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Eigenkapital im Risikomanagement für Banken: Wirklich knapp – oder strategisch vernachlässigt?

  • Autorenbild: NextLevel
    NextLevel
  • 11. Aug. 2025
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 2. Jan.

"Stellen wir uns vor, wir brechen uns das Bein – und bekommen Globuli statt Schmerzmittel. Willkommen im Risikomanagement der Banken" ...


Eigenkapital gilt als teuer, knapp und schwer verfügbar (nach Blattner im Buch "Globales Risikomanagement für Banken" Seite 3 (Auflage 2003). Doch stimmt das wirklich? Oder ist diese Sichtweise ein Relikt aus der klassischen Kapitalmarkttheorie, das modernen Anforderungen im Risikomanagement für Banken nicht mehr gerecht wird?


Risikomanagement bei Banken - aber bitte nur in homöopathischen Dosen ... bringt uns das wirklich weiter?
Risikomanagement bei Banken - aber bitte nur in homöopathischen Dosen ... bringt uns das wirklich weiter?

In diesem Beitrag hinterfragen wir die gängige Annahme, dass Eigenkapital (EK) eine knappe Ressource sei – und zeigen anhand aktueller Zahlen, eines historischen Szenarios, typischer Praxis-Einwände und eines visionären Ausblicks, warum Banken oft selbst dafür sorgen, dass EK knapp bleibt.


Die klassische Sicht: Eigenkapital als teure und begrenzte Ressource

In der Bankbetriebslehre und im Risikomanagement wird Eigenkapital häufig als „knapp“ bezeichnet. So schreibt etwa Blattner:

„Eigenkapital ist immer eine knappe Ressource und deren Verfügbarkeit mit z. T. erheblichen Kosten verbunden.“

Diese Aussage - die von vielen Politikern und ganzen Finanzsystemen unreflektiert hingenommen wird - stützt sich auf mehrere Argumente:

  • EK ist teurer als Fremdkapital, da es höhere Renditeerwartungen erfüllen muss.

  • Regulatorische Anforderungen (z. B. Basel III/IV) setzen Mindestquoten, die Banken erfüllen müssen.

  • ROE-Optimierung führt dazu, dass Banken mit möglichst wenig EK arbeiten, um die Eigenkapitalrendite zu maximieren.


Kurz gesagt: Die klassische Sicht betrachtet EK als Kostenfaktor – nicht als strategische Ressource.


Die Gegenposition:

"Eigenkapital ist verfügbar – wenn man es denn will"

1. Thesaurierung statt Dividendenpolitik

Banken könnten Gewinne einbehalten und so ihre EK-Basis stärken. Doch viele Institute schütten lieber aus – oft aus Signalgründen gegenüber dem Kapitalmarkt sowie dem streng gelebten Shareholder-Value ...


2. Aktienemission als strategisches Werkzeug

Gerade in profitablen Zeiten könnten Banken neue Aktien ausgeben. Die Angst vor Verwässerung und negativen Marktreaktionen verhindert jedoch oft diesen Schritt.


3. WACC als entscheidende Grösse

Wenn der Weighted Average Cost of Capital (WACC) stimmt, ist EK nicht „zu teuer“, sondern ein sinnvoller Bestandteil der Kapitalstruktur.


Kurz gesagt: EK ist verfügbar – wenn Banken es strategisch priorisieren.

Schauen wir uns hier die Geldmenge einfach mal genauer an: Entwicklung der globalen Geldmenge (2000–2025)


Die Geldmenge weltweit ist in den letzten 25 Jahren explosiv gewachsen. Hier ein Überblick:

Jahr

Geschätzte globale Geldmenge (M2)

Bemerkung

2000

ca. 25 Billionen USD

Beginn der digitalen Finanzexpansion

2010

ca. 45 Billionen USD

Nach der Finanzkrise: massive Liquidität

2020

ca. 75 Billionen USD

Corona-Konjunkturprogramme weltweit

2025

über 90 Billionen USD

Rekordniveau – digitale Geldmenge dominiert2

Hinweis: Der Grossteil dieser Geldmenge besteht aus Giralgeld – also Bankguthaben, das durch Kreditvergabe entsteht. Reines Bargeld macht nur etwa 7,6 Billionen USD aus.


Fazit:

„Die Geldmenge explodiert – das Eigenkapital schrumpft. Wer in einem Meer aus Geld nach Substanz dürstet, hat ein strukturelles Problem.“

Aktuelle Zahlen: Schweizer und europäische Grossbanken

🇨🇭 Schweizer Banken (2024/2025)

  • CET1-Quote: 14–16%

  • Bilanzsumme (Top 4): > CHF 1.5 Billionen

  • Jahresgewinn: > CHF 6.5 Milliarden

  • Dividendenausschüttungsquote: z. B. Basellandschaftliche Kantonalbank 56.7%, Luzerner Kantonalbank 46.5%, One Swiss Bank über 40%


🇪🇺 Europäische Banken

  • CET1-Quote: 16.27%

  • ROE: 9.34%

  • Dividendenausschüttungen: EUR 433 Milliarden in 2024

  • Dividendenrendite: STOXX Europe 600 Banks bei 8.7%


Kurz gesagt: Die Gewinne sind da – aber sie fliessen kaum in den EK-Aufbau.


Was wäre, wenn? – Szenario seit der Dotcom-Blase

Hätten Banken seit 2000 jährlich nur 30% ihrer Gewinne thesauriert:

  • EK-Zuwachs: > CHF/€ 240 Milliarden über 25 Jahre

  • EK-Quote: > 25% statt 14–16%

  • Auswirkungen: Weniger systemische Risiken, mehr Kreditspielraum, weniger Bailouts


Kurz gesagt: Strategische Thesaurierung hätte die Resilienz des Bankensektors massiv gestärkt.


Was passiert mit den restlichen Gewinnen?

Wenn EK kaum steigt, obwohl Gewinne vorhanden sind – wohin fliesst das Geld?

  • Ausschüttungen & Rückkäufe: Kapitalzehrend, nicht EK-wirksam

  • Rücklagenbildung: Oft bilanziell neutral oder EK-mindernd

  • Steuern & regulatorische Beiträge: Substanzielle Abflüsse

  • Investitionen: Digitalisierung, ESG, Cybersecurity – strategisch sinnvoll, aber nicht EK-stärkend


Kurz gesagt: Der EK-Aufbau bleibt auf der Strecke – trotz Rekordgewinnen.


Praxis-Einwände – und unsere Antworten

Einwand

Antwort

EK ist teuer – der WACC steigt

Der WACC ist modellbasiert und beeinflussbar. EK senkt langfristig Risikoprämien.

Aktienemissionen verwässern

Verwässerung ist steuerbar. EK stärkt Kreditwürdigkeit und senkt Kapitalkosten.

Insider blockieren EK-Massnahmen

Governance-Thema. Transparente EK-Ziele überwinden Blockaden.


Kurz gesagt: Die Einwände sind bekannt – aber strategisch lösbar.


Risikomanagement für Banken: Eigenkapital als strategischer Schutzschild

Eigenkapital ist der Puffer, der Banken (und wie wir gelernt haben ganze Volkswirtschaften und ihre Bürger) in Krisenzeiten schützt:

  • Absorption von Verlusten

  • Vertrauen bei Stakeholdern

  • Flexibilität bei Kreditvergabe


Kurz gesagt: EK ist nicht nur regulatorisch notwendig – sondern strategisch unverzichtbar.


Ein Blick nach vorn: Tokenisierung & digitale Währungen als Gamechanger

Alle Industrien reden von Digitalisierung und digitaler Transformation - jedoch scheinen Banken bewusst die digitale Transformation mit offenen Augen zu verschlafen. Gerade jetzt können Banken den Lead übernehmen und die Revolution unserer Zeit auf den NextLevel heben. Jedoch finden Innovationen nur im technischen Zugang zum Geld bzw. an Verwaltungsstellen statt, anstatt konkret neue Produkte zu entwickeln. Die Kombination aus Tokenisierung, digitalen Währungen und Krypto-Assets könnte das Eigenkapitalmanagement von Banken fundamental verändern.


Tokenisierung

  • Digitale Abbildung von Vermögenswerten auf Blockchain

  • Ausgabe von tokenisierten Aktien (Security Tokens)

  • Automatisierte Ausschüttung & Governance via Smart Contracts


Digitale Währungen

  • Einführung des digitalen Euro ab 2026

  • Stablecoins & tokenisierte Zahlungsmittel im Interbankenverkehr

  • Neue Kapitalaufnahme-Modelle über digitale Plattformen


Regulatorische Hürden

  • Krypto-Assets mit bis zu 1'250 % Risikogewicht

  • Anerkennung als EK nur bei regulatorischer Konformität (CRR III, MiCAR)


Kurz gesagt: Die Zukunft des Eigenkapitals ist digital – wenn Banken den Mut haben, neue Wege zu gehen.


Fazit & was macht NextLevel daraus?

Eigenkapital ist nicht knapp, weil es nicht verfügbar wäre. Es ist knapp, weil Banken es nicht priorisieren, nicht konsequent aufbauen und nicht strategisch einsetzen.

Im Risikomanagement für Banken sollte Eigenkapital nicht als Belastung, sondern als strategische Ressource verstanden werden – verfügbar, steuerbar und entscheidend für langfristige Stabilität.

In unserem Diplomstudiengang zum Dipl. Betriebswirtschafter:in HF mit Vertiefung in „Controlling und Unternehmenssteuerung mit Finanzbuchhaltung nach IFRS / Swiss GAAP FER“ analysieren wir genau solche Zukunftsthemen – und stellen das Risikomanagement der Banken auf den Prüfstand. Wir diskutieren, wie Tokenisierung, digitale Währungen und neue Kapitalstrategien das EK-Management revolutionieren könnten.


Kurz gesagt: Wer Eigenkapital klug managt – analog oder digital – managt Risiko aktiv.


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Von der Analyse zur Handlung: Finanzstrategie auf globalem Niveau

Fachwissen über IFRS, Basel IV oder die globale Mindeststeuer ist in der heutigen Volatilität kein „Nice-to-have“ mehr, sondern die Grundvoraussetzung für eine belastbare Unternehmenssteuerung. Unsere Deep Dives – wie etwa die kritische Analyse zur Eigenkapital-Knappheit im Bankensektor – zeigen deutlich: Wer nur regulatorische Quoten erfüllt, verwaltet lediglich den Status Quo. Wirkliche Resilienz entsteht erst durch das Verständnis der ökonomischen Zusammenhänge hinter den Zahlen.


Das ACCA Global Finance Studium bei NextLevel ist darauf ausgerichtet, genau diese Lücke zwischen Theorie und strategischer Umsetzung zu schließen. Wir vermitteln Ihnen nicht nur die internationalen Standards, sondern befähigen Sie dazu, komplexe Finanzthemen wie Asset Tokenisierung, ESG-Konvergenz und wertorientierte Steuerung aktiv mitzugestalten. Nutzen Sie dieses Wissen, um Ihre Karriere auf das nächste Level zu heben und internationale Standards in lokale Erfolge zu verwandeln.



Häufig gestellte Fragen zu IFRS & Global Finance

1. Warum ist das ACCA-Studium für Finanzprofis im DACH-Raum so wertvoll? In einer global vernetzten Wirtschaft stoßen nationale Standards wie HGB oder Swiss GAAP FER oft an ihre Grenzen. Das ACCA-Studium vermittelt die weltweit anerkannte IFRS-Expertise und bereitet gezielt auf Führungspositionen in internationalen Konzernen vor. Es ist der "Goldstandard" für CFOs von morgen.


2. Ist IFRS auch für Schweizer Unternehmen (KMU) relevant? Ja, insbesondere wenn internationale Investoren, Grenzüberschreitungen oder eine spätere Börsennotierung eine Rolle spielen. Zudem orientiert sich Swiss GAAP FER in vielen Kernpunkten an der Logik der IFRS, was den Wechsel oder die Konsolidierung erleichtert.


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