Cobots & KI in der Logistik: Warum der Lebensmittelsektor bis 2026 massiv aufrüstet
- Harald Poullain
- 17. Dez. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Ein Expertenbericht aus der Praxis: Gastvortrag der Zimmer Group am NextLevel College.
Wie reagiert die Industrie auf den massiven Fachkräftemangel und den steigenden Kostendruck im Lebensmittelsektor? Am 17. Dezember 2025 hatten wir die Gelegenheit, tief in diese Materie einzutauchen. Loris Pinto (Zimmer Group) gab unseren Studierenden exklusive Einblicke in die Welt der kollaborativen Robotik und zeigte auf, warum die Kombination aus KI-gestützter Vision und Cobots den Wendepunkt für die Intralogistik markiert.
Der "Perfect Storm" im Lebensmittelsektor
Besonders in der Lebensmittelindustrie sind Hygiene, Tempo und extreme Flexibilität erfolgskritisch. Während die Automatisierung früher starre, teure Käfig-Roboter bedeutete, sehen wir für 2025–2026 einen massiven Nachholbedarf bei flexiblen Lösungen.
1. Die drei Treiber der Transformation
Arbeitskräftemangel & Ergonomie: Cobots entlasten Menschen bei repetitiven Aufgaben (z. B. Palettieren), ohne die Flexibilität einer manuellen Station zu verlieren.
KI-gestützte Effizienz: Moderne Systeme nutzen Computer Vision, um Defekte in Echtzeit zu erkennen (15–30 % höhere Präzision) und ungeplante Stillstände durch Predictive Maintenance drastisch zu reduzieren.
Hygiene & Compliance: "Food-grade"-Designs (Edelstahl, IP67-Schutz) ermöglichen den Einsatz direkt an der Rohware – ein entscheidender Faktor für die Prozesssicherheit.
ROI-Hebel: Wo sich die Investition zuerst lohnt
Loris Pinto verdeutlichte anhand von Praxiszahlen, wo die schnellsten Erfolge (Quick Wins) erzielt werden:
Anwendungsfall | Technologie-Stack | Nutzen |
End-of-Line (EOL) | Cobots + Greifsysteme | Schnelles Palettieren ohne Schutzzäune. |
Stückpicken (Piece Picking) | 3D-Vision + ML-Policies | Bewältigung chaotischer Behälter und SKU-Vielfalt. |
Intralogistik | AMR (z.B. "Miles") | Autonomer Transport (SLAM) bei 0m Wendekreis. |
KI als "Gehirn" der Hardware
Der Fokus liegt heute nicht mehr nur auf dem Roboterarm. Die Zimmer Group setzt auf ein Ökosystem aus smarter Sensorik und KI-geführten Systemen. Besonders beeindruckend: Die autonome Entladung von Trailern (bis 23 kg Boxgewicht), die eine der körperlich schwersten Aufgaben in der Logistik automatisiert.
Strategische Roadmap: Vom Pilot zur Serie (12–18 Monate)
Für Unternehmen im Investitionsstau skizzierte der Vortrag einen klaren Pfad:
Use-Case Definition: Auswahl einer Pilotlinie (z. B. EOL-Palettierung).
Digitaler Zwilling: Simulation von Taktzeiten und Flüssen zur Risikominimierung.
HRC-Sicherheitskonzept: Validierung von Geschwindigkeiten und Sensorik (PL d).
Skalierung: Integration in das bestehende ERP/WMS via VDA 5050 Schnittstellen.
Bildung als Schlüssel: Was bedeutet das für Sie?
Technik allein löst keine Probleme – es braucht die Menschen, die sie orchestrieren können. Der Besuch von Experten wie Loris Pinto unterstreicht unseren Anspruch am NextLevel College, Theorie und industrielle Realität zu verschmelzen.
Unsere Kompetenzpfade zur Transformation:
Dipl. Betriebswirtschafter/-in HF (Vertiefungsrichtung Prozessmanagement): Sie lernen, ROI-Berechnungen für solche Systeme zu erstellen und den kulturellen Wandel (Change Management) bei der Einführung von Mensch-Roboter-Kollaboration (HRC) zu leiten.
Dipl. Wirtschaftsinformatiker/-in HF (Vertiefungsrichtung Smart-Factory/IT-Architektur u.a): Hier liegt der Fokus auf der IT-Architektur. Wie binde ich eine AMR-Flotte an das ERP an? Wie sichere ich die KI-Pipelines (Data Security)?
Prozessfachleute Fachausweis: Sie sind die Architekten des Shopfloors. Sie lernen, wo Greifer, Vision-Systeme und Scanner die Taktzeiten und die Ergonomie real verbessern.
Produktionsleitende Industrie: Sie sind die Verantwortlichen wenn es um Effizienz im Shopfloor geht - Wertstromanalysen und Wertstromdesign sind nur dann was, wenn auch pragmatische, effiziente Techniken gekannt werden - nicht nur das WAS ist entscheidend sondern vor allem das WIE - und NextLevel zeigt wie es geht!
Fazit
Der Gastvortrag der Zimmer Group unterstreicht: Smart Factory ist Realität – aber nicht überall gleich weit. Während Vorreiter skalieren, müssen Spätstarter jetzt handeln, um Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz zu sichern. Cobots, AMR und KI‑Vision sind modulare Bausteine, die heute verfügbar sind – die Kunst liegt in der orchestrierten Umsetzung. Das NextLevel College bietet die Kompetenzpfade, die diesen Wandel plan- und beherrschbar machen. Wir bedanken uns recht herzlich bei Loris Pinto für die wertvollen Insights und die Unterfütterung mit konkreten Branchenzahlen und freuen uns bereits heute, wenn wieder Produktneuerungen anstehen und wir das nächste Update erhalten. DANKE!
FAQ: Die wichtigsten Fragen zur Automatisierung im Lebensmittelsektor
1) Was sind Cobots und warum sind sie in der Logistik so gefragt?Cobots sind kollaborative Roboter, die sicher neben Menschen arbeiten. Sie sind kompakt, schnell umrüstbar und ideal für variantenreiche Aufgaben (Palettieren, Picking, Etikettieren), wo klassische Industrieroboter oft zu starr wären.(Belege: Warehouse‑Automation‑Trends; Food‑Cobots Use‑Cases) [^9]
2) Warum ist die Lebensmittelindustrie ein Hotspot für Automatisierung?Hohe Hygieneanforderungen, Arbeitskräftemangel, Kostendruck und Nachfragevolatilität erzwingen effizientere, sicherere Prozesse. Automatisierung reduziert Materialverschwendung, verbessert Produktqualität und ermöglicht schnelle Formatwechsel.(Belege: DLG‑Trendmonitor 2024; EU‑Product‑Watch zu Food‑Robotics) [^20]
3) Welche Rolle spielt KI konkret in Lager & Produktion?Computer‑Vision prüft Qualität/Label/Siegel in Echtzeit; Predictive Maintenance senkt Downtime merklich; KI‑Orchestrierung optimiert Routen, Bestände und Kälteketten – mit messbaren Effekten.(Belege: Food Institute; F&B Business – KI/Automation 2025) [^12] [^13]
4) Wie starte ich pragmatisch – ohne Großprojekt‑Risiko?Mit einem Pilot (z. B. EOL‑Palettierung), Digital‑Twin‑Simulation, HRC‑Sicherheitsfreigabe und schrittweiser ERP/WMS‑Integration. So entstehen schnelle Lerneffekte und skalierbare Ergebnisse.(Belege: Digital Twins/AI 2025; Zimmer AMR/ERP‑Anbindung)
5) Welche Skills brauchen Fachkräfte für Smart Factory?Technisches Verständnis für Automatisierung/Robotik, IT‑Architektur‑Know‑how (ERP/WMS/IIoT), Datenkompetenz für KI‑Vision/PM sowie Change‑Fähigkeit in HRC‑Umgebungen.(Belege: HRC‑Expertenstudie; Warehouse‑Automation‑Trends) [^11] [^9]
6) Wie adressiere ich Hygiene und Washdown‑Anforderungen? Durch Food‑grade‑Cobots mit IP‑Schutz, geeigneten Materialien/Schmierstoffen und reinigungsfreundlicher Geometrie; Auswahl abhängig von Primär- vs. Sekundärkontakt.(Belege: MWES; Robotics Update; WiredWorkers) [^14] [^15] [^16]
7) Gibt es reale Beispiele für schwere Logistik‑Tasks, die schon automatisiert sind?Ja – z. B. autonomes Trailer‑Unloading (bis ~23 kg Boxgewicht) mit KI+Vision wird bei KEP/3PL eingesetzt und reduziert körperliche Belastung sowie Unfallrisiken.(Belege: MIT News – Pickle Robot; Roadmaps 2025–2030) [^18] [^19]





Kommentare