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DNSH - Do No Significant Harm

Kurzdefinition: DNSH (Do No Significant Harm)

DNSH ist das ökologische Schutzprinzip der EU-Taxonomie. Es stellt sicher, dass eine wirtschaftliche Aktivität, die ein Umweltziel (z. B. Klimaschutz) fördert, keinem der anderen fünf Umweltziele erheblich schadet.


In der NextLevel-Betrachtung ist DNSH der entscheidende Filter, der aus einer rein „theoretisch nachhaltigen“ Aktivität eine „tatsächlich konforme“ (aligned) Investition macht. Während die Substantial Contribution (der wesentliche Beitrag) das „Gaspedal“ der Transformation ist, fungiert DNSH als „Sicherheitssystem“, das Fehlsteuerungen und ökologische Zielkonflikte verhindert.



Die 6 Prüffelder des DNSH:

  1. Klimaschutz: Verursacht die Aktivität übermäßige Treibhausgase?

  2. Klimaanpassung: Ist die Aktivität anfällig für Klimarisiken (z. B. Hochwasser)?

  3. Wasser- & Meeresressourcen: Wird die Wasserqualität oder -verfügbarkeit gefährdet?

  4. Kreislaufwirtschaft: Entsteht unnötiger Abfall oder Ressourcenverschwendung?

  5. Umweltverschmutzung: Werden Schadstoffe in Luft, Boden oder Wasser emittiert?

  6. Biodiversität: Werden geschützte Ökosysteme oder Arten beeinträchtigt?

Strategischer Merksatz: „Ohne DNSH-Nachweis kein Alignment – ohne Alignment kein Zugang zu Green Finance.“

DNSH (Do No Significant Harm)


Gesetzliche Grundlagen: Wo ist es vorgeschrieben?

DNSH ist eine harte Rechtsnorm mit klarer Hierarchie:

  • Rahmengesetzgebung (Level 1): Verankert in Artikel 17 der Verordnung (EU) 2020/852 (Taxonomie-VO). Er definiert, was als „erhebliche Beeinträchtigung“ gilt.

  • Operative Details (Level 2): Die konkreten Grenzwerte stehen in den Delegierten Verordnungen (z. B. 2021/2139). Diese enthalten die Technischen Bewertungskriterien (TSC) je Aktivität.

  • Berichtspflicht: CSRD (Unternehmen) und SFDR (Finanzmarkt) verpflichten zur Offenlegung.

  • Prüfinstanz: Der Wirtschaftsprüfer validiert die DNSH-Bewertung im Rahmen der Assurance (CSRD).



NextLevel-Automatisierung: Agentic-AI & Data Contracts

Die Komplexität der DNSH-Kataloge erfordert einen Agentic-Loop (Read → Reason → Act):

  • Read: Agenten ziehen Capex-Anträge, Standort-Stammdaten, Messwerte (Wasser, Emissionen, Abfall) und Schutzgebiets-Layer über Data Contracts (sichern Qualität/Semantik; fehlerhafte Daten werden „quarantänisiert“).

  • Reason: Validierung gegen TSC-Kriterien (z. B. Wasserentnahme < Schwellwert; keine Beeinträchtigung von Habitaten). Nutzung von Lebenszyklus-Checks & „no lock-in“-Heuristiken.

  • Act: Write-Back ins ERP/AA: Taxonomie-Tagging, Auflagen (z. B. andere Lacke/Filter), Freigabe; alles journalisiert (Assurance-ready).



Praxisbeispiele (konkret)

  1. Neue Lackierlinie (Ziel: Klimaschutz):

    • DNSH-Risiko Wasser: Spülprozesse in Wasserstress-Region. Agent verlangt Wasserbilanz & Abwasser-Nachweis.

    • Entscheidung: Wechsel auf Lieferant B (geschlossener Kreislauf) bringt DNSH-Konformität → Green-Loan-Spread −55 bp.

  2. Onshore-Windpark:

    • DNSH-Check Biodiversität: Schutz von Zugrouten/Vogelschlag. Agent erzwingt Standort-Layout + Abschaltszenarien → erst dann Aligned.

  3. Best Practice Reporting: Konzerne dokumentieren DNSH je Standort (Klimarisiko-Assessment, EIA-Bezug) für lückenlose Audit-Trails.



Die 4 gefährlichsten Irrtümer bei DNSH

In der Praxis scheitern viele Taxonomie-Projekte nicht am „guten Willen“, sondern an diesen tiefgreifenden Missverständnissen. Wer diese Fehler vermeidet, spart Zeit, Kosten und schützt sein ESG-Rating.


1. Die „Eligibility-Falle“: Denken, man sei schon am Ziel

  • Der Irrtum: „Unsere Aktivität steht im EU-Katalog, also sind wir nachhaltig.“

  • Die Realität: Eligibility ist nur die Eintrittskarte. Ohne den Nachweis von DNSH und den Minimum Safeguards bleibt der Alignment-Wert bei 0 %.

  • NextLevel-Impact: Erst die technische Prüfung der Grenzwerte (TSC) entscheidet über den Zugang zu günstigen Finanzierungen.


2. Der „Compliance-Trugschluss“: Rechtskonformität mit DNSH verwechseln

  • Der Irrtum: „Wir halten alle deutschen Umweltgesetze und UVP-Auflagen ein, das reicht für DNSH.“

  • Die Realität: Eine Umweltverträglichkeitsprüfung (EIA/UVP) ist oft nicht deckungsgleich mit den spezifischen EU-Taxonomie-Kriterien. Die EU fordert oft präzisere Grenzwerte, die über nationale Mindeststandards hinausgehen.

  • NextLevel-Impact: Wer sich nur auf Standard-Genehmigungen verlässt, riskiert ein „Finding“ im Audit, da die spezifischen TSC-Nachweise fehlen.


Infokasten: Warum klassische Rechts-Compliance nicht für DNSH reicht

Viele Unternehmen wiegen sich in Sicherheit, weil sie "compliant" sind. Doch die EU-Taxonomie setzt eine völlig neue Messlatte an. Hier ist der direkte Vergleich:

Merkmal

Klassische Rechts-Compliance (z.B. BImSchG / UVP)

EU-Taxonomie DNSH (NextLevel-Standard)

Fokus

Einhaltung nationaler Grenzwerte am Standort.

Vermeidung signifikanter Schäden über 6 globale Umweltziele.

Gültigkeit

Oft "Bestandsschutz" für alte Anlagen.

Dynamische Technische Screening-Kriterien (TSC) – oft strenger als Gesetz.

Perspektive

Punktuelle Genehmigung (EIA/UVP).

Lebenszyklus-Betrachtung (von Beschaffung bis Entsorgung).

Nachweiskette

Papierbasierte Bescheide von Behörden.

Digitaler, maschinenlesbarer Audit-Trail mit Data Lineage.

Konsequenz

Betriebserlaubnis gesichert.

Kapitalkosten-Vorteil (Green Finance) gesichert.



3. Der „Tunnelblick“: Das Risiko des Burden Shifting

  • Der Irrtum: „Wir optimieren alles auf CO2-Einsparung – der Rest ist zweitrangig.“

  • Die Realität: Die Taxonomie verbietet Burden Shifting (Lastenverschiebung). Wer das Klima schützt, aber dabei die Biodiversität gefährdet oder giftige Abfälle produziert, verliert das grüne Siegel.

  • NextLevel-Impact: Ein Agentic-System betrachtet das Projekt immer holistisch über alle 6 Umweltziele. Ein Erfolg in Ziel 1 darf niemals durch einen Verstoß in Ziel 4 erkauft werden.


4. Das „Excel-Grab“: Fehlende Audit-Trails

  • Der Irrtum: „Wir sammeln die DNSH-Nachweise einmal im Jahr in einer Excel-Tabelle.“

  • Die Realität: Unter der CSRD herrscht Prüfpflicht. Ein Prüfer verlangt eine lückenlose Datenkette (Data Lineage). Manuelle Tabellen ohne Zeitstempel, Versionierung und Quellenbezug sind ein massives Haftungsrisiko.

  • NextLevel-Impact: Echte Assurance-Readiness entsteht nur durch automatisierte Workflows, die jeden Check im Moment der Entscheidung (z. B. Capex-Freigabe) fälschungssicher dokumentieren.


Was wir daraus lernen

DNSH ist kein „Häkchen am Ende des Jahres“, sondern ein integrierter Prozess. Wer die oben genannten Fehler vermeidet, transformiert ESG von einer administrativen Last in einen strategischen Steuerungsvorteil.



Architektur-Leitplanken (Vendor-neutral)

  1. Event-first & API-ready: Anbindung von ERP/EHS/IoT via REST/GraphQL oder Event-Streams.

  2. Master Data Mapping: Eindeutige Zuordnung von NACE-Codes, Anlagen und Schutzgebiets-Layern.

  3. Data Contracts: Definition von Feldern, Toleranzen und DNSH-Rule-Sets je Umweltziel.

  4. Observability: End-to-End-Tracing und Data Lineage für den Prüfer.

  5. IKS/Assurance: Vier-Augen-Prinzip, WORM-Journal und eIDAS-Signaturen für Nachweise.



Verknüpfung zu ISO-Normen (Assurance-ready)

Um DNSH-Nachweise „wasserdicht“ zu machen, nutzen NextLevel-Unternehmen ISO-Synergien:

  • ISO 14001 (UMS): Systemrahmen für Umweltprozesse; Basis für DNSH-Prozessnachweis.

  • ISO 14064-1/-3: Quantifizierung/Verifikation von THG (Klimakriterien).

  • ISO 37301 / 37001: Stärken die Minimum Safeguards (Governance/Anti-Korruption).

  • ISO 14046 / 14044: Methodische Basis für Wasser-Footprint und Lebenszyklus-Prüfungen (LCA).

ISO‑Norm

DNSH‑Anwendungsbereich / Nutzen

Mehrwert für Assurance

ISO 14001 (UMS)

Systemrahmen für Umweltprozesse, Verantwortlichkeiten, Ziele und Überwachung – bildet die Prozess‑„Schiene“ für DNSH‑Kontrollen (z. B. Wasser/Abfall/Emissionen).

Stützt die Wirksamkeit der internen Kontrollen/IKS und fördert prüfbare Verfahren. (Allg. ISO‑Grundlage)

ISO 14064‑1

Quantifizierung/Reporting von THG‑Emissionen (Organisation).

Liefert belastbare Klimadaten als Input für DNSH‑Klimakriterien. [bsigroup.com]

ISO 14064‑3

Verifikation/Validierung von THG‑Aussagen.

Externe Verifizierung der Emissionsdaten – stärkt CSRD‑Assurance. [iso.org]

ISO 14046

Wasser‑Fußabdruck (Methodik, Indikatoren).

Saubere Wasser‑Nachweise für das DNSH‑Ziel „Wasser/Meere“. (Methodische Passung zur Lebenszyklus‑Sicht der EU‑Guidance) [commission.europa.eu]

ISO 14044

Life Cycle Assessment (LCA).

Belegt Lebenszyklus‑Betrachtung und verhindert Burden Shifting. [commission.europa.eu]

ISO 37301

Compliance‑Management‑System.

Stützt Minimum‑Safeguards‑Prozesse (Governance, Kontrollen). (Ergänzt Art. 18 TR)

ISO 37001

Anti‑Korruption.

Flankiert Minimum Safeguards (Anti‑Bribery) – relevant für Art. 18.



Hürden & Lösungen

  • Hürde 1 – Datenlücken (Scope 3): Lösung via Proxies/Schätzungen nach PSF-Empfehlungen und Materialitätsschwellen.

  • Hürde 2 – Komplexe Kataloge: Nutzung der FAQ/Guidance der EU-Kommission; ab 2026 greifen vereinfachte Templates.

  • Hürde 3 – Audit-Reife: ISO-gestützte Verifikation, um Messdaten zu untermauern.



Roadmap & Entwicklung (2026ff)

  • Delegierter Rechtsakt 2026/73: Einführung von Materialitätsschwellen und Änderungen bei DNSH für „Verschmutzungsvermeidung“ (gilt für FY 2025 Daten).

  • PSF-Vereinfachung (2025): Vorschläge für vereinfachte DNSH-Assessments und „Comply-or-explain“ für den Turnover-KPI.

  • ESMA-Fokus: DNSH bleibt ein Schwerpunkt des Enforcements (Enforcement Priority).



Mini-Reifegradmodell (NextLevel)

  1. Excel-DNSH: Manuelle Tabellen, hohe Unsicherheit.

  2. ERP-Felder: DNSH-Tags und Grundnachweise im System.

  3. Automatisiert: DNSH-Regeln direkt in Capex/Opex-Buchungsprozessen.

  4. Event-orchestriert: Echtzeit-Validierung und Agent-Assistenz.

  5. Agentic-ready: Autonome, voll prüfbare DNSH-Steuerung im Finance Data Mesh.



Executive Summary: Das CFO-Briefing zu DNSH

Die EU-Taxonomie entscheidet über Ihre Kapitalkosten – doch die Tücke liegt im Detail: dem DNSH-Prinzip. Wer hier nur auf „Compliance“ setzt, verliert.

  1. Alignment-Killer vermeiden: Ohne den lückenlosen DNSH-Nachweis sinkt Ihre Taxonomie-Quote auf Null – egal wie „grün“ das Kernprojekt ist.

  2. Zinsvorteile sichern: Nur ein automatisiertes DNSH-Monitoring garantiert den Zugang zu Green Loans und senkt den Spread nachhaltig (bis zu -55 bp möglich).

  3. Haftung & Assurance: Unter der CSRD ist DNSH prüfpflichtig. Excel-Silos sind ein Ticket für „Audit-Findings“. Sie brauchen eine digitale Data Lineage.

  4. Strategisches Immunsystem: DNSH verhindert „Burden Shifting“. Wer heute automatisiert prüft, schützt seine Investitionen vor den regulatorischen Risiken von morgen.

  5. Agentic AI als Enabler: Nutzen Sie KI-Agenten und Data Contracts, um DNSH von der bürokratischen Last zum automatisierten Steuerungs-Asset zu transformieren.



NextLevel-Statement

„DNSH ist die Achillesferse der Taxonomie. Wer DNSH datengetrieben, lebenszyklisch und auditierbar macht – und Materialität klug nutzt –, beschleunigt Investitionen, senkt Kapitalkosten und besteht jede Assurance.“




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