Future Contract
Future Contract - Standardisiertes Termingeschäft mit täglichem Margining im Treasury‑ und Risikomanagement
Kurzdefinition
Ein Future Contract (Futures‑Kontrakt) ist ein standardisiertes Termingeschäft, das an einer Börse gehandelt wird und zwei Parteien verpflichtet, einen bestimmten Basiswert zu einem festgelegten Preis zu einem definierten zukünftigen Zeitpunkt zu kaufen oder zu verkaufen.
Im Gegensatz zu Forward Contracts erfolgt beim Future die Risikosteuerung nicht über individuelle Vertragsgestaltung, sondern über Standardisierung, tägliche Bewertung (Mark‑to‑Market) und ein zentrales Margin‑System. Futures werden deshalb vor allem dort eingesetzt, wo Marktliquidität, Transparenz und Kontrahentensicherheit im Vordergrund stehen.

2. Einordnung im System von Treasury und Risk Management
Future Contracts gehören zum klassischen Instrumentarium des Treasury‑ und Risikomanagements, folgen jedoch einer anderen Systemlogik als Forward Contracts.
Primär‑Cluster: Treasury
Sekundär‑Cluster: Risk Management
Während Forwards stark auf unternehmensspezifische Cashflows zugeschnitten sind, eignen sich Futures besonders für Organisationen mit standardisierbaren Exposures, hoher Wiederholungshäufigkeit und professioneller Treasury‑Infrastruktur. Sie sind weniger maßgeschneidert, dafür operativ effizient und marktnah.
3. Funktionsweise und Preislogik eines Future Contracts
Ein Future Contract definiert standardisiert:
den Basiswert (z. B. Rohstoff, Währung, Zinssatz, Index),
eine fixe Kontraktgröße,
einen Verfallmonat,
sowie den vereinbarten Preis.
Wie beim Forward ist auch der Future‑Preis keine Prognose des zukünftigen Marktpreises. Er ergibt sich aus dem heutigen Spot‑Preis und den Finanzierungskomponenten, insbesondere der Zinsstruktur. Arbitrage stellt sicher, dass diese Beziehung effizient eingehalten wird.
Der zentrale Unterschied liegt in der Abwicklung:
Future Contracts werden täglich zum Marktpreis bewertet (Mark‑to‑Market). Wertveränderungen werden jeden Tag in bar ausgeglichen, nicht erst am Laufzeitende.
Merksatz
Future = tägliche Abrechnung, täglicher Liquiditätsstress Forward = Ruhe bis zum Schluss
4. Die Matrix‑Logik: Von Cashflow‑Fixierung zu Liquiditätssteuerung
Future Contracts verändern die klassische Hedging‑Matrix grundlegend. Während Forwards Unsicherheit bis zum Ende der Laufzeit „einfrieren“, machen Futures Risiken durch tägliche Neubewertung kontinuierlich sichtbar, spürbar und liquiditätswirksam.
Dimension | Forward Contract | Future Contract |
Vertragsform | OTC, individuell | Börslich, standardisiert |
Cashflow‑Wirkung | Am Laufzeitende | Täglich |
Bewertung | Periodisch | Täglich (Mark‑to‑Market) |
Liquiditätsbedarf | Niedrig während Laufzeit | Permanent |
Ein Future reduziert das Marktpreisrisiko sehr effektiv, verlagert es jedoch in ein tägliches Liquiditäts‑ und Prozessmanagement.
5. Praxisbeispiel: Commodity‑Future im Einkauf
Ein Industrieunternehmen verarbeitet Aluminium und ist steigenden Rohstoffpreisen ausgesetzt. Um dieses Risiko zu begrenzen, kauft es Aluminium‑Futures mit einer Laufzeit von sechs Monaten.
In den folgenden Wochen steigt der Aluminiumpreis. Die Wertsteigerung des Futures wird dem Unternehmen täglich über das Margin‑Konto gutgeschrieben. Fällt der Preis hingegen, muss das Unternehmen entsprechend Liquidität nachschiessen.
Der wirtschaftliche Effekt ist eindeutig:
Preisrisiken sind neutralisiert, doch Liquiditätsschwankungen entstehen permanent, unabhängig vom operativen Zahlungsstrom.
6. Margin‑Systeme, Mark‑to‑Market und Liquiditätswirkung
Ein zentrales Merkmal von Future Contracts ist das Margin‑System, das eng mit dem täglichen Mark‑to‑Market verknüpft ist.
Initial Margin
Die Initial Margin ist eine einmalige Sicherheitsleistung bei Vertragsabschluss. Sie dient als Puffer gegen kurzfristige Preisbewegungen und stellt sicher, dass Verpflichtungen erfüllt werden können.
Variation Margin
Die Variation Margin gleicht die täglichen Wertänderungen des Futures aus. Steigt der Preis zugunsten des Unternehmens, erhält es Liquidität. Fällt der Preis, muss Liquidität nachgeschossen werden – oft bereits am nächsten Morgen.
Der Forward friert Risiken ein, der Future zwingt zur täglichen Auseinandersetzung mit ihnen.
Kontrahentenrisiko: CSA vs. Clearinghaus
Während beim Forward Contract das Ausfallrisiko häufig bilateral über Credit Support Annexes (CSAs) besichert wird, übernimmt beim Future Contract das Clearinghaus der Börse die Rolle der zentralen Gegenpartei.
Durch dieses System und die tägliche Margin‑Logik wird das Kontrahentenrisiko beim Future nahezu auf Null reduziert – allerdings zum Preis eines höheren laufenden Liquiditätsbedarfs.
7. Rechnungslegungs‑Perspektive: IFRS und Swiss GAAP FER
IFRS
Unter IFRS 9 gelten Futures als Derivate und werden laufend zum Fair Value bewertet. Der tägliche Cash‑Ausgleich der Variation Margin führt dazu, dass Wertänderungen sehr zeitnah in der Erfolgsrechnung sichtbar werden.
Hedge Accounting ist möglich, in der Praxis jedoch oft komplex, da die Cash‑Flows aus der Variation Margin die bilanzielle Abbildung der Sicherungsbeziehung „stören“ können.
Futures zeigen exemplarisch das Spannungsfeld zwischen
