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Wenn rationale Einheiten das Unternehmen irrational machen

Ausgangslage

Alle machen ihren Job gut.

Die Bereiche liefern. Die Projekte sind sauber priorisiert. Die KPIs sind plausibel. Die Entscheidungen sind jeweils nachvollziehbar.


Und doch entsteht ein seltsames Gesamtbild:

Das Unternehmen wird langsamer, konfliktreicher und überraschend schwer steuerbar.


Niemand handelt falsch. Aber das Ergebnis wirkt trotzdem falsch.


Diese Lernstory handelt davon, warum Organisationen trotz rationalem Handeln irrational werden können.

1. Lokale Vernunft, globale Blindheit

In vielen Organisationen gilt unausgesprochen:

Jede Einheit optimiert sich selbst – im Sinne der Gesamtstrategie.

In der Realität passiert etwas anderes:

  • Vertrieb drückt Volumen

  • Operations schützt Stabilität

  • IT minimiert Risiko

  • Controlling priorisiert Planerfüllung


Jede Entscheidung ist für sich logisch. Im Zusammenspiel entsteht jedoch Reibung statt Wirkung.

Das System produziert Zielkonflikte, ohne sie entscheiden zu können.



2. Warum Abstimmung keine Entscheidung ersetzt

Je stärker diese Spannungen werden, desto häufiger wird zu:

  • Abstimmungsrunden

  • Koordinationsgremien

  • bereichsübergreifenden Meetings


Doch Abstimmung erzeugt noch keine Steuerung.


Oft passiert Folgendes:

  • Konflikte werden beschrieben

  • Perspektiven gesammelt

  • Kompromisse formuliert


Was fehlt, ist nicht Information – sondern die Fähigkeit, widersprüchliche Interessen systemisch zu entscheiden.



3. Wenn Verantwortung fragmentiert wird

Ein klassisches Muster:

  • Verantwortung wird verteilt, um Risiken abzufedern

  • Entscheidungen werden kollektiviert, um Akzeptanz zu erzeugen


Das Ergebnis:

  • Niemand entscheidet wirklich

  • Alle können begründen, warum sie zugestimmt haben

  • Niemand trägt die Konsequenz


Das System stabilisiert sich –aber auf einem niedrigeren Entscheidungsniveau.



4. Warum Effizienz hier nicht hilft

Der reflexartige Lösungsversuch:

  • klarere Prozesse

  • schnellere Abstimmungen

  • verbindlichere KPIs


Doch Effizienz verstärkt oft genau das Problem:

  • lokale Optimierung wird schneller

  • Fehlkopplungen wirken unmittelbarer

  • Anpassungsfähigkeit sinkt weiter


Das Unternehmen wird effizienter –aber nicht entscheidungsfähiger.



5. Das Paradox organisationaler Rationalität

Das zentrale Paradox lautet:

Je rationaler einzelne Einheiten handeln, desto irrationaler kann das Gesamtsystem reagieren.

Das liegt nicht an fehlender Kompetenz. Sondern daran, dass:

  • Entscheidungen nicht dort getroffen werden, wo ihre Wirkung entsteht

  • Strukturen Stabilität priorisieren

  • Zielkonflikte nicht explizit entschieden, sondern verteilt werden


Rationalität ist lokal –Wirkung ist systemisch.



6. Eine unbequeme Einsicht

An diesem Punkt wird klar:

  • Konflikte sind kein Zeichen von Versagen

  • Irrationalität ist kein Führungsfehler

  • Reibung ist kein Organisationsmangel


Sie sind Hinweise auf fehlende Entscheidungsfähigkeit des Gesamtsystems.

Die Frage ist also nicht:

Wie handeln Einheiten besser?

Sondern:

Wie entscheidet das System als Ganzes?


7. Offene Spannung (bewusst)

Wenn rationale Entscheidungen auf Ebene einzelner Bereiche zu irrationalen Ergebnissen auf Unternehmensebene führen.


wo müsste Steuerung tatsächlich ansetzen, damit das System entscheidungsfähig bleibt?

Nicht durch Optimierung. Nicht durch Koordination. Nicht durch Harmonisierung.


Die Antwort liegt wieder nicht in einzelnen Maßnahmen, sondern in der Art, wie Entscheidungen strukturell ermöglicht – oder verhindert – werden.

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