Unterschied zur 15 %-Schwelle nacherhebt. [oecd.org]

  • IIR (Income Inclusion Rule) – Nacherhebung im Sitzstaat der Konzernmutter (primäre Regel). [eur-lex.europa.eu]

  • UTPR (Undertaxed Profits Rule) – Backstop‑Regel, verteilt verbleibende Top‑Up‑Steuern auf andere Konzerngesellschaften (typisch via Abzugsversagung). [eur-lex.europa.eu]

DACH‑Update (2024–2026)EU: Die Richtlinie (EU) 2022/2523 verpflichtet Mitgliedstaaten zur Umsetzung ab 2024 (IIR) bzw. 2025 (UTPR). Schweiz: QDMTT seit 1.1.2024 in Kraft; IIR ab 1.1.2025, UTPR vorerst ausgesetzt. [eur-lex.europa.eu], [taxation-c....europa.eu] [kpmg.com], [oecdpillars.com]

Experten‑Fokus: Die „Devilish Logic“ der Kapital‑Allokation

Was als Kampf gegen Steueroasen begann, wirkt tief in Investitions‑ und Standortentscheidungen hinein:


  1. Subventions‑Wettlauf statt Steuer‑Wettlauf Da Steuervergünstigungen durch die Top‑Up‑Tax neutralisiert werden, verlagern Staaten Anreize in Zuschüsse/Refundable Credits (z. B. IRA in den USA). Das begünstigt kapitalstarke Länder und benachteiligt Schwellenländer. [csis.org], [assets.kpmg.com]

  2. Das USA‑„Einhorn“-Dilemma & Handelskonfliktrisiken Werden Gewinne US‑Konzerne über die UTPR im Ausland nachversteuert, kollidiert das mit US‑Industrieförderungen; Safe‑Harbours und Side‑by‑Side‑Arrangements sollen Spannungen mildern, bleiben aber politisch sensibel. [bdo.global], [taxnews.ey.com]


Datenanforderungen & Governance: Das „Bürokratiemonster“

Pillar 2 ist kein klassisches Steuerprojekt, sondern ein Finance‑Data‑Programm:

  • GloBE Information Return (GIR): OECD‑Standardformular (28 Seiten, ~480 potentielle Datenpunkte; je nach Ländern/Entitäten). [assets.kpmg.com]

  • Administrative Guidance & Safe Harbours: Laufende Updates (2023–2026) erhöhen sowohl Komplexität als auch Erleichterungen (transitional CbCR‑Safe‑Harbour, Simplified ETR‑Safe‑Harbour, Substance‑based Incentive‑Safe‑Harbour). [oecd.org], [taxnews.ey.com]


Konsequenzen:

  • Datenlücken zwischen ERP/Group‑Reporting und GloBE‑Logik identifizieren & schließen. [pwc.com]

  • IKS aufbauen/erweitern (Quellen, Berechnungen, Evidenzen); sonst verpuffen Entlastungen (z. B. Substance‑based Income Exclusion) mangels Nachweis. [oecd.org]



Verbindung zu IFRS 18 – Die neue Weltordnung des Reportings

IFRS 18 (effektiv ab 1.1.2027, vorzeitige Anwendung zulässig) ersetzt IAS 1 und führt neue Pflicht‑Subtotals (u. a. operating profit, profit before financing and income taxes) sowie pflichtige Angaben zu MPMs (Management‑Defined Performance Measures) ein. [ifrs.org], [assets.kpmg.com]


  1. MPM‑Offenlegung (inkl. EBITDA) IFRS 18 verlangt Überleitung von MPMs (z. B. Adjusted EBITDA) auf IFRS‑Totals – im Anhang, inklusive Begründung und Methodik. Pillar 2‑Effekte auf ETR machen MPM‑Abweichungen transparenter. [ifrs.org], [ifrs.org]

  2. Operative Steuerung (WACC & Cashflows) Steigende Steuerlasten (Top‑Up‑Tax) senken Free Cashflows nach Steuern und heben implizit Hurdle Rates – Investitionen mit bislang steuergetriebener Rentabilität können unter die Hurdle Rate rutschen. (Finanzlogik; NextLevel‑Analyse)

  3. IKS & Disaggregation IFRS 18 fordert mehr Disaggregation; Pillar 2 fordert mehr Datentiefe. Ohne robustes IKS bleiben Safe‑Harbours/Ausnahmen ungenutzt. [assets.kpmg.com]



Praxisbeispiel

Ein internationaler Maschinenbauer reduziert via WCM‑Programm den DSO um 6 Tage und den DIO um 8 Tage. Die frei werdende Liquidität federt Top‑Up‑Tax‑Zahlungen in Niedrigsteuerländern ab. Trotz steigendem WACC bleibt der Equity‑Spread stabil, weil das Unternehmen unter IFRS 18 sein Adjusted EBITDA (MPM) sauber überleitet und ein starkes IKS für Steuerdaten nachweist. (NextLevel‑Fallskizze)



Typische Fehler & Missverständnisse

  • Pillar 2 ist ein reines Steuerprojekt.“ → Falsch: Es ist ein daten‑ und governance‑getriebenes Transformationsprogramm (GIR, Safe‑Harbours, Admin‑Guidance). [assets.kpmg.com], [oecd.org]

  • Die Mindeststeuer ist immer 15 %.“ → Die jurisdiktionsbezogene ETR hängt von GloBE‑Adjustments (inkl. Deferred Taxes) ab. [oecd.org]

  • Pillar 2 beeinflusst EBITDA nicht.“ → Indirekt massiv, da IFRS 18‑MPM‑Überleitungen Abweichungen und Steuerineffizienzen sichtbar machen. [ifrs.org], [ifrs.org]

  • Staaten geben Standortvorteile auf.“ → Realität ist die Verlagerung hin zu Subventionen/Refundable Credits (z. B. IRA) – mit Wettbewerbs‑ und Geopolitik‑Implikationen. [csis.org], [assets.kpmg.com]



Umsetzungs‑Checkliste (90‑Tage‑Plan)

  1. Impact‑Assessment: Jurisdiktions‑ETR, Safe‑Harbour‑Eignung, Datenlücken (ERP/Consol vs. GIR). [assets.kpmg.com]

  2. Data‑Model: GloBE‑Datenkatalog, Ownership der ~480 GIR‑Data‑Points, Single Source of Truth. [assets.kpmg.com]

  3. IKS‑Design: Kontrollen zu DTAs/ATIR, SBIE‑Nachweise, Disclosure‑Evidenzen (IFRS 18 MPM). [oecd.org], [ifrs.org]

  4. Policies: MPM‑Policy (Definition, Reconciliation, Governance), Tax‑Accounting‑Manual (GloBE). [ifrs.org]

  5. Finanzsteuerung: Hurdle‑Rates/WACC aktualisieren; WCM‑Programm zur Cash‑Pufferung.

  6. Monitoring: Admin‑Guidance & Safe‑Harbours (CbCR‑, Simplified‑ETR‑, Substance‑Incentive‑Harbour; SbS). [taxnews.ey.com], [bdo.global]



KPI‑ und Control‑Set (Auszug)

  • Jurisdiktions‑ETR (GloBE), Top‑Up‑Exposure je Land, Safe‑Harbour‑Eligibility. [oecd.org]

  • GIR‑Datenvollständigkeit (% der Pflichtfelder je Jurisdiktion, Anzahl Evidenzen/Abstimmungen). [assets.kpmg.com]

  • IFRS 18‑MPM‑Brückenqualität (Anzahl manueller Adjustments, Review‑Findings). [ifrs.org]

  • WCM‑Cash‑Freisetzung (ΔDSO/ΔDIO/ΔDPO) vs. Top‑Up‑Tax‑Zahlungsprofil. (NextLevel)



FAQ (kompakt)

Gilt Pillar 2 auch ohne Umsetzung im UPE‑Staat?

Ja. Zwischen‑/Tochtergesellschaften in Ländern mit GloBE‑Gesetzgebung können Top‑Up‑Tax auslösen (IIR/UTPR/QDMTT). [eur-lex.europa.eu]


Was bringt mir die QDMTT?

Sie zieht die Top‑Up‑Steuer ins Inland (z. B. Schweiz seit 2024), statt Abfluss via IIR/UTPR. [kpmg.com]


Wie lange gelten Übergangs‑Erleichterungen?

Die transitional CbCR‑Safe‑Harbour wurde verlängert; neue vereinfachte Safe‑Harbours kommen hinzu (ab 2026/2027 je nach Jurisdiktion). [taxnews.ey.com], [bdo.global]



Quellen & weiterführende Links

NextLevel‑Statement

Pillar 2 ist das regulatorische ‘Endgame’ der OECD. Es zwingt MNEs zu Transparenz und Prozessdisziplin. Während die Politik Fairness verspricht, kämpfen CFOs mit einem Bürokratiemonster, das die globale Kapital‑Allokation verzerrt. Wer gewinnt, entscheidet nicht die Steuerabteilung, sondern die Qualität der Datenarchitektur, die IKS‑Verzahnung – und die Verbindung zu WACC und IFRS‑18‑Reporting.“

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