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Mendelow‑Matrix

Mendelow‑Matrix — Stakeholder‑Priorisierung im BANI‑Zeitalter


Kurzdefinition

Die Mendelow‑Matrix (Power‑Interest‑Matrix) ist ein klassisches Stakeholder‑Modell, das Akteure anhand ihrer Macht und ihres Interesses in vier Quadranten einordnet. Ziel ist es, Prioritäten zu setzen und Kommunikations‑ sowie Entscheidungsstrategien zu strukturieren.


Im BANI‑Zeitalter zeigt sich jedoch: Die Matrix ist stabil — die Stakeholder sind es nicht.

Zweck des Modells

Die Mendelow‑Matrix hilft Organisationen dabei:

  • Stakeholderlandschaften sichtbar zu machen

  • Einfluss und Interesse zu strukturieren

  • Kommunikationsstrategien zu priorisieren

  • Risiken durch mächtige Stakeholder zu reduzieren

  • Projekte und Entscheidungen zu stabilisieren

Sie war lange ein Standardwerkzeug der Projekt‑ und Strategieführung.



Historische Bedeutung und strategische Revolution

Als die Mendelow‑Matrix in den 1980er‑ und 1990er‑Jahren in Projektmanagement, Change‑Management und Strategie Einzug hielt, war sie ein Durchbruch:

  • Stakeholder wurden erstmals systematisch kartiert

  • Machtbeziehungen wurden sichtbar

  • Projekte konnten gezielt gesteuert werden

  • Konflikte wurden früh erkannt

  • Ressourcen wurden effizienter eingesetzt

In einer Welt mit stabilen Rollen, klaren Hierarchien und linearen Entscheidungswegen war die Matrix ein präzises Werkzeug.



Was die Mendelow‑Matrix damals besonders gut konnte

Die Matrix funktionierte hervorragend, weil die Welt damals:

  • stabile Stakeholderrollen hatte

  • klare Machtstrukturen kannte

  • lineare Entscheidungswege nutzte

  • geringe Dynamik aufwies

  • wenig externe Schocks erlebte

  • überschaubare Komplexität bot


In diesem Umfeld war die Matrix ein Werkzeug, das:

  • Klarheit schuf

  • Prioritäten ordnete

  • Konflikte minimierte

  • Projekte stabilisierte

  • Führung erleichterte

Sie war ein Modell, das Stakeholder „lesbar“ machte.



Warum die Mendelow‑Matrix heute scheitert

Brüchigkeit (Brittle)

Stakeholder ändern Macht, Interesse und Einfluss schneller, als die Matrix aktualisiert werden kann.

Typische Bruchstellen:

  • neue Regulatoren

  • neue Investoren

  • neue Technologien

  • neue interne Machtzentren

Folge: Die Matrix ist veraltet, bevor sie fertig ist.


Angst (Anxious)

Stakeholder werden nicht nach Macht und Interesse bewertet, sondern nach emotionaler Wirkung.

Symptome:

  • CFO‑Dominanz

  • Risikoaversion

  • defensive Entscheidungen

  • Vermeidung von Stakeholdern mit „unangenehmen“ Interessen

Folge: Die Matrix wird psychologisch verzerrt.


Nichtlinearität (Non‑linear)

Kleine Stakeholder erzeugen große Effekte.

Beispiele:

  • ein einzelner Kunde → Markttrend

  • ein Entwickler → Produktarchitektur

  • ein Regulator → Geschäftsmodell

Folge: Macht ist nicht mehr proportional zum Einfluss.


Unverständlichkeit (Incomprehensible)

Stakeholderlandschaften werden zu komplex für ein 2×2‑Modell.

Symptome:

  • zu viele Akteure

  • zu viele Abhängigkeiten

  • zu viele Wechselwirkungen

  • zu viele Unsicherheiten

Folge: Die Matrix wird unlesbar.



Der strukturelle Fehler: Projekte beginnen beim Kunden — und enden beim CFO

Die Mendelow‑Matrix misst Macht und Interesse, aber nicht Wertschöpfung.

Das führt zu einem typischen Muster:

  • Der Kunde hat hohes Interesse, aber geringe Macht.

  • Der CFO hat hohe Macht, aber geringes operatives Interesse.

  • Die Matrix belohnt Macht stärker als Wert.

  • Unter BANI wird Macht noch volatiler — und damit noch dominanter.


Ergebnis:

Projekte wandern systematisch vom Kunden zum CFO.

Das ist kein Fehler der Organisation — es ist ein Fehler des Modells.



Psychologische Verzerrungen (Cognitive Bias)

Stakeholderpriorisierung wird durch Wahrnehmung verzerrt:

Negative Salience Bias

Negative Stakeholder werden überbewertet.

Confirmation Bias

Bestehende Machtstrukturen werden bestätigt.

Availability Bias

Lautstarke Stakeholder wirken wichtiger als wertschaffende.

Loss Aversion

Risiken werden überbewertet, Chancen unterbewertet.

Die Matrix bildet nicht Stakeholder ab — sie bildet Emotionen ab.



Kulturelle Verzerrungen

Stakeholderlogiken unterscheiden sich kulturell:


Europa (DACH)

prozesslastig, risikoavers → CFO‑Zentrierung


USA

wachstumsorientiert → Investor‑Zentrierung


Japan

harmonieorientiert → interne Stakeholderdominanz


Spanien / LatAm

resilient, flexibel → Kunden‑ und Mitarbeiterzentrierung

Kultur bestimmt, wer „wichtig“ erscheint.



Professionelle Verzerrungsfilter: Judgement & Scepticism

Professional Judgement

Stakeholder nicht nach Lautstärke, sondern nach Wirkung bewerten.


Professional Scepticism

Machtstrukturen hinterfragen, nicht übernehmen.


Beide sind heute unverzichtbar.



KI‑gestützte Stakeholderanalyse

KI verändert die Stakeholderlogik:

Was KI ermöglicht

  • dynamische Stakeholderkarten

  • Echtzeit‑Machtverschiebungen

  • automatische Signalüberwachung

  • Mustererkennung in Interessen


Was KI erschwert

  • Interpretierbarkeit sinkt

  • Stakeholdernetze werden dichter

  • Macht wird volatiler

KI macht Stakeholderanalyse mächtiger — aber anspruchsvoller.



Stakeholdernetze statt Stakeholderquadranten

Moderne Stakeholderanalyse arbeitet nicht mehr mit 4 Quadranten, sondern mit:

  • dynamischen Netzwerken

  • Knotenpunkten

  • Einflussströmen

  • Echtzeit‑Signalen

  • Übergängen zwischen Rollen

Stakeholder sind keine Felder — sie sind Bewegungen.



Zusammenfassung

Die Mendelow‑Matrix ist heute kein Priorisierungsmodell, sondern ein Diagnoseinstrument für Stakeholderfragilität.

Sie zeigt:

  • wo Macht bricht

  • wo Interesse verzerrt wird

  • wo Nichtlinearität entsteht

  • wo Projekte CFO‑zentriert werden

  • wo Organisationen reaktiv statt proaktiv sind


Im BANI‑Zeitalter ist die Mendelow‑Matrix nicht obsolet — aber sie muss radikal anders gedacht werden.



Weiterführender Artikel

Eine moderne Interpretation der Mendelow‑Matrix — inklusive Customer‑Holder‑Logik und Wertschöpfungspriorisierung — findest du im vertiefenden Artikel auf NextLevel College: Mendelow-Matrix - auch Power-Interest Matrix oder Stakeholder Grid genannt - Wenn alle Stakeholder unterschiedlich wichtig sind – warum am Ende oft keiner wirklich wichtig sein kann

Serienintegration

Dieser Artikel ist Teil der Management‑1.0‑Serie und zeigt, wie klassische Modelle unter modernen Bedingungen neu interpretiert werden müssen. Die neue - NextLevel-Mendelow-Matrix zeigt, wie klassische Machtstrukturen unter modernen Bedingungen neu bewertet und in dynamische Stakeholdernetze überführt werden müssen..



NextLevel‑Statement

Die Mendelow‑Matrix zeigt, wie Macht und Interesse Entscheidungen formen — aber sie zeigt nicht, wie Wert entsteht. Im BANI‑Zeitalter ist das entscheidend: Stakeholder verschieben ihre Positionen schneller, als klassische Modelle reagieren können. Deshalb wandern Projekte oft vom Kunden zum CFO, nicht weil der CFO wichtiger wäre, sondern weil das Modell Wertschöpfung nicht abbildet. Der Custom‑Holder erinnert uns daran, dass Macht nicht der Ursprung von Wert ist. Wert entsteht dort, wo Zukunft entsteht: beim Kunden. Moderne Stakeholderführung bedeutet deshalb nicht, Macht zu verwalten, sondern Wert zu schützen — und die Organisation konsequent auf denjenigen auszurichten, der sie überhaupt erst möglich macht.





FAQ – Mendelow‑Matrix (Power‑Interest‑Matrix)

Wie erkenne ich, ob die Mendelow‑Matrix für mein Projekt überhaupt sinnvoll ist?

Die Matrix lohnt sich, wenn Stakeholder unterschiedliche Macht und unterschiedliche Interessen haben — und wenn diese Unterschiede Entscheidungen beeinflussen. Tipp: Wenn du merkst, dass „alle irgendwie wichtig sind“, ist die Matrix ein guter Startpunkt.


Wie finde ich heraus, welche Stakeholder wirklich Macht haben?

Macht zeigt sich nicht in Titeln, sondern in der Fähigkeit, Entscheidungen zu stoppen, zu beschleunigen oder zu verändern. Next Step: Beobachte, wer Entscheidungen tatsächlich beeinflusst — nicht, wer offiziell dafür zuständig ist.


Wie messe ich das Interesse eines Stakeholders korrekt?

Interesse zeigt sich in Verhalten: Teilnahme, Fragen, Eskalationen, Engagement. Tipp: Dokumentiere Interaktionen über 4–6 Wochen — Muster sind wichtiger als Momentaufnahmen.


Warum verschiebt sich die Macht von Stakeholdern im Projektverlauf?

Weil Budget, Risiko, Sichtbarkeit und politische Dynamiken sich ändern. Next Step: Aktualisiere die Matrix alle 4–8 Wochen, nicht nur zu Projektbeginn.


Warum wandern Projekte oft vom Kunden zum CFO?

Weil die Matrix Macht stärker gewichtet als Wertschöpfung. Tipp: Ergänze die Matrix um eine dritte Dimension: „Value Impact“.


Wie verhindere ich, dass der CFO das Projekt komplett dominiert?

Indem du früh zeigst, wie Kundennutzen finanzielle Risiken reduziert. Next Step: Erstelle eine „Value‑to‑Risk“-Story für den CFO.


Wie gehe ich mit Stakeholdern um, die laut sind, aber wenig Macht haben?

Lautstärke ≠ Einfluss. Tipp: Nutze die Matrix, um emotionale Wahrnehmung von tatsächlicher Wirkung zu trennen.


Wie erkenne ich Stakeholder, die unterschätzt werden?

Sie haben geringe formale Macht, aber hohe indirekte Wirkung (z. B. Entwickler, Kunden, Regulatoren). Next Step: Prüfe, wer „kritische Pfade“ beeinflusst.


Wie gehe ich mit Stakeholdern um, die plötzlich Macht gewinnen?

Behandle Machtzuwachs wie ein Risikoereignis. Tipp: Sofortige Re‑Priorisierung der Matrix.


Wie integriere ich externe Stakeholder (Regulatoren, Partner, Kunden)?

Externe Stakeholder haben oft hohe Macht, aber unklare Interessen. Next Step: Erstelle Hypothesen und validiere sie durch Signale.


Wie nutze ich die Matrix für Change‑Management?

Identifiziere Widerstandsträger und Unterstützer früh. Tipp: Erstelle eine „Influence Map“ basierend auf dem Quadranten.


Wie nutze ich die Matrix für Produktentwicklung?

Stakeholder mit hohem Interesse liefern wertvolle Insights — auch wenn sie wenig Macht haben. Next Step: Priorisiere Interviews nach Interesse, nicht nach Hierarchie.


Wie nutze ich die Matrix für Governance?

Governance braucht Klarheit über Machtverteilung. Tipp: Nutze die Matrix als Grundlage für Entscheidungsrechte.


Wie gehe ich mit Stakeholdern um, die Macht haben, aber kein Interesse?

Diese Gruppe ist gefährlich — sie kann Projekte stoppen. Next Step: Entwickle eine „Low‑Interest Engagement“-Strategie.


Wie gehe ich mit Stakeholdern um, die Interesse haben, aber keine Macht?

Diese Gruppe ist wertvoll — sie liefert Insights und Akzeptanz. Tipp: Nutze sie als „Signalgeber“ für

Risiken und Chancen.

Wie verhindere ich, dass die Matrix zu statisch wird?

Stakeholder ändern sich — die Matrix muss es auch. Next Step: Monatliche Mini‑Reviews einplanen.


Wie integriere ich die Matrix in agile Projekte?

Agile Projekte haben dynamische Stakeholder. Tipp: Aktualisiere die Matrix pro Sprint oder Release.


Wie nutze ich die Matrix in Krisensituationen?

In Krisen verschiebt sich Macht extrem schnell. Next Step: Erstelle eine „Crisis‑Version“ der Matrix mit verkürzten Zyklen.


Wie erkenne ich, ob ein Stakeholder nur taktisches Interesse hat?

Taktisches Interesse ist kurzfristig und oft politisch motiviert. Tipp: Prüfe, ob das Interesse nach 4 Wochen noch besteht.


Wie gehe ich mit Stakeholdern um, die Entscheidungen blockieren?

Blockierer haben Macht — aber oft kein echtes Interesse. Next Step: Finde heraus, welches Risiko sie wahrnehmen.


Wie nutze ich die Matrix für Kommunikation?

Kommunikation muss Macht und Interesse berücksichtigen. Tipp: Erstelle Kommunikationspläne pro Quadrant.


Wie nutze ich die Matrix für Risikoanalyse?

Stakeholderrisiken sind oft größer als technische Risiken. Next Step: Ergänze die Risikomatrix um Stakeholderdimensionen.


Wie nutze ich die Matrix für Priorisierung?

Stakeholder mit hoher Macht bestimmen Prioritäten. Tipp: Nutze die Matrix als Input für Roadmaps.


Wie erkenne ich Stakeholder, die „unsichtbare Macht“ haben?

Sie beeinflussen Entscheidungen informell. Next Step: Beobachte Meeting‑Dynamiken und informelle Netzwerke.


Wie gehe ich mit Stakeholdern um, die sich nicht entscheiden wollen?

Unentschlossenheit ist ein Machtinstrument. Tipp: Reduziere Entscheidungskomplexität.


Wie nutze ich die Matrix für Budgetverhandlungen?

Budgetgeber haben Macht — aber oft kein operatives Interesse. Next Step: Verbinde Budget mit Wertschöpfung.


Wie erkenne ich Stakeholder, die das Projekt sabotieren könnten?

Saboteure haben oft mittlere Macht und geringes Interesse. Tipp: Frühzeitige Risikoanalyse ihrer Motive.


Wie nutze ich die Matrix für Stakeholder‑Engagement?

Engagement muss differenziert sein — nicht „one size fits all“. Next Step: Erstelle Engagement‑Strategien pro Quadrant.


Wie erkenne ich, ob die Matrix falsch priorisiert?

Wenn Entscheidungen nicht besser werden, ist die Matrix falsch. Tipp: Validierung durch reale Entscheidungsfälle.


Wie integriere ich KI in die Stakeholderanalyse?

KI erkennt Muster, die Menschen übersehen. Next Step: Nutze KI für Signaltracking, aber nicht für finale Bewertung.



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